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23.07.2008 | Kapitalanlagen

Auch bei Veräußerungsgewinnen kassiert der Fiskus ab 2009 ein Viertel

Die neue Abgeltungsteuer wird ab 2009 auch die Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften erfassen – in erster Linie also die Gewinne bei Wertpapieren, Investmentanteilen, Beteiligungen an Kapitalgesellschaften usw. Damit wird erstmals mit der Abgeltungsteuer eine vollständige Besteuerung des Vermögenszuwachses im Privatvermögen eingeführt (zu den Auswirkungen der Abgeltungsteuer auf die Erträge aus den unterschiedlichen Anlageformen „Apotheker Berater“ Nr. 6/2008, S. 14 ff.). Auch hier ermöglichen Ihnen vor allem Übergangsregelungen einige Steueroptimierungen, auf die Sie nicht verzichten sollten.  

Rechtslage bis Ende 2008

Bis Ende 2008 sind Ihre privaten Veräußerungsgewinne nur zu versteuern, wenn Sie die Wertpapiere innerhalb eines Jahres nach deren Erwerb wieder verkaufen (Spekulationsgewinn). Aber auch bei einem Verkauf innerhalb eines Jahres bleibt der Gesamtgewinn steuerfrei, wenn er weniger als jährlich 600 Euro (bis 2007: 510 Euro) beträgt.  

 

Bei zusammen veranlagten Ehegatten werden die Veräußerungsgeschäfte für jeden Ehegatten getrennt behandelt. Voraussetzung ist, dass jeder Ehegatte eigene Einkünfte hat. Die Freigrenze, die ein Ehegatte nicht ausgeschöpft hat, kann allerdings nicht auf den anderen Ehegatten übertragen werden, wie das beispielsweise beim Sparer-Freibetrag möglich ist. 

 

Haben Sie bei einem Wertpapierverkauf innerhalb eines Jahres nach Erwerb einen Verlust hinnehmen müssen, können Sie diesen Verlust nur mit anderen Spekulationsgewinnen verrechnen. Bleibt danach noch immer ein Verlustüberhang, können Sie ihn auf Spekulationsgewinne des vorangegangenen Kalenderjahres zurück übertragen oder auf die folgenden Kalenderjahre vortragen. Darüber hinaus ist eine Verrechnung mit anderen Einkünften – etwa dem Gewinn aus der Apotheke – nicht zulässig. 

Die Änderungen ab 2009

Ab dem Jahr 2009 behält Ihre Bank die neue Abgeltungsteuer von 25 Prozent nicht nur von den Kapitalerträgen wie Zinsen, Dividenden usw. ein, sondern auch von Ihren Kursgewinnen. Das geht so: Ihre Anschaffungskosten für die Wertpapiere werden von der Bank festgehalten. Sofern der Bank der ursprüngliche Kaufpreis nicht bekannt sein sollte, werden als Veräußerungsgewinn 30 Prozent des Verkaufserlöses zugrunde gelegt.  

 

Bei der Abgeltungsteuer braucht also im Grunde genommen nicht mehr zwischen Erträgen und Kursgewinnen unterschieden zu werden. Das Halbeinkünfteverfahren für Kursgewinne bei Aktien sowie die bis Ende 2008 berücksichtigte Freigrenze von 600 Euro entfallen ersatzlos. Jeder Euro Kursgewinn wird versteuert.  

 

Müssen Aktionäre bis Ende 2008 nur ihre innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist erzielten Gewinne versteuern, werden ab 2009 sämtliche Kursgewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften – ebenso wie alle anderen Kapitaleinnahmen – nur noch um den Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro für Ledige bzw. 1.602 Euro für Ehegatten gekürzt. Für alle darüber hinausgehenden Beträge wird Abgeltungsteuer fällig.  

