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·Fachbeitrag ·Arzneiverordnungsreport 2016

Arzneimittelberichterstattung 2015/2016: Finden Sie heraus, wo Ihre Apotheke im Wettbewerb steht

von Dipl.-Math. Uwe Hüsgen, Essen, langjähriger Geschäftsführer des Apothekerverbands Nordrhein e. V.

| Der 1985 zum ersten Mal erschienene Arzneiverordnungsreport (AVR) hat sich in den zurückliegenden gut 30 Jahren zu einem Standardwerk der Analyse der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen entwickelt. Er bietet eine Fülle an statistischen Daten, die für jeden Apothekenleiter im Rahmen von betriebswirtschaftlichen Analysen von Nutzen sein können. |

Marktüberblick und Datengrundlage

Wirtschaftlich interessierten Lesern sei empfohlen, mit Teil IV „Anhang; ergänzende statistische Übersicht“ zu beginnen. Die Auswertungen des AVR basieren seit 2002 auf einer Vollerhebung, d. h., alle ambulanten Arzneimittelverordnungsdaten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) eines Jahres gehen in die Auswertungen ein. Wesentliche Grundlage sind demnach alle zulasten der GKV ausgestellten Rezepte, die in öffentlichen Apotheken eingelöst und auf der Basis von § 300 Sozialgesetzbuch (SGB) V abgerechnet werden. Dabei werden die Abrechnungsdaten zur Sicherheit quartalsweise mit der amtlichen GKV-Ausgabenstatistik (KV 45) des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) abgeglichen. Seit 2008 werden anhand der entsprechenden Konten der amtlichen Statistik auch die Ausgaben für Impfstoffe und seit 2013 die Verordnungen von parenteralen Lösungen sowie Zytostatika-Zubereitungen geschätzt.

Inanspruchnahme von Arzneimitteln

  • Tabelle 1: GKV-Versicherte, ausgestellte Rezepte, Verordnungen (absolut, je Versichertem und je Rezept) in den Jahren 2008 bis 2015
Jahr
GKV-Versicherte
Rezepte in Mio.
Verordnungen
in Mio.
in %
(2008 = 100)
in Mio.
je Vers.
in %
(2008 = 100)
je Rezept

2008

70,23

100,0

455

788

11,2

100,0

1,732

2009

70,01

99,7

453

786

11,2

100,1

1,735

2010

69,80

99,4

465

791

11,3

101,0

1,701

2011

69,64

99,1

462

784

11,3

100,3

1,697

2012

69,70

99,2

460

794

11,4

101,5

1,726

2013

69,86

99,5

484

819

11,7

104,5

1,692

2014

70,29

100,1

483

820

11,7

104,0

1,698

2015

70,73

100,7

502

852

12,0

107,4

1,697

 

Quelle: AVR, verschiedene Jahrgänge; eigene Berechnungen des Autors

 

Mit rund 502 Mio. Rezeptblättern basieren die Analysen des Jahres 2015 auf 852 Mio. einzelnen Verordnungen. Davon sind knapp 657 Mio. (2014: 651 Mio.) Fertigarzneimittel (FAM), deren Analyse im AVR eine herausragende Rolle einnimmt. Während die Verordnungen im Berichtsjahr insgesamt um 3,9 Prozent zugelegt haben, sind es bei den FAM nur knapp 1,0 Prozent. Damit sind im Jahre 2015 je Apotheke im Durchschnitt knapp 24.700 Rezepte mit rund 41.900 Verordnungen zulasten der GKV eingelöst worden. Von diesen verordneten Mitteln waren rund 32.300 FAM.

 

Entwicklung der Versichertenzahlen in der GKV

Analog zur Bevölkerungsentwicklung hat die Zahl der in der GKV Versicherten von 2008 bis 2011 abgenommen, um seitdem wieder stetig zu wachsen. Die zum 01.04.2007 eingeführte allgemeine Krankenversicherungspflicht hat diese Entwicklung wesentlich beeinflusst. Aufgrund der weiter steigenden Zahl an Migranten und der absehbaren Beitragssatzsteigerungen in der PKV wird die Zahl der GKV-Versicherten auch in Zukunft zunehmen.

