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01.09.2007 | Gesetzgebung

Unternehmensteuerreform 2008 – Worauf sich Apotheker einstellen können

von Dipl.-Finanzwirt (FH) Christian Freischlader, Steuerberater, Dr. Schmidt und Partner, Koblenz

Die überwiegenden Teile der Unternehmensteuerreform 2008 treten zum 1. Januar 2008 in Kraft. Lediglich der neue – und die bisher bekannte Ansparabschreibung ersetzende – Investitionsabzugsbetrag greift bereits für 2007. Die Einführung einer einheitlichen Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge aller Art erfolgt erst zum Januar 2009. Der folgende Beitrag erläutert, welche konkreten Änderungen sich für Apotheker bei der Gewerbe- und bei der Reichensteuer ergeben. 

Änderungen bei der Gewerbesteuer

Nach bisheriger Regelung ist die Gewerbesteuer stets als Betriebsausgabe bei der Gewinnermittlung für den Apothekenbetrieb abzugsfähig gewesen und hat damit den Gewinn entsprechend gemindert. Damit wurde die Gewerbesteuer zum einen von ihrer eigenen Bemessungsgrundlage und zum anderen auch von der Bemessungsgrundlage für die Einkommensteuer abgezogen. Diesen gewinn- und steuermindernden Vorgang hat der Gesetzgeber nunmehr mit dem neuen § 4 Abs. 5b Einkommensteuergesetz (EStG) abgeschafft. Danach gilt: 

 

Die neue Rechtslage

Ab den Erhebungszeiträumen, die nach dem 31. Dezember 2007 enden, ist die Gewerbesteuer keine abziehbare Betriebsausgabe mehr und sie mindert auch nicht mehr den Gewinn des Apothekenbetriebes. Damit geht aber gleichzeitig die Neuerung einher, dass zukünftige Gewerbesteuer-Erstattungen aus eventuell zuviel entrichteten Gewerbesteuer-Zahlungen an die Gemeinden und Städte nicht mehr als Betriebseinnahmen zu erfassen sind. Diese Posten wirken sich damit nicht gewinnerhöhend aus. 

 

Beginn der Neuregelung für abweichende Wirtschaftsjahre

Soweit der Gewinnermittlungszeitraum für Ihren Apothekenbetrieb mit dem Kalenderjahr identisch ist, trifft die Gesetzesänderung erst für die Wirtschaftsjahre zu, die mit dem 1. Januar 2008 beginnen (vergleiche zum Apotheken-Wirtschaftsjahr: „Apotheker Berater“ Nr. 9/2007, S. 16 ff.).  

 

Sollten Sie jedoch ein vom Kalenderjahr abweichendes Wirtschaftsjahr haben, sind bereits die Gewerbesteuerzahlungen, die auf einen Gewinn zu leisten sind, der ab dem 1. Februar 2007 ermittelt wird, von der neuen Regelung betroffen. Diese Zahlungen sind bereits nicht mehr als Betriebsausgaben zu berücksichtigen. 

 

Hinzurechnungstatbestände

Eine weitere Änderung haben die einzelnen Hinzurechnungstatbestände erfahren. Bisher wurden sogenannte Dauerschuldzinsen, die den Gewinn aus dem Apothekenbetrieb gemindert haben, zu 50 Prozent dem Gewerbeertrag hinzugerechnet. Zudem wurden Renten und dauernde Lasten bei der Ermittlung des Gewerbeertrages hinzugerechnet, wenn diese bei der Gründung oder dem Erwerb des Betriebes begründet worden sind. Ebenfalls wurden bisher 100 Prozent der an den stillen Gesellschafter zu zahlenden Gewinnanteile für die Ermittlung des Gewerbeertrages hinzugerechnet sowie 50 Prozent der Miet- und Pachtzinsen für bewegliche Wirtschaftsgüter, soweit diese beim Vermieter oder Verpächter nicht der Gewerbesteuer unterlegen haben. 