 

Bisher absetzbare Ausgaben im Zusammenhang mit Erwerb, Verkauf und Aufbewahrung der Wertpapiere werden nicht mehr berücksichtigt. Das ist ärgerlich, wenn neben Depotkosten noch erhebliche Gebühren für Anlageberatung und Vermögensverwaltung oder Kreditzinsen für die Finanzierung der Anlagen anfallen. 

 

Beispiel

Der verheiratete konfessionslose Apotheker W hat langfristig Zinseinnahmen aus einem Depot mit festverzinslichen Wertpapieren, Bundesschatzbriefen usw. in Höhe von jährlich 3.500 Euro. In 2008 und 2009 erzielt er jeweils einen Spekulationsgewinn von 600 Euro. An Depotgebühren entstehen jährlich 150 Euro. Die auf den Kauf und Verkauf der Spekulationspapiere entfallenden Kosten betragen 100 Euro. Welche Steuern fallen an? 

 

Versteuerung in 2008 Geltendes Steuerrecht 

Versteuerung ab 2009 Künftiges Steuerrecht 

Zinsen Depot 

3.500 Euro 

 

3.500 Euro 

Sparbuch Ehefrau 

500 Euro 

 

500 Euro 

zusammen 

4.000 Euro 

 

4.000 Euro 

Sparer-Freibetrag 

- 1.500 Euro 

 

--- 

Werbungskosten 

- 150 Euro 

 

--- 

Steuerpflichtige Erträge 

 

2.350 Euro 

 

Spekulationseinnahmen 

600 Euro 

 

600 Euro 

Kosten 

- 100 Euro 

 

 

Spekulationsgewinn 

500 Euro 

 

 

Freigrenze 

- 600 Euro 

 

 

bleiben steuerpflichtig 

 

0 Euro 

 

zusammen 

 

2.350 Euro 

4.600 Euro 

Sparer-Pauschbetrag 

 

--- 

- 1.602 Euro 

mithin zu versteuern 

 

2.350 Euro 

2.998 Euro 

Persönlicher Steuersatz 40 % 

 

940 Euro 

 

Abgeltungsteuer 25 % 

 

 

600 Euro 

Ergebnis: Bei Einnahmen in gleicher Höhe spart der Apotheker W mit der Abgeltungsteuer künftig 340 Euro. 

Ausnahmeregelung: altes Recht für Käufe vor 2009

Bis Ende 2008 gewährt das Finanzamt einen Bestandsschutz für die bis dahin gekauften Wertpapiere. Für alle Wertpapiere, die bis zum 31. Dezember 2008 erworben werden, gilt daher für die Kursgewinne weiterhin die alte Regelung, das heißt:  

 

  • Nur die innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist realisierten Kursgewinne sind steuerpflichtig.
  • Die übrigen Kursgewinne sind nach dem Halbeinkünfteverfahren und mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern.
  • Angefallene Werbungskosten für Kauf, Verkauf und Finanzierung werden berücksichtigt.

 

Aber auch für Aktien- und Investmentfonds gibt es eine Übergangsphase. Haben Sie die Fondsanteile vor dem 1. Januar 2009 erworben, sind alle zukünftigen Veräußerungsgewinne steuerfrei, die Sie erst nach Ablauf der Jahresfrist veräußern. Das gilt auch für thesaurierte Veräußerungsgewinne, die auf der Ebene der Fonds anfallen, sowie aus den von Ihnen gehaltenen Investmentanteilen.  

 

Praxistipp: Apotheker, die eine Anlage in Aktien oder Investmentfonds bevorzugen, können der Abgeltungsteuer ein Schnippchen schlagen, wenn sie an günstigen Börsentagen noch Aktien oder Fondsanteile mit Kurspotenzial vor dem 31. Dezember 2008 erwerben.  

Wenn der Aktienbestand nach und nach aufgebaut wird

Auch nach Einführung der Abgeltungsteuer gilt bei Wertpapieren, die Sie Ihrer Bank zur Sammelverwahrung anvertraut haben, das sogenannte First-in-first-out-Prinzip (Fifo-Prinzip). Nach dieser Fifo-Methode wird also unterstellt, dass die zuerst angeschafften Wertpapiere auch zuerst wieder veräußert werden. 