 

Zahl der verordneten Arzneimittel je Versichertem

Es gibt viele Gründe, warum die Zahl der verordneten Arzneimittel je Versichertem in den letzten Jahren zugelegt hat, z. B.:

 

  • Die demografische Entwicklung fordert ihren Tribut, benötigen ältere Menschen im Allgemeinen doch mehr Arzneimittel als jüngere.
  • Eine Vielzahl von Krankheiten, die früher einen Krankenhausaufenthalt erforderlich machte, ist heute ambulant zu behandeln.
  • Patienten werden heute frühzeitiger aus dem Krankenhaus entlassen als noch vor Jahren. Die Behandlung mit Arzneimitteln muss ambulant weitergeführt werden.
  • Zur Behandlung von Krankheiten stehen heute mehr (neue) Arzneimittel zur Verfügung als früher.
  • Die Grippewelle im Frühjahr 2015 hat ihre Verordnungs-Spuren hinterlassen. So wurden gerade in diesem Zeitraum überdurchschnittlich viele rein apothekenpflichtige Arzneimittel zulasten der GKV verordnet.

 

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass die Zahl der Verordnungen je Rezept seit Jahren tendenziell abnimmt. Die Ärzte wollen ihre Patienten offensichtlich enger führen.

Arzneimittelausgaben, -kosten und -umsatz

Die (vorläufig) amtlichen GKV-Ausgaben für Arzneimittel (KV 45) für das Jahr 2015 werden im AVR mit 36,990 Mrd. Euro (vgl. Tabelle 2) angegeben. Damit sind die Ausgaben gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent gestiegen. Zu dem Verordnungszuwachs von 3,9 Prozent kommt, dass die Kosten der durchschnittlichen Verordnung ebenfalls (um durchschnittlich 1,5 Prozent) zugelegt haben. Das ist nicht zuletzt der weiteren Zunahme an Hochpreisern geschuldet, d. h. von Arzneimitteln mit einem Abgabepreis des Herstellers von 1.200 Euro und mehr. Das dürfte auch im Berichtsjahr wieder mit einer Verschiebung hin zu größeren Packungseinheiten verbunden sein, wie sie in den letzten Jahren signifikant zu verzeichnen war. Leider fehlen im aktuellen Report die entsprechenden Daten.

 

  • Tabelle 2: Zusammenhang zwischen GKV-Ausgaben, Fertigarzneimittel-Umsatz und -Nettokosten
Auswertungsposition
Beträge in Mio. Euro
Veränderung
2014
2015
2015 zu 2014

GKV-Ausgaben für Arzneimittel nach KV 45*

35.062

36.990

5,5 %

Eigenanteil der Versicherten [Zuzahlung] (6,4 %)

2.229

2.358

5,8 %

Zwischensumme

37.290

39.347

5,5 %

Praxisbedarf [Sprechstundenbedarf] (2014: 3,6 %; 2015: 3,8 %)

1.261

1.401

11,1 %

Zwischensumme

36.029

37.946

5,3 %

Umsatz Rezepturen, Verbandstoffe, Krankenpflegeartikel und nicht identifizierte Rezepte

5.019

5.147

2,5 %

GKV-Fertigarzneimittel-Nettokosten

31.010

32.799

5,8 %

Apothekenabschlag

1.098

1.088

-0,8 %

Herstellerabschlag nach § 130a Abs. 1 bis 3 SGB V

1.457

1.462

0,3 %

GKV-Fertigarzneimittel-Umsatz

33.565

35.350

5,3 %

 

Quelle: AVR 2016 (Abbildung 51.2)

*): Arznei-, Verband- und Hilfsmittel aus Apotheken und (ausl.) Versandhandel einschl. Impfstoffe

 

Mithilfe einiger komplizierter Berechnungen und von zum Teil auch ungewohnten Definitionen wird zu diesen GKV-Arzneimittelausgaben zunächst der Eigenanteil von 2,358 Mrd. Euro hinzuaddiert. Hinter dem Eigenanteil verbergen sich die gesetzlichen Zuzahlungen der Versicherten, die um 5,8 Prozent zugelegt haben. Das entspricht einer verordnungs-anteiligen Entlastung der GKV um gut 42 Mio. Euro.

