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01.07.2006 | Einkommensteuer

Betriebliche Schuldzinsen sind nicht in jedem Fall auch Betriebsausgaben

Verbindlichkeiten teilen grundsätzlich das Schicksal der Wirtschaftsgüter, für deren Finanzierung sie aufgenommen worden sind (Veranlassungsprinzip). Danach gehören Schuldzinsen nur dann zu den Betriebsausgaben, wenn sie für Verbindlichkeiten geleistet werden, die durch Ihren Apothekenbetrieb verursacht sind.  

Schuldzinsen für betriebliche Investitionen

Schuldzinsen für Darlehen zur Finanzierung von Anschaffungs- oder Herstellungskosten von Wirtschaftsgütern des Anlagevermögens sind stets in unbeschränkter Höhe als Betriebsausgaben abzugsfähig. Die Art der Finanzierung und der Absicherung des Kredits liegt in Ihrem Ermessen. So können Sie zur Absicherung eines Darlehens für Investitionen in der Apotheke auch eine Hypothek auf Ihr privates Grundstück bestellen. Die Schuldzinsen bleiben nach dem Verursachungsprinzip gleichwohl Steuer mindernde Betriebsausgaben. Andererseits sind die Schuldzinsen bei einem Kredit für private Zwecke auch dann keine Betriebsausgaben, wenn Sie die Darlehensmittel über ein betriebliches Girokonto leiten. 

Schuldzinsen für ein gemischt genutztes Girokonto

Auch für Kontokorrentverbindlichkeiten, die im Laufe des Jahres sowohl durch betriebliche als auch durch privat veranlasste Auszahlungsvorgänge entstanden sind (gemischt genutztes Girokonto), gilt dieser Grundsatz: Nur Schuldzinsen, die in einem wirtschaftlichen Zusammenhang mit dem betrieblichen Teil der Verbindlichkeiten stehen, können als Betriebsausgaben berücksichtigt werden. Der betriebliche und der private Anteil an den Jahreszinsen ist gegebenenfalls nach der Zinsstaffelmethode festzustellen. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat bestätigt, dass auch bei gemischt genutzten Girokonten zunächst die objektive und subjektive Veranlassung der betrieblichen Verbindlichkeiten zu prüfen ist (Urteil vom 21.9.2005, Az: X R 46/04). 

Zweistufige Prüfung bei Kontokorrentzinsen

Nur wenn durch Ihren Apothekenbetrieb veranlasste Schulden vorliegen, handelt es sich um grundsätzlich abzugsfähige betriebliche Schuldzinsen. In einem zweiten Prüfungsschritt können Sie die Schuldzinsen, die nicht eindeutig dem privaten Bereich zuzuordnen sind, ab 1999 nur noch als Betriebsausgaben abziehen, soweit sie nicht auf Überentnahmen zurückzuführen sind. Überentnahmen liegen in einem Kalender- oder Wirtschaftsjahr vor, wenn die privaten Entnahmen die Summe aus Gewinn und privaten Einlagen übersteigen. Bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die nicht abziehbaren Schuldzinsen sind auch Überentnahmen und Unterentnahmen aus den Vorjahren als Kürzungen bzw. Hinzurechnungen zu berücksichtigen. Über- und Unterentnahmen von vor 1999 bleiben allerdings nach Auffassung der Finanzverwaltung außer Betracht.  

 

Praxistipp: Noch ist umstritten, ob Sie Ihre Unterentnahmen aus der Zeit vor 1999 nicht doch zu Ihren Gunsten berücksichtigen können. Deshalb sollten Sie Ihren Steuerbescheid offen halten und sich auf das beim BFH anhängige Revisionsverfahren (Az: VIII R 10/04) berufen. 

Bagatellbetrag bleibt immer Betriebsausgabe

Überwiegen die Überentnahmen in einem Kalender- oder Wirtschaftsjahr unter Berücksichtigung der Über- und Unterentnahmen aus den Vorjahren, werden die nicht abziehbaren Schuldzinsen mit 6 Prozent der Überentnahmen angesetzt. Der Hinzurechnungsbetrag ist jedoch auf die tatsächlich gezahlten Schuldzinsen beschränkt. Dabei werden die Schuldzinsen zur Finanzierung von Investitionen nicht einbezogen. Außerdem wird ein Bagatellbetrag von 2.050 Euro berücksichtigt. 

Ermittlung der abzugsfähigen Schuldzinsen

Mittels der folgenden Aufstellung (unter www.iww.de als Arbeitshilfe für Apotheker abrufbar) können Sie selbst ermitteln, in welchem Umfang Ihre betrieblichen Schuldzinsen abzugsfähig sind. Diese können Sie dem Finanzamt vorlegen. Bei den Betriebsausgaben wird der niedrigere Hinzurechnungs-/Höchstbetrag berücksichtigt. 

 

Beispiel: Ermittlung der abziehbaren Schuldzinsen für 200...

Gewinn/Verlust 

 

+ private Einlagen 

 

./. private Entnahmen 

 

= Über-/Unterentnahmen des laufenden Jahres 

 

./. Überentnahmen früherer Wirtschafts-/Kalenderjahre 

 

+ Unterentnahmen früherer Wirtschafts-/Kalenderjahre 

 

= kumulierte Über-/Unterentnahmen zum 31.12. 

 

Hinzurechnungsbetrag für nicht abziehbare Schuldzinsen (6 % der kumulierten Überentnahmen) 

 

tatsächlich angefallene Schuldzinsen 

 

./. Schuldzinsen für Investitionsdarlehen 

 

./. Kürzungsbetrag 

./. 2.050 Euro 

= Höchstbetrag der nicht abziehbaren Schuldzinsen  

 

 

Praxistipp: Übersteigen die betrieblichen Schuldzinsen 2.050 Euro nicht, können Sie sich die Berechnung der als Betriebsausgaben zu berücksichtigenden Zinsen sparen. 

Quelle: Ausgabe 07 / 2006 | Seite 10 | ID 85070