 

Ab 2008 werden die einzelnen Hinzurechnungstatbestände für Geld- und Sachkapitalüberlassung zusammengefasst und einheitlich behandelt: Sämtliche Schuldzinsen, Renten und dauernde Lasten sowie Gewinnanteile des stillen Gesellschafters werden zu 100 Prozent, Miet- und Pachtzinsen für bewegliche Wirtschaftsgüter zu einem Fünftel, Miet- und Pachtzinsen für unbewegliche Wirtschaftsgüter zu drei Vierteln und Aufwendungen für die zeitlich befristete Überlassung von Rechten zu einem Viertel angesetzt. Die sich hieraus ergebende Summe wird anteilig zu einem Viertel dem Gewerbeertrag hinzugerechnet. Diese Hinzurechnung wird aber nur dann vorgenommen, soweit die Summe den eingeräumten Freibetrag von 100.000 übersteigt. Der Freibetrag dient insbesondere zur Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen. 

 

Beispiel

Apotheker A hat in seiner Gewinn- und Verlustrechnung Zinsaufwendungen von insgesamt 25.000 Euro ausgewiesen. Darüber hinaus zahlt er für einen Kommissionierer Leasingraten von jährlich 45.000 Euro. Für das Betriebsgrundstück zahlt er einen jährlichen Mietzins von 50.000 Euro. Künftig ist dafür folgender Hinzurechnungsbetrag bei der Ermittlung des Gewerbeertrages anzusetzen: 

 

Zinsen 

25.000 Euro 

Leasingraten Kommissionierer  

(20 % von 45.000 Euro) 

 

9.000 Euro 

Mietzahlung für das Betriebsgrundstück  

(75 % von 50.000 Euro) 

 

37.500 Euro 

 

71.500 Euro 

./. Freibetrag von 100.000 Euro,  

maximal 71.500 Euro  

 

./. 71.500 Euro 

Verbleiben als Hinzurechnungsbetrag 

0 Euro 

 

Hinweis: Bisher wären 50 Prozent der Zinsen von 25.000 Euro – also 12.500 Euro – dem Gewerbeertrag hinzu gerechnet worden.  

 

Neue Gewerbesteuermessbeträge

Der Wegfall des Betriebsausgabenabzugs bei der Gewerbesteuer ohne Kompensation hätte einen erheblichen Anstieg der Gewerbesteueraufwendungen zur Folge gehabt. Daher wurde ab 2008 der Wegfall des sogenannten Staffeltarifs (von bisher 1 bis 5 Prozent in Schritten von 12.000 Euro) beschlossen, nach dem für Einzelgewerbetreibende und Personengesellschaften der Gewerbesteuermessbetrag berechnet worden ist. Für 2008 ist nunmehr eine einheitliche Steuermesszahl von 3,5 Prozent für alle Gewerbebetriebe eingeführt worden. Der bisherige Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro bleibt unverändert bestehen. 

 

Damit verbleiben – wie bisher – die ersten 24.500 Euro von der Gewerbesteuer befreit. Durch die Abschaffung des Staffeltarifs werden aber die nächsten 42.000 Euro prozentual höher besteuert als bisher. Die darüber liegenden Gewinne – also ab einem Gewinn in Höhe von 66.500 Euro – werden dagegen zukünftig günstiger besteuert. 

 

Anrechnung der Gewerbe- auf die Einkommensteuer

Um die Gewerbesteuer-Zahllast von Apotheken im Rahmen der Einkommensbesteuerung zumindest teilweise zu kompensieren und damit eine Doppelbesteuerung zu vermeiden, war bisher eine Anrechnung der Gewerbesteuer in Höhe des 1,8-fachen Gewerbesteuermessbetrages auf die Einkommensteuer vorgesehen. Damit kam es bei der Anwendung des Spitzensteuersatzes von 42 Prozent zu einer vollständigen Entlastung von der Gewerbesteuer, wenn der Gewerbesteuer-Hebesatz 341 Prozent beträgt. Zusammen mit dem Betriebsausgabenabzug der Gewerbesteuer ergab sich durch die Anrechnung eine vollständige Entlastung von der Gewerbesteuer. 

 

Durch die Versagung des Betriebsausgabenabzugs der Gewerbesteuer fällt nun die Anrechnungsmöglichkeit der Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer höher aus, um die Doppelbesteuerung auch zukünftig vermeiden zu können. Der Anrechnungsfaktor wird ab 2008 von bisher 1,8 auf 3,8 angehoben. Bei einem durchschnittlichen Hebesatz von 380 Prozent ergibt sich damit eine vollständige Entlastung von der Gewerbesteuer. Der Abzug des Entlastungsbetrages wird allerdings auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer beschränkt. 