 

Von der oben gebildeten Zwischensumme werden der Praxisbedarf (besser Sprechstundenbedarf) in Höhe von 1,401 Mrd. Euro und die Umsätze mit Nicht-FAM (Rezepturen, Verbandstoffe, Hilfsmittel aus Apotheken usw. sowie die nicht identifizierten Rezepte) abgezogen, die zusammen immerhin ein Volumen von 5,147 Mrd. Euro ausmachen. Damit erhält man die GKV-FAM-Nettokosten in Höhe von 32,799 Mrd. Euro.

 

Zur Ermittlung des GKV-FAM-Umsatzes werden auf diesen Betrag die Herstellerabschläge (nach § 130a SGB V) und - nicht ganz nachvollziehbar - die Apothekenabschläge (Rabatt gemäß § 130 SGB V) addiert. Obwohl im Berichtsjahr geringfügig mehr FAM verordnet worden sind als in 2014 (rund 1,0 Prozent), ist der Apothekenabschlag in demselben Zeitraum um 10 Mio. Euro (oder um 0,8 Prozent) gesunken. Die Begründung ist: Der Apothekenrabatt je verschreibungspflichtigem FAM (Rx-FAM) ist von 1,80 Euro (2014) auf 1,77 Euro (in 2015) abgesenkt worden. Der GKV-FAM-Umsatz liegt nach dieser Rechnung also bei 35.350 Mrd. Euro - und damit um 5,3 Prozent - über dem Vorjahreswert.

 

Die genannten Ausgaben, Umsätze und Kosten beinhalten - neben der Umsatzsteuer - auch Arzneimittelumsätze von ausländischen Versendern und von Nicht-Apotheken, die z. B. auf der Grundlage von § 47 Arzneimittelgesetz (AMG) liefern. Ein auf dieser Basis berechneter GKV-Umsatz je Apotheke würde also regelmäßig (etwas) zu hoch ausfallen, weshalb an dieser Stelle auf die entsprechenden Werte verzichtet wird.

Marktsegmente

FAM beanspruchen 85 Prozent der Nettokosten und 89 Prozent der Arzneimittelverordnungen. Das „Brot- und Buttergeschäft“ der Apotheken sind Generika, die mit über 80 Prozent bei den Tagesdosen (DDD) und mit weit mehr als 76 Prozent bei den Verordnungen den FAM-Markt dominieren. Bezogen auf den Gesamtmarkt sind es bei den Verordnungen gut 68 Prozent; ihr entsprechender Anteil an den Nettokosten macht aber gerade einmal 33 Prozent aus.

 

  • Tabelle 3: Marktsegmente (Umsatz, Verordnungen, DDD) des GKV-Arzneimittelmarktes 2015
Marktsegment
Umsatz in Mrd. Euro
Nettokosten
Verordnungen
Tagesdosen (DDD)
DDD-Kosten
in Mrd. Euro
Anteil in %
in Mio.
Anteil in %
in Mrd.
Anteil in %

Fertigarzneimittelmarkt

Fertigarzneimittel

15,823

14,886

43,41

42,837

5,81

2,674

6,65

5,57

Generika

12,369

11,343

33,08

501,882

68,04

32,760

81,43

0,35

Generikafähige Erstanbieterpräparate

4,385

4,069

11,87

72,234

9,79

2,842

7,06

1,43

Biosimilars

0,151

0,143

0,42

0,334

0,05

0,010

0,02

14,16

Biosimilarfähige Erstanbieterpräparate

0,803

0,750

2,19

2,670

0,36

0,161

0,40

4,66

Unklassifizierte Arzneimittel

1,819

1,608

4,69

36,924

5,01

1,784

4,43

0,90

Zwischensumme

35,350

32,799

95,65

Abzgl. gesetzliche Abschläge

- 2,550

Abzgl. Herstellerrabatte (gemäß KJ1)

- 3,655

- 3,655

- 10,66

Summe Fertigarzneimittelmarkt

29,144

29,144

84,99

656,882

89,05

40,230

100,00

0,72

Nicht-Fertigarzneimittelmarkt

Rezepturarzneimittel

3,587

10,46

11,629

1,58

In-vitro-Diagnostika

0,715

2,09

25,104

3,40

Sonstige Apothekenprodukte

0,923

2,69

44,030

5,97

Zwischensumme

5,225

5,225

15,24

80,763

10,95

Gesetzliche Abschläge

- 0,079

- 0,079

- 0,23

Summe Nicht-Fertigarzneimittelmarkt

5,147

5,147

15,01

Gesamtmarkt

34,291

34,291

100,00

737,645

100,00

 

