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01.10.2006 | Kfz-Kosten

Aktuelle Leitlinien des Finanzministeriums zu den Änderungen beim Betriebs-PKW

Mit dem Gesetz zur Eindämmung missbräuchlicher Steuergestaltungen vom 28. April 2006 wurde die pauschale Ermittlung der privaten Nutzung von betrieblichen Kraftfahrzeugen mit Hilfe der Ein-Prozent-Regelung stark eingeschränkt. Denn rückwirkend ab dem 1. Januar 2006 ist die für Apotheker oftmals günstige Ein-Prozent-Regelung nur noch anwendbar, wenn das betreffende Kraftfahrzeug zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird (Einzelheiten in: „Apotheker Berater“ Nr. 3/2006, S. 11 ff.; Nr. 8/2006, S. 14). In einem aktuellen Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 7. Juli 2006 werden nunmehr Leitlinien für die Ermittlung der betrieblichen Kfz-Nutzung und deren Nachweis durch den Steuerpflichtigen aufgestellt (Az: IV B 2 – S 2177, Abruf-Nr: 062040). 

Betrieblich veranlasste Fahrten

Zur betrieblichen Nutzung eines Kraftfahrzeugs rechnet die Finanzverwaltung alle Fahrten, die betrieblich veranlasst sind, also in einem tatsächlichen oder wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem Betrieb – das heißt der Apotheke – stehen.  

 

Als betriebliche Fahrten gelten auch die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte (Apotheke). Eine mehr als 50-prozentige betriebliche Nutzung kann daher nur bei langen Fahrtstrecken zur Apotheke schnell nachgewiesen werden. Dies wird auch noch ab dem 1. Januar 2007 gelten, obwohl das Finanzamt die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte unter dem Gesichtspunkt der Entfernungspauschale für die ersten 20 Kilometer steuerlich nicht mehr berücksichtigen wird. 

Nachweis der betrieblichen Nutzung

Um das Finanzamt überzeugen zu können, dass ein betriebliches Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent genutzt wird, gelten die folgenden Grundsätze:  

 

  • Auf Nachweise über betrieblich veranlasste Fahrten verzichtet das Finanzamt insgesamt nur, wenn ein Unternehmer nach Art und Umfang seiner Betätigung überwiegend auf seinen Pkw angewiesen ist.

 

  • Im Übrigen muss nicht zwingend ein formelles Fahrtenbuch geführt werden. Vielmehr reichen formlose Aufzeichnungen aus. Die Finanzverwaltung akzeptiert hierbei zum Beispiel Eintragungen in Terminkalender oder Reisekostenaufzeichnungen.

 

  • Die überwiegende betriebliche Nutzung kann durch formlose Aufzeichnungen über einen repräsentativen, zusammenhängenden Zeitraum (in der Regel drei Monate) glaubhaft gemacht werden. Dabei reichen Angaben über die betrieblich veranlassten Fahrten (Anlass und die jeweils zurückgelegte Strecke) und die Kilometerstände zu Beginn und Ende des Aufzeichnungszeitraumes aus.
  • Ein Nachweis ist ebenfalls entbehrlich, wenn die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mehr als 50 Prozent der Jahreskilometerleistung des Kraftfahrzeuges ausmachen.
  • Zudem geht die Finanzverwaltung von dem einmal dargelegten Umfang der betrieblichen Nutzung auch für die Folgejahre aus, sofern sich keine wesentlichen Änderungen in Art und Umfang der betrieblichen Tätigkeit oder der Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ergeben.

Ermittlung des privaten Nutzungsanteils bei gewillkürtem Betriebsvermögen

Beträgt der betriebliche Nutzungsanteil nur 10 bis 50 Prozent (= gewillkürtes Betriebsvermögen), darf der private Nutzungsanteil nicht nach der Ein-Prozent-Regelung bewertet werden. Befindet sich das Fahrzeug weiterhin im Betriebsvermögen, sind die gesamten Kraftfahrzeugaufwendungen als Betriebsausgaben zu erfassen. Der private Nutzungsanteil ist dagegen mit einer Gewinn erhöhenden Entnahme zu korrigieren. Der Privatanteil ist hierbei mit Hilfe eines Fahrtenbuchs zu ermitteln oder alternativ zu schätzen. Bitte bedenken Sie in diesem Zusammenhang, dass eine Schätzung oftmals zu Ihren Ungunsten ausfallen wird. 

Fazit

Das Steuersparmodell „Betriebs-Pkw“ wurde durch die Neuregelung für Apotheker stark eingeschränkt. In vielen Fällen kann es daher sinnvoll sein, den Betriebs-Pkw aus dem Betriebsvermögen zu entnehmen und die betrieblich gefahrenen Kilometer künftig mit 0,30 Euro je tatsächlich gefahrenem Kilometer als Betriebsausgabe anzusetzen. Für Fahrten zwischen Wohnung und Apotheke gelten ab dem kommenden Jahr allerdings die neuen Regelungen zur Entfernungspauschale: keine Berücksichtigung für die ersten 20 Kilometer und ab dem 21. Kilometer Betriebsausgaben in Höhe von 0,30 Euro je Entfernungskilometer.  

 

Diese Entscheidung sollte in Absprache mit Ihrem Steuerberater getroffen werden. Ist das Steuersparmodell im Einzelfall nach wie vor möglich, sind die Anforderungen an die Nachweispflicht durchaus praktikabel. Positiv ist insbesondere, dass die Finanzverwaltung nicht auf Vorlage eines formellen Fahrtenbuchs besteht. 

Quelle: Ausgabe 10 / 2006 | Seite 17 | ID 85140