 

Beispiel

Apotheker M kauft in den Jahren 2008 und 2009 Aktien der XY-AG in mehren Tranchen: 

Anschaffungsdatum 

Anzahl XY-Aktien 

Kaufpreis/Stück 

28.05.2008 

100 

100 Euro 

15.12.2008 

40 

80 Euro 

01.04.2009 

30 

120 Euro 

Am 30. November 2009 will M 150 Stück der XY-Aktien zum Preis von 150 Euro verkaufen. Nach der Fifo-Methode gelten nun die am 28. Mai 2008 gekauften Aktien als zuerst veräußert, und zwar durch die Übergangsregelung nach dem geltenden Steuerrecht außerhalb der Spekulationsfrist und einkommensteuerfrei. Danach folgen die am 15. Dezember 2008 erworbenen Aktien. Diese fallen zwar noch in die Übergangsregelung, werden aber innerhalb der einjährigen Spekulationsfrist verkauft. Die restlichen 10 Aktien sind erst in 2009 erworben worden – der anteilige Veräußerungsgewinn ist daher auf alle Fälle steuerpflichtig.  

 

Im Einzelnen ergibt sich folgende Steuerlast: 

Verkauf von 100 Aktien x 150 Euro 

15.000 Euro 

15.000 Euro 

Anschaffungskosten am 28.5.2008 100 Aktien x 100 Euro 

- 10.000 Euro 

 

steuerfreier Kursgewinn 

5.000 Euro 

 

Verkauf von 40 Aktien x 150 Euro  

6.000 Euro 

6.000 Euro 

Anschaffungskosten am 15.12.2008 40 Aktien x 80 Euro 

- 3.200 Euro 

 

Kursgewinn, der nach dem Halbeinkünfteverfahren zu 50 % steuerfrei und zu 50 % mit dem persönlichen Steuersatz zu versteuern ist 

 

 

2.800 Euro 

 

Verkauf von 10 Aktien x 150 Euro 

1.500 Euro 

1.500 Euro 

Anschaffungskosten am 1.4.2009 10 Aktien x 120 Euro 

- 1.200 Eur

 

Kursgewinn, der der Abgeltungsteuer unterliegt 

300 Euro 

 

Verkaufspreis 

 

22.500 Euro 

Praxistipp: Apotheker mit vergleichbaren Wertpapieren sollten ein zusätzliches Depot für die ab 1. Januar 2009 angeschafften Papiere einrichten, um den besseren Überblick zu behalten. Da die Fifo-Methode für jedes Depot getrennt gilt, kann der Anleger von Fall zu Fall entscheiden, ob er die vor oder nach dem 31. Dezember 2008 erworbenen Aktien verkaufen will. 

Die Verrechnung von Veräußerungsverlusten

Veräußerungsverluste aus Aktien dürfen auch bei der Abgeltungsteuer nur mit Veräußerungsgewinnen aus Aktien verrechnet werden. Es gibt keine Beschränkung auf einjährige Spekulationsgewinne mehr, aber auch keinen Ausgleich mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen!  

 

Alle neuen Verluste ab 2009 dürfen Sie nur noch eingeschränkt mit Gewinnen aus Aktienverkäufen desselben Jahres verrechnen oder in künftige Jahre vortragen. Den Verlustrücktrag und damit eine sofortige steuerliche Berücksichtigung gibt es nicht mehr. 

 

Praxistipp: Für Spekulationsgewinne, die bis zum 31. Dezember 2008 entstanden sind, gibt es eine Besonderheit. Diese Verluste können bis Ende 2013 vorgetragen und mit Veräußerungsgewinnen verrechnet werden.  

Quelle: Ausgabe 08 / 2008 | Seite 11 | ID 120513