Quelle: AVR 2016 (Tab. 1.1 und Tab. 51.2), Erläuterungen S. 790; eigene Berechnungen des Autors

 

Die höchsten Kosten je Packung verursachen im FAM-Segment die Biosimilars mit gut 428 Euro, gefolgt von den FAM (mit fast 348 Euro) und den Biosimilarfähigen Erstanbieterpräparaten (mit rund 280 Euro). Am unteren Ende liegen die Generika mit Durchschnittskosten von 22,60 Euro je Packung. Eine solche generische Verordnung verursacht für die Krankenkassen damit nur etwa halb so viel Ausgaben wie die durchschnittliche FAM-Packung (von knapp 44,40 Euro).

 

Die in Tabelle 3 nach Marktsegmenten ausgewiesenen Kosten je DDD verdeutlichen die zuvor gemachten Aussagen. Auffallend ist, dass die Nicht-FAM 15 Prozent der Nettokosten und knapp 11 Prozent der Verordnungen ausmachen. Nach Angaben des AVR entfallen von diesem Nicht-FAM-Umsatz 61,2 Prozent auf Verordnungen von individuell hergestellten parenteralen Lösungen sowie Zytostatika-Rezepturen, insbesondere in onkologischen Indikationen.

Arzneimittelverordnungen nach Arztgruppen

Für Wettbewerbs- bzw. Potenzialanalysen immer wieder interessant - und wohl auch in dieser Form einzigartig - ist die Aufstellung der Arzneiverordnungen, Umsätze und Tagesdosen je Arzt nach Arztgruppen.

 

  • Tabelle 4: Arzneiverordnungen, Umsätze und Tagesdosen je Arzt nach Arztgruppen
Arztgruppe
Zahl der Ärzte
Umsatz je Arzt (in Tsd. Euro)
Umsatz je Arztgruppe
(in Mio. Euro)
Verordnungen
je Arzt
DDD (in Tsd.)
je Arzt
Verordnungen absolut
Anteil Ärzte (in %)
in Mio.
in % (ohne Zahnärzte)

Hausärzte

40.461

274

11.086

8.217

558

332,5

51,2

28,2

Hausärztlich tätige Internisten

14.713

366

5.385

8.501

613

125,1

19,2

10,3

Kinderärzte

7.376

126

929

5.433

106

40,1

6,2

5,1

Gynäkologen

12.145

58

704

1.226

75

14,9

2,3

8,5

HNO-Ärzte

4.462

64

286

1.734

51

7,7

1,2

3,1

Augenärzte

6.026

151

910

2.082

104

12,5

1,9

4,2

Chirurgen

7.286

34

248

738

17

5,4

0,8

5,1

Orthopäden

6.960

51

355

1.411

43

9,8

1,5

4,9

Urologen

3.247

302

981

2.393

143

7,8

1,2

2,3

Hautärzte

3.868

186

719

2.846

96

11,0

1,7

2,7

Kardiologen

2.736

65

178

1.062

87

2,9

0,4

1,9

Nervenärzte

2.331

646

1.506

5.901

285

13,8

2,1

1,6

Neurologen

1.912

733

1.401

3.468

169

6,6

1,0

1,3

Psychiater

2.104

185

389

2.997

167

6,3

1,0

1,5

Anästhesisten

3.922

51

200

616

20

2,4

0,4

2,7

Gastroenterologen

1.623

609

988

1.257

74

2,0

0,3

1,1

Hämatologen/Onkologen

1.057

1.769

1.870

3.536

111

3,7

0,6

0,7

Nephrologen

1.547

396

613

3.611

258

5,6

0,9

1,1

Pneumologen

1.278

511

653

5.112

308

6,5

1,0

0,9

Weitere Internisten

3.830

605

2.317

2.906

197

11,1

1,7

2,7

Sonstige

14.547

242

3.520

1.517

63

22,1

3,4

10,1

Summe (ohne Zahnärzte)