 

Beispiel

Apotheker A hat nach Hinzurechnungen und Abzug des Freibetrages von 24.500 Euro einen verbleibenden Gewerbeertrag von 100.000 Euro. Der Gewerbesteuermessbetrag unterliegt einem Hebesatz von 350 Prozent. A muss an die Gemeinde eine Gewerbesteuer von 12.250 Euro (= 3,5 % von 100.000 Euro x 350 %) zahlen. 

 

Das Anrechnungspotenzial auf die Einkommensteuer beträgt 3,5 % von 100.000 Euro x 3,8 = 13.300 Euro. Dieses Potenzial wird auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer von 12.250 Euro begrenzt. 

 

Stellungnahme

Im Endeffekt führt die neue Gewerbesteuer grundsätzlich zu einer Begünstigung für alle Apothekenbetriebe, da durch die Umstrukturierung der Hinzurechnungstatbestände wohl weniger Hinzurechnungen vorgenommen werden. Zu hoffen bleibt an dieser Stelle nur, dass die Gewerbesteuereinnahmen der Städte und Gemeinden durch die Neuregelungen nicht stagnieren oder zurückgehen. Dies würde nämlich wahrscheinlich die Erhöhung der Gewerbesteuerhebesätze nach sich ziehen und damit eine erhöhte Gewerbesteuer-Zahllast auslösen, welche zu Lasten der eigenen Liquidität geht. 

Einführung der Reichensteuer

Durch das Steueränderungsgesetz 2007 wurde der Einkommensteuertarif in der Weise modifiziert, dass für ein zu versteuerndes Einkommen von mehr als 250.000 Euro bzw. bei zusammen veranlagten Ehegatten von mehr als 500.000 Euro der Spitzensteuersatz von 42 auf 45 Prozent erhöht worden ist. Im Ergebnis bedeutet dies, dass von jedem Euro des zu versteuernden Einkommens, der über dieser Grenze von 250.000 bzw. 500.00 Euro liegt, zusätzlich 3 Prozent Einkommensteuer abgeführt werden müssen. 

 

Einkünfte aus Gewerbebetrieb und damit auch aus einem Apothekenbetrieb sowie Einkünfte aus selbstständiger Arbeit und solcher aus Land- und Forstwirtschaft (sogenannte Gewinneinkünfte) wurden bisher von dieser Zuschlagsregelung ausgenommen. Dies erfolgte in der Form, dass gemäß § 32c EStG ein entsprechender Entlastungsbetrag zu berücksichtigen war. Diese Entlastung wurde aber von vorneherein bis einschließlich des Veranlagungszeitraumes 2007 begrenzt. Damit findet der erhöhte Spitzensteuersatz von 45 Prozent ab dem Veranlagungszeitraum 2008 auf alle erzielten Einkünfte Anwendung. 

Neue Zinsschranken-Regelung

Grundgedanke der neuen Zinsschranke nach § 4h EStG ist, betrieblich veranlasste Schuldzinsen nur noch insoweit als Betriebsausgaben zum Abzug zuzulassen, wie diesen Aufwendungen Zinserträge in gleicher Höhe gegenüber stehen. Darüber hinaus sind die Schuldzinsen nur bis zu 30 Prozent des um die Zinsaufwendungen und die Abschreibungen erhöhten sowie um die Zinserträge verminderten Gewinns abzugsfähig. Die Zinsschranke wirkt in der Regel nur bei international tätigen Unternehmen, wenn der die Zinserträge übersteigende Betrag der Zinsaufwendungen größer als 1 Mio. Euro ist. Apotheker sind also nicht davon betroffen. Ihre betrieblich veranlassten Schuldzinsen bleiben auch wie bisher in voller Höhe abzugsfähig.  

 

Leserservice: In der nächsten Ausgabe des „Apotheker Beraters“ werden weitere Gestaltungsempfehlungen zu thesaurierten Gewinnen, Abschreibungsregelungen, dem Investitionsabzugsbetrag, der Dividendenbesteuerung sowie der neuen Abgeltungsteuer dargestellt. 

Quelle: Ausgabe 09 / 2007 | Seite 12 | ID 112264