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23.07.2008 | Apothekenentwicklung

Externer Betriebsvergleich 2006/2007: Apothekengewinne brechen ein

von Dipl.-Betriebswirt (FH) Matthias Sabel, Gesundheitsökonom, Dr. Schmidt und Partner, Koblenz/Dresden/Oberhausen

Was noch in 2006 als Wachstumsdelle erschien, hat sich im abgelaufenen Jahr 2007 zu einem veritablen Wachstumsloch ausgeweitet: Die Apothekengewinne sind in 2007 im Vergleich zu 2006 je nach Standort zwischen 8 und 22 Prozentpunkten eingebrochen. Die Gewinne wuchsen dabei zwar leicht bis signifikant zwischen 0,5 und 4 Prozentpunkten. Doch der Wareneinsatz überkompensierte die Gewinne. 

Inhabergeführte Apotheken Westdeutschland

Bei den inhabergeführten Apotheken in Westdeutschland stiegen die Umsätze in 2007 um 1,62 Prozent von 1.496.516 Euro auf 1.520.790 Euro.  

 

Der Wareneinkauf erhöhte sich dabei allerdings um gut 3,2 Prozent auf 1.114.756 Euro. Damit steigt der Wareneinsatz von 72,2 Prozent auf nunmehr 73,3 Prozent.  

 

Die Personalkosten stiegen um knapp 1,4 Prozent auf durchschnittlich 169.164 Euro, sinken aber aufgrund des erhöhten Umsatzes leicht von 11,2 Prozent auf 11,1 Prozent. Die weiteren Kosten stabilisierten sich bei 129.789 Euro auf dem Vorjahresniveau. 

 

Die stark gestiegenen Warenbezugskosten schlagen voll auf den Gewinn durch, der von 120.966 Euro um mehr als 10 Prozent auf 107.863 Euro sank. 

Pächtergeführte Apotheken Westdeutschland

Pächtergeführte Apotheken sanken 2007 im Umsatz leicht um ein Prozent von 1.886.603 Euro auf 1.867.381 Euro im Vergleich zum Vorjahr.  

 

Der Wareneinkauf verteuerte sich um mehr als 3 Prozent auf 1.372.579 Euro und liegt nun bei fast 73 Prozent. 

 

Bei den Personalkosten fand eine Reduktion um 1,5 Prozent auf 199.907 Euro bzw. auf 10,6 Prozent statt. Weitere Kosten fielen in Höhe von 174.874 Euro und somit um 4,6 Prozent geringer an. 

 

Der Gewinn sank auch hier signifikant von 167.688 Euro auf 150.536 Euro. Damit lag der anteilige Verlust bei 10,2 Prozent. 

Innenstadt-Apotheken Westdeutschland

Westdeutsche Innenstadt-Apotheken bestehen im stark intensivierten Wettbewerb in den Innenstädten offensichtlich gut. Der Umsatz stieg im Vergleich von 2006 zu 2007 leicht um 0,8 Prozent von 1.908.821 Euro auf 1.923.307 Euro.  

 

Der um 3,7 Prozent gestiegene Wareneinkauf beläuft sich jedoch nunmehr auf 1.408.139 Euro oder auf anteilig 73,21 Prozent.  

 

Die Personalkosten konnten um knapp 1,8 Prozent unter das Vorjahresniveau gesenkt werden und beliefen sich auf 222.356 Euro oder 11,56 Prozent. Die weiteren Kosten wurden ebenfalls um 0,7 Prozent auf 187.292 Euro bzw. 9,74 Prozent leicht gesenkt. 

 

Dennoch haben die Innenstadt-Apotheken mit schmerzlichen Einbußen zu leben. Von 139.366 Euro fiel der Gewinn um sage und schreibe 22,2 Prozent auf 108.418 Euro.  

