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·Fachbeitrag ·IFH-Apothekenreport 2015

Wann rechnen sich Apotheken?

von Geschäftsführer Alexander Mörsheim, easyApotheke Eschweiler

| Mittlerweile liegt die Gesamtzahl der Apotheken in Deutschland mit 20.441 nur noch knapp über dem Niveau von 1990 (19.898 Apotheken). Im Vergleich zu den Vorjahren fiel der Rückgang geringer aus, d. h. 2014 haben weniger Apotheken geschlossen als in den Jahren zuvor. Der Grund dafür liegt auch in den betriebswirtschaftlichen Kennzahlen einer Apotheke. |

Hintergrund

Im Rahmen des Jahresbenchmarkings für Apotheken ermittelt das Institut für Handelsforschung (IFH) jährlich eine Vielzahl an Kennzahlen für die Unternehmensführung einer Apotheke. Neben den klassischen Kennzahlen der BWA wie Handelsspanne, Gesamtkosten und Betriebsergebnis wird ein Augenmerk auf die Mischung von Daten der BWA und der Warenwirtschaft gelegt.

Relation von Handelsspanne und Gesamtkosten

Das IFH ermittelte unter den Teilnehmern für das Berichtsjahr 2014 eine durchschnittliche Handelsspanne in Höhe von 26,2 Prozent. Diese liegt 0,5 Prozentpunkte unter der Handelsspanne des Vorjahres. Gleichzeitig liegt im Schnitt eine Gesamtkostenbelastung in Höhe von 24 Prozent vor, was einem Rückgang der Gesamtkosten um einen Prozentpunkt entspricht (2013 = 25 Prozent). Somit ergibt sich eine leichte Steigerung des betriebswirtschaftlichen Betriebsergebnisses um 0,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr.

 

 

Die Ergebnisse zeigen, dass es den teilnehmenden Apothekern gelungen ist, mittels deutlich gesenkter Kosten die ebenfalls gesunkene Handelsspanne mehr als auszugleichen und ein leicht besseres Ergebnis als im Vorjahr zu erzielen.

Zusammensetzung des Umsatzes und Packungszahlen

Betrachtet man die Zusammensetzung des Umsatzes nach dem Abgabestatus, so zeigt sich eine große Abhängigkeit der Apotheken von Verordnungen. Abgabestatus bedeutet, dass der Umsatz in verschreibungspflichtige Medikamente, deren Verkaufspreis nach der Arzneimittelpreisverordnung berechnet wird, und freiverkäufliche Produkte unterschieden wird, deren Verkaufspreis frei kalkulierbar ist. Der Umsatzanteil mit rezeptpflichtigen Medikamenten liegt bei 76,2 Prozent des Gesamtumsatzes. Somit entfällt weniger als ein Viertel des Umsatzes auf freiverkäufliche Produkte (23,8 Prozent). Die Analyse der Packungszahlen zeigt das umgekehrte Bild: 40 Prozent der Packungen sind rezeptpflichtig und nahezu zwei Drittel sind freiverkäuflich (60 Prozent).

 

 

Hieran lässt sich erkennen, dass es deutlich mehr freiverkäuflicher Packungen bedarf, um den gleichen Umsatzanteil wie im verschreibungspflichtigen Bereich zu erreichen. Problematisch ist, dass die prozentuale Spanne mit steigendem Verkaufspreis deutlich sinkt. Absolut steigt der Betrag zwar, der für die Abgabe gezahlt wird, jedoch sinkt das prozentuale Verhältnis ab. Das kann eine Erklärung für die sinkende Spanne bei steigenden Umsätzen in 2014 sein, wenn die gestiegenen Umsätze durch höherpreisige Medikamente erreicht worden sind.

