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27.10.2008 |Altersvorsorge

Auswirkungen der Abgeltungsteuer 2009 auf die Altersvorsorge von Apothekern

von Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht Oliver Holzinger, Nordkirchen, www.dvvs.eu

Ab 2009 werden nahezu alle privaten Kapitalerträge pauschal mit 25 Prozent besteuert. Diese Pauschalbesteuerung hat gravierende Auswirkungen auf die Rendite von Aktien, Anleihen, Zertifikaten oder Fonds. Die Grundlagen der Neuregelung wurden bereits im „Apotheker Berater“ Nr. 12/2007, S. 11 ff., und Nr. 6/2008, S. 14 ff., dargestellt (s. auch „Checkliste zu Werbungskosten von A bis Z bei Einkünften aus Kapitalvermögen“, S. 2 dieser Ausgabe). Der folgende Beitrag stellt nun besonders die langfristigen steuerlichen Auswirkungen auf die Altersvorsorge von Apothekern/Innen dar. 

Das Wichtigste zur Abgeltungsteuer im Überblick

Zur Erinnerung: Ab 2009 wird eine Pauschalsteuer von 25 Prozent auf Zinsen, Dividenden, realisierten Kursgewinnen und einigen weiteren Kapitaleinnahmen erhoben, die mit abgeltender Wirkung von den inländischen Kreditinstituten abgeführt wird (zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer). Anstelle des gesonderten Werbungskostenabzugs gibt es nur noch einen Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro pro Person, der wie bisher über den Freistellungsauftrag berücksichtigt wird.  

 

Nicht von der Abgeltungsteuer betroffen bleiben Verkäufe von Grundstücken oder Anteilen an geschlossenen Immobilienfonds – hier bleibt vor allem die zehnjährige Spekulationsfrist –, alle Formen der betrieblichen Altersvorsorge, Altersbezüge, Riester- und Rürup-Renten sowie über den Betrieb vereinnahmte Kapitaleinnahmen/Kursgewinne. 

 

Negativ wirkt sich ab 2009 für Aktionäre aus, dass Dividenden und Veräußerungsgewinne aus Wertpapieren im Privatbereich nicht mehr nur zur Hälfte (Halbeinkünfteverfahren), sondern in voller Höhe zum steuerpflichtigen Einkommen zählen. Aktienverkäufe werden unabhängig von ihrer Haltedauer steuerpflichtig.  

Eine weitere Neuerung betrifft Verluste aus Wertpapiergeschäften (mit Ausnahme von Aktien), die komplett und unabhängig von Halte-fristen als negative Kapitaleinnahmen geltend gemacht werden können. In der Vergangenheit betraf dies beispielsweise die sogenannten Argentinienanleihen, die bei Fälligkeit aufgrund fehlender Bonität der Schuldner nicht zurückgezahlt wurden. Dadurch mindern die Verluste erstmals Dividenden, Zinsen und sogar steuerpflichtige Erträge aus Lebensversicherungen. 

 

Die bis Ende 2008 vorhandenen Spekulationsverlustvorträge dürfen bis 2013 mit Gewinnen verrechnet werden, die unter die Abgeltungsteuer fallen. Es handelt sich hierbei um eine Übergangsregelung. Nach deren Ablauf sind noch nicht verrechnete Spekulationsverlustvorträge nicht verloren, sondern können noch mit sonstigen privaten Veräußerungsgewinnen (beispielsweise einem Gewinn aus einem Immobilienverkauf innerhalb von zehn Jahren) verrechnet werden. 

 

Hinweis: Die Steuerpflicht auf Verkäufe auch nach mehr als zwölf Monaten gilt generell nur für ab 2009 erworbene Wertpapiere. Von dieser großzügigen Übergangsregelung sind allerdings jetzt georderte Zertifikate und Spezial-Fonds ausgenommen. 

Auswirkungen auf die langfristige Anlegerpraxis

Die Abgeltungsteuer hat positive Effekte für Steuerzahler im Bereich des gehobenen Steuersatzes bis Spitzensteuersatzes. 

 

Entlastung auf die Progression

Selbst bei sehr hohen Zinserträgen bringt der fixe Abgeltungssatz Steuerpflichtigen mit hohem sonstigem Einkommen eine deutliche Steuerentlastung. Grund: Da Kapitaleinnahmen und Börsengewinne künftig im Steuerbescheid fehlen, kommt es per Saldo zu geringeren Gesamteinkünften und einer Minderung der Progression für den Gewinn des/der Apothekers/In bzw. dessen/deren zusätzliche Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Hierzu folgendes Beispiel: 

 

Beispiel

Ein lediger Apotheker erzielt im Veranlagungszeitraum ein zu versteuerndes Einkommen (zvE) von 100.000 Euro. Davon entfallen 20.000 Euro auf Zinseinkünfte aus Kapitalanlagen.  

