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30.04.2008 | Apothekenführung

Vergleich: Wie weit sind Ärzte mit der Umsetzung von Qualitätsmanagement?

von Alexandra Schramm, Medienbüro Medizin, Hamburg

Nach § 135a Sozialgesetzbuch (SGB) V sind Apotheker als Leistungserbringer im Gesundheitswesen zur Sicherung und Weiterentwicklung der Qualität der erbrachten Leistungen verpflichtet. Den Apothekern ist jedoch – anders als den niedergelassenen Ärzten – kein Qualitätsmanagement (QM) vorgeschrieben. Vertragsärzte müssen QM bis Ende 2009 bzw. vier Jahre nach Beginn ihrer vertragsärztlichen Tätigkeit in ihrer Praxis einführen. Eine aktuelle Studie der Stiftung Gesundheit zum „Qualitätsmanagement in der ärztlichen Praxis 2008“ gibt einen Überblick, wie es bei den ärztlichen Kollegen mit der Umsetzung der QM-Pflicht aussieht. Befragt wurden 30.149 Ärzte, Zahnärzte und Psychologische Psychotherapeuten.  

Nur wenige Ärzte verweigern die Einführung

Ein knappes Drittel der Ärzte sieht in QM eine teure und überflüssige Reglementierung der ärztlichen Freiheit. Gegenwärtig haben aber nur 6,5 Prozent der Studienteilnehmer jegliche Auseinandersetzung mit QM vermieden. Im Vorjahr waren dies noch 16 Prozent. Eine mögliche Erklärung, dass so wenige Ärzte die Einführung verweigern, könnte sein, dass der Umgang mit QM alltäglicher geworden ist. Laut Studie liege es in der Logik eines guten QM-Prozesses, dass sämtliche Praxismitarbeiter diesen aktiv begleiten, wesentliche Elemente selbst adaptieren und dann einführen.  

 

Die Gründe, warum sich manche Leistungserbringer noch nicht mit QM befasst haben, sind vielfältig: Die meisten von ihnen glauben nicht an eine Verbesserung durch QM und halten dies für Geldschneiderei (52 Prozent). Andere haben dafür keine Zeit (33 Prozent) oder fürchten sich vor der Bürokratie (41 Prozent). 

ISO ist das bekannteste QM-System

Welches System die Ärzte für QM in ihrer Praxis wählen, steht ihnen frei. Am bekanntesten ist nach wie vor die Normenfamilie ISO (DIN EN ISO 9000 ff.). In der Studie aus dem Jahr 2007 stand sie quasi als Synonym für QM, während andere Systeme nicht einmal an 30 Prozent im Bekanntheitsgrad heranreichten. Dies hat sich erheblich geändert. Das System der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) „QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen“ ist nun mit 55 Prozent viel bekannter geworden (anstelle von weniger als 30 Prozent in 2007). Noch deutlicher ist diese Entwicklung, wenn man nur die Gruppe der Humanmediziner betrachtet. Da QEP explizit für diese Zielgruppe entwickelt wurde, spielt sie bei den Zahnmedizinern keine Rolle.  

Marktanteile der QM-Systeme

Die Entwicklung von QEP bildet sich auch in der tatsächlichen Implementierung ab: Im Jahr 2007 kam ein Anwender von QEP auf vier Einsätze von ISO. Heute ist die Relation auf etwa 1 zu 1,5 angenähert. Speziell bei den Allgemeinmedizinern zeigt sich, dass QEP am weitesten verbreitet ist: 32,4 Prozent haben QEP in ihrer Praxis implementiert, ISO hingegen nur 20,1 Prozent. Systeme wie KTQ oder EFQM haben einen deutlich geringeren Marktanteil.  

 

Das wichtigste Motiv bei der Auswahl eines QM-Systems ist für die Ärzte, dass es sich für die spezifische Praxis eignet. Deshalb gibt es viele unterschiedliche Systeme am Markt, bei denen es sich um Derivate der großen Systeme handelt. Diese wurden eigens für spezifische Fachgruppen adaptiert (etwa QiN für Nephrologen oder Athene für Neurologen). Außerdem spielen die Kosten und die Kompetenz der Dienstleister eine entscheidende Rolle für die Auswahl des Systems. 

Wie viel Zeit und Geld kostet QM?

Neben den direkten Kosten für die Prozessbegleitung und Zertifizierung ist vor allem der Zeitaufwand von den Praxisinhabern und den Mitarbeitern zu berücksichtigen. Während der zeitliche Aufwand für ISO und QEP annähernd gleich ist, ist QEP kostengünstiger. Andere Systeme wie EPA und EFQM sind deutlich weniger aufwändig. 

 

Die Kosten in der Einführungsphase/nach der Einführung

QM- 

System 

Responder 

Dauer (Wochen) 

Aufwand Inhaber (h/Woche) 

Aufwand Mitarbeiter (h/Woche) 

Gesamtkosten in Euro 

Zertifizierung in Euro 

Sonstige Kosten in Euro 

Alle 

1179 

42 

4,5/1,6 

6,0/2,7 

2880 

1720 

1290 

ISO 

378 

40 

4,7/1,5 

7,1/3,0 

4260 

2390 

1860 

QEP 

290 

46 

3,6/2,2 

5,1/2,5 

1330 

1250 

620 

EPA 

48 

13 

6,1/1,7 

4,4/2,1 

1790 

330 

370 

EFQM 

19 

72 

2,2/1,3 

2,0/1,5 

1330 

630 

390 

Sonstige 

444 

 

 

 

 

 

 

Hinweis: Die laufenden monatlichen Kosten nach der Systemeinführung betragen bei ISO 220 Euro, bei QEP 160 Euro, bei EPA 70 Euro und bei EFQM 50 Euro. 

Konkreter Nutzen und Außenwirkung von QM

Es bleibt die Frage nach dem konkreten Nutzen von QM. Obwohl Arbeitsabläufe in der Mehrzahl spürbar gestrafft werden, verkürzt sich die Arbeitszeit nur bei einer Minderheit. Wesentlicher Effekt von QM ist die Dokumentation der eigenen Güte – gegenüber den Patienten und den Kassen. So dient QM auch als Marketinginstrument. 

Quelle: Ausgabe 05 / 2008 | Seite 8 | ID 119013