Entwicklung von Umsatz und Betriebsergebnis

Im Jahr 2014 erzielten die teilnehmenden Apotheken einen deutlich höheren Korbumsatz je Kunde (39,85 Euro) als in den beiden Jahren zuvor (2012: 34,85 Euro; 2013: 35,81 Euro). Untersucht man verschiedene Umsatzgrößenklassen innerhalb der Apotheken, zeigt sich, dass der Korbumsatz mit dem Gesamtumsatz zunimmt. Liegt der Umsatz je Kunde bei einer Apotheke mit einem Nettoumsatz von bis zu einer Mio. Euro noch bei 36,70 Euro, so erzielt eine Apotheke mit einem Nettoumsatz von mehr als drei Mio. Euro bereits einen Umsatz je Kunde in Höhe von 43,51 Euro. Somit haben die größeren Apotheken augenscheinlich nicht nur mehr Kunden als die kleineren, sondern erzielen auch bei jedem einzelnen Kunden einen höheren Umsatz. Da der Umsatz aber heutzutage nicht mehr mit dem Ertrag gleichzusetzen ist, ist zu analysieren, ob der gestiegene Umsatz auch einem gestiegenen Ergebnis entspricht. Hier zeigt sich ebenfalls, dass größere Apotheken ein höheres Betriebsergebnis je Kunde erzielen: Umsatz größer als drei Mio. Euro = 3,74 Euro steuerliches Ergebnis je Kunde; Umsatz kleiner als eine Mio. Euro = 1,94 Euro steuerliches Ergebnis je Kunde.

 

Umsatz und Gesamtkosten je Packung

Legt man die Packungen als Basisgröße der Untersuchung zugrunde, so zeigt sich im Bereich des Umsatzes ein recht homogenes Bild. Die Umsätze der Apotheken verschiedener Umsatzgrößenklassen schwanken zwischen 18,20 und 21,17 Euro Nettoumsatz je Packung. Hier zeigt sich keine augenscheinliche Abhängigkeit vom Gesamtumsatz der Apotheken, dafür aber bei den Gesamtkosten. Hier sinken die steuerlichen Kosten von 3,94 Euro je Packung bei Apotheken mit einem Nettoumsatz von bis zu einer Mio. Euro bis hin zu 3,50 Euro steuerliche Gesamtkosten je Packung bei Apotheken mit einem Nettoumsatz von mehr als drei Mio. Euro. Das wirkt sich auch auf das steuerliche Ergebnis aus, das mit steigendem Umsatz ebenfalls ansteigt (Umsatzklasse I: 0,84 Euro je Packung; Umsatzklasse V: 1,26 Euro je Packung).

 

Analyse der Gesamtkosten

Bei der Analyse der Kosten zeigt sich, dass der größte Kostenblock auf die Personalkosten (59 Prozent der Gesamtkosten), gefolgt von Miete und Raumkosten (9 Prozent) sowie sonstigen Kosten (16,5 Prozent) entfällt. Innerhalb der Größenklassen zeigt sich, dass die prozentualen steuerlichen Gesamtkosten schwanken. Liegen die steuerlichen Gesamtkosten in Prozenten des Nettoumsatzes in der Umsatzklasse I bei 19,1 Prozent, so sinken diese bis zur Umsatzklasse V auf 18,2 Prozent ab. Nimmt man die kalkulatorischen Kosten (Unternehmerlohn, kalkulatorische Miete sowie Eigenkapitalzinsen) mit in die Berechnung auf, so ergibt sich eine deutliche Abhängigkeit der Kosten von der Umsatzgröße der Apotheken: Kleine Apotheken erreichen 28,9 Prozent Gesamtkosten in Prozent des Nettoumsatzes. Dieser fällt bis zur größten Umsatzklasse auf 20,3 Prozent ab. Die Entwicklung der absoluten Gesamtkosten zeigt, dass diese im Vergleich zu 2013 durchgängig gestiegen sind (im Schnitt um 3,9 Prozentpunkte).

 

FAZIT | Aus den Zahlen des Apothekenbenchmarkings für 2014 lässt sich erkennen, dass es die kleinsten Apotheken mit einem Nettoumsatz von weniger als eine Mio. Euro immer schwieriger haben, am Markt zu existieren. Vielfach rechnen sich diese nur noch durch den hohen Einsatz der Apothekeninhaber. Würden diese die kalkulatorischen Kosten in die Rentabilitätsrechnung einbeziehen, so würden sie merken, dass es vorteilhafter sein kann, als angestellter Apotheker zu arbeiten. Erst ab einem Gesamtnettoumsatz von 1,5 Mio. Euro rechnen sich Apotheken unter betriebswirtschaftlichen Kostenbetrachtungen. Je größer die Apotheke ist, desto weniger fallen die kalkulatorischen Kosten ins Gewicht.

 
Quelle: Ausgabe 03 / 2016 | Seite 3 | ID 43817725