 

Steuerjahr 

2008 

ab 2009 

Sonstiges Einkommen 

80.000 

80.000 

Kapitaleinkünfte 

20.000 

kein zvE 

Zu versteuerndes Einkommen 

100.000 

80.000 

Einkommensteuer hierauf 

34.086 

25.686 

Steuersatz 

34,1 % 

32,1 % 

25 % Abgeltungsteuer auf 20.000 

– 

5.000 

Einkommensteuer insgesamt 

34.086 

30.686 

Steuersatz insgesamt 

34,1 % 

30,7 % 

 

 

Zudem kann es auch nicht mehr zu einem massiven Progressionssprung beim persönlichen Einkommensteuersatz kommen, wenn beispielsweise eine steuerpflichtige Kapitallebensversicherung vor dem 60. Geburtstag komplett ausgezahlt wird oder Zerobonds nach Jahren in einer Summe fällig werden. Der Steuersatz bleibt gleich.  

 

Praxistipp: ApothekerInnen können sich diese Progressionswirkungen bereits heute sichern, indem sie Fälligkeiten und Zinsausschüttungen wählen, die frühestens Anfang 2009 fällig bzw. ausgeschüttet werden. 

 

Ein weiterer Vorteil der Neuregelung: Ist die Progression beim Steuerpflichtigen geringer als der Abgeltungsteuersatz (maximal 28 Prozent), gilt diese auf Antrag auch für die Kapitaleinkünfte. Das ist zum Beispiel denkbar, wenn in einem Jahr Verluste aus der Apotheke und/oder aus Vermietung und Verpachtung anfallen. 

 

Effekt für die Altersvorsorge

Die Bezüge aus den berufsständischen Versorgungseinrichtungen unterliegen im Alter der individuellen Progression. Das gilt gleichfalls für eine von dem/der Apotheker/In abgeschlossene Rürup-Police. Aufgrund des Alterseinkünftegesetzes gilt beim Renteneintrittsalter ab 2040 die gesamte Auszahlung als Einnahme. Zuvor sind es jährlich abgestuft prozentual weniger – 2009 beispielsweise 58 Prozent. Hierauf wirkt sich dann der zuvor beschriebene Entlastungseffekt positiv aus, da die Kapitaleinkünfte nicht mehr die Progression der Altersbezüge erhöhen.  

 

Rendite aus Kapitalanlagen steigt oder sinkt – je nach Anlageart

„Kröten schlucken“ müssen ApothekerInnen, die langfristig vorwiegend über Aktien sparen. Sofern ApothekerInnen für die Altersvorsorge ergänzend über Kapitalanlagen sparen, muss also die Rendite neu kalkuliert werden. So verbessert sich für Anleihen und Rentenfonds der Nettoertrag, weil es sich bei der Abgeltungsteuer um eine Definitivbelastung in Höhe von 25 Prozent handelt. Die zurzeit geltende Regelung sieht einen Zinsabschlag in Höhe von 30 Prozent als Vorauszahlung auf die Einkommensteuer vor. Da bei Apothekern/Innen der Steuersatz in der Regel über 30 Prozent liegt, ist die tatsächliche Steuerbelastung derzeit noch weitaus höher.  

 

Für erfolgreiche Aktionäre sieht es hingegen düster aus: Denn die Dividenden und realisierten Gewinne im Privatbereich unterliegen künftig mit dem vollen Betrag der Abgeltungsteuer. Zudem lassen sich Verluste bei der Aktienanlage im Gegensatz zu allen anderen Produkten nur mit Aktiengewinnen verrechnen. 

 

Gravierend sind die Auswirkungen auf Fondssparpläne mit Aktien. Nach Berechnungen des Bundesverbandes Investment und Asset Management ergab sich hier bei 100 Euro Monatseinzahlungen ab 1977 nach 30 Jahren bei deutschen Aktien ein steuerfreies Endvermögen von rund 202.000 Euro. Bei einer Abgeltungsteuer von rund 28 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) auf den Wertzuwachs von 166.000 Euro mindert sich das Endvermögen um etwa 46.480 Euro. Belastend kommt hinzu, dass Dividenden zwischenzeitlich nicht mehr nach dem Halbeinkünfteverfahren erfasst werden. 

 

Quelle: Ausgabe 11 / 2008 | Seite 18 | ID 122463