143.431

246

35.239

4.531

277

649,9

100,0

100,0

Zahnärzte

61.990

2

124

113

7

7,0

Summe (mit Zahnärzten)

205.421

172

35.363

3.198

196

656,9

 

 

Quelle: AVR 2016 (Tab. 48.1); eigene Berechnungen des Autors

 

Ärzte-, Umsatz-, Verordnungs-, Tagesdosenentwicklung

Die Zahnärzte machen zwar 30 Prozent der Vertragsärzte aus, tragen aber mit nicht einmal 125 Mio. Euro weniger als 0,4 Prozent zu den GKV-Arzneimittelausgaben bei. Sieht man von den Zahnärzten ab, so sind es nach wie vor die Hausärzte, die mit 28,2 Prozent aller Vertragsärzte den größten Anteil ausmachen, gefolgt von den hausärztlich tätigen Internisten (mit 10,3 Prozent).

 

Während die Hausärzte wieder einen Verlust von 392 Zulassungen (bzw. 1,0 Prozent) - nach bereits 376 im Vorjahr - zu verzeichnen haben, hat auch die Zahl der Nervenärzte um 135 (bzw. 5,5 Prozent) abgenommen. Wie bereits im Vorjahr haben die jeweils umsatz- und verordnungsstarken Neurologen (+ 4,6 Prozent nach + 5,9 Prozent im Vorjahr) und Hämatologen/Onkologen (+ 2,8 Prozent nach + 4,4 Prozent im Vorjahr) sowie die „schwächeren“ Gastroenterologen (+ 2,0 Prozent nach + 3,9 Prozent im Vorjahr) wieder zugelegt. Bezeichnend ist, dass die Zahl der Ärzte (ohne Zahnärzte) im Berichtszeitraum um immer noch 214 (oder um 0,1 Prozent) angestiegen ist (vgl. Tabelle 5), während die Zahl der öffentlichen Apotheken um 171 (bzw. um 0,8 Prozent) abgenommen hat.

 

  • Tabelle 5: Veränderungen 2015 gegenüber 2014
Arztgruppe
Zahl der Ärzte
Umsatz
Verordnungen
DDD
Umsatz
Verordnungen
DDD
je Arzt
je Facharztgruppe

Hausärzte

-1,0 %

1,5 %

1,3 %

2,2 %

0,5 %

0,4 %

1,2 %

Hausärztlich tätige Internisten

0,8 %

5,2 %

2,1 %

2,7 %

6,0 %

2,9 %

3,5 %

Kinderärzte

-0,4 %

3,3 %

1,3 %

3,9 %

2,9 %

0,9 %

3,5 %

Gynäkologen

0,5 %

3,6 %

0,3 %

0,0 %

4,1 %

0,8 %

0,5 %

HNO-Ärzte

0,6 %

3,2 %

1,9 %

4,1 %

3,9 %

2,5 %

4,7 %

Augenärzte

1,4 %

55,7 %

1,1 %

2,0 %

57,8 %

2,4 %

3,3 %

Chirurgen

-1,0 %

-10,5 %

-0,5 %

0,0 %

-11,4 %

-1,5 %

-1,0 %

Orthopäden

3,0 %

0,0 %

-1,0 %

-2,3 %

3,0 %

2,0 %

0,6 %

Urologen

0,8 %

6,7 %

-0,4 %

0,7 %

7,6 %

0,5 %

1,5 %

Hautärzte

0,7 %

8,1 %

-0,5 %

1,1 %

8,8 %

0,2 %

1,7 %

Kardiologen

3,2 %

0,0 %

-2,5 %

-2,2 %

3,2 %

0,7 %

0,9 %

Nervenärzte

-5,5 %

-3,7 %

2,4 %

4,0 %

-9,0 %

-3,2 %

-1,7 %

Neurologen

4,6 %

-2,1 %

1,1 %

2,4 %

2,4 %

5,7 %

7,1 %

Psychiater

-2,7 %

-2,6 %

8,0 %

9,9 %

-5,3 %

5,0 %

6,9 %

Anästhesisten

1,2 %

-3,8 %

1,0 %

0,0 %

-2,6 %

2,2 %

1,2 %

Gastroenterologen

2