Stadtteil-Apotheken Westdeutschland

Die Stadtteil- Apotheken in Westdeutschland erweisen sich – wieder einmal – als Insel der Seligen, wenngleich auch sie in 2007 nicht ohne ein blaues Auge davonkamen. Die Umsätze konnten um mehr als 4 Prozent auf 1.466.184 Euro erhöht werden.  

 

Im Wareneinkauf fielen dabei jedoch mit 1.071.535 Euro um mehr als 6 Prozent auf 73,08 Prozent deutlich erhöhte Kosten an.  

 

Auf der Personalseite stiegen die Kosten ebenso um 3,6 Prozent auf 161.348 Euro. Weitere Kosten fielen mit 125.008 Euro um knapp 1,2 Prozent reduziert an. 

 

Das Ergebnis fiel mit knapp 7,9 Prozent jedoch nicht so signifikant wie in anderen Standorten auf 109.130 Euro. 

Kleinstadt-Apotheken Westdeutschland

Die westdeutschen Kleinstadt-Apotheken hatten im vergangenen Jahr einiges zu verkraften. Der Umsatz stieg zwar um 1,6 Prozent auf 1.572.885 Euro.  

 

Gleichzeitig stieg der Wareneinsatz allerdings um 3,4 Prozent auf 1.157.365 Euro bzw. 73,58 Prozent.  

 

Die Personalkosten beliefen sich auf 171.812 Euro oder 10,92 Prozent und stiegen damit um 1,41 Prozent. Weitere Kosten fielen in Höhe von 132.763 Euro, also um knapp 0,6 Prozent erhöht, an.  

 

Der Überschuss sank so deutlich um 14,4 Prozent auf 111.772 Euro. 

Land-Apotheken Westdeutschland

Die westdeutschen Land-Apotheken sanken im Umsatz leicht um 0,48 Prozent auf 1.455.189 Euro.  

 

Der Anstieg im Wareneinkauf fiel mit 1,2 Prozent auf 1.069.033 Euro oder 73,46 Prozent verhältnismäßig moderat aus. 

 

Bei den Personalkosten ist eine leichte Steigerung um 0,2 Prozent auf 153.169 Euro bzw. 10,53 Prozent festzustellen. Die weiteren Kosten beliefen sich auf 120.311 Euro oder anteilig 8,27 Prozent, fielen also deutlich um 2,84 Prozent. 

 

Unter dem Strich steht für 2007 ein Ergebnis von 115.131 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein sattes Minus von 13,42 Prozent. 

Apotheken Ostdeutschland

Die Apotheken in den neuen Bundesländern konnten den Umsatz leicht um 0,54 Prozent auf 1.874.722 Euro steigern.  

 

Der Wareneinkauf stieg um 2,53 Prozent auf 1.422.717 Euro oder 75,89 Prozent.  

 

Die Personalkosten sanken deutlich um knapp 2 Prozent auf 166.198 Euro oder 8,87 Prozent. Weitere Kosten fielen in Höhe von 146.946 Euro bzw. 7,84 Prozent an und stiegen um 1,91 Prozent.  

 

Auf der Ergebnisseite fielen am Jahresende durchschnittlich 157.004 Euro an. Relativ zu 2006 gesehen ergibt sich auch hier ein großes Minus von 15,50 Prozent. 

Fazit und Handlungsempfehlungen

Keine Apothekenart ist im vergangenen Jahr von deutlichen Einbrüchen im Gewinn verschont geblieben. Dabei fällt sofort ins Auge, dass die Ergebnisse nicht durch wettbewerbsinduzierte Umsatzrückgänge verursacht worden sind, sondern eindeutig aus den signifikant gestiegenen Wareneinsätzen hervorgehen. Daraus lässt sich schon einmal die grundsätzlich positive Erkenntnis ableiten, dass Apotheken im verstärkten Wettbewerb offenbar bestehen können. 

 

Die Hauptdeterminanten des Wareneinsatzes sind Einkaufspreise und bezogenen Arzneimittelmengen. Auf der Preisseite steht zwar der Großhandel, dessen Ertragslage und Margen unterhalb von 0,2 Prozent mittlerweile in der Wirtschaftspresse sind (dazu „Apotheker Berater“ Nr. 7/2008, S. 3 ff.). Trotzdem ist zweifelhaft, ob die Ursachen für die Gewinnrückgänge der Apotheken beim Großhandel zu suchen sind. Schließlich wird dort in der Regel sortiments- oder produktgruppenbezogen rabattiert.  

 

Die Warenmenge hat sich aber durch die gesetzlichen Interventionen der vergangenen Jahre sehr verändert. So sind durch das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) Naturalrabatte der Hersteller oder des Großhandels für Apotheken faktisch abgeschafft worden. Aus den aktuellen IMS-HEALTH-Daten geht hervor, dass die von der Industrie verkaufte Packungsmenge um diesen Zeitpunkt herum um fast 15 Prozent eingebrochen ist. Möglicherweise stellt ein nicht unwesentlicher Teil davon Naturalrabatte dar. Dieser Teil müsste nun ausgabenwirksam gekauft werden, was zu einer deutlichen Erhöhung des Wareneinkaufs führen würde. In der Summe scheint dies die zentrale Ursache für die Gewinnrückgänge zu sein. Mit den vorliegenden Ergebnissen ist ein betriebswirtschaftlicher Tiefpunkt für Apotheken im Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit erreicht. Durch die Gesetzgebung liegt es außerhalb des Einflussbereichs der Apotheken, direkt gegen die Ursachen ihrer Gewinnminderungen vorzugehen. Mit der Kostenreduktion bleibt vor allem ein klassischer Hebel zur Verlustkompensation.  

 

Insofern ist ein optimierter Wareneinkauf von Nöten, der jedoch in Anbetracht der aktuellen Rabattreduktionen im Großhandel stark durch interne Effizienzsteigerungen geprägt werden muss. Dabei gewinnt vor allem das Frei- und Sichtwahlsortiment an Relevanz, denn hier liegen noch deutliche Reserven im Rahmen der Preisgestaltung und des Category Managements. Signifikante Erfolge hängen von individuellen Lösungen ab, indem sich die einzelne Apotheke weg von einer überwiegend angebots- hin zu einer nachfragegetriebenen Gestaltung im Sinne der Endkunden positioniert. Damit rückt der Absatzkanal Apotheke näher an den Einzelhandel. 

 

Außerdem sollte der Betrieb vor allem aus prozessualer Sicht gezielt nach Optionen zur Arbeitsverdichtung geprüft werden. Hier kann dezidierte Personaleinsatzplanung einen Anteil leisten. Denn oft besteht nur eine mäßige Orientierung der Arbeitszeiten und des generellen Personaleinsatzes an den aus der Warenwirtschaft ableitbaren Nachfragemustern in der Apotheke. 

 

Bei den apothekenspezifischen Kosten sollten die EDV (vor allem zusätzliche und unter Umständen wenig nutzbringende Module oder Services), Rezeptabrechnung und Inventur geprüft werden. 

 

Festzuhalten ist: Jede Apotheke bedarf einer Einzelfallbetrachtung. Hier lohnt sich der Kontakt zu branchenspezialisierten Steuer- oder Unternehmensberatern, die gemeinsam mit dem Apotheker etwaige Kostentreiber schnell identifizieren und effektiv angehen können. Besonderes Augenmerk kann dabei im Hinblick auf die absehbare Zertifizierungspflicht auf Qualitätsmanagementsysteme gerichtet werden. Hier bieten sich schon im Vorfeld Möglichkeiten, den gesamten Betrieb mit externer Unterstützung und relativ guter Kosten-Nutzen-Relation zu analysieren und zu optimieren, sofern nicht auf vollkommen vorgefertigte Systeme zurückgegriffen wird. 

Quelle: Ausgabe 08 / 2008 | Seite 3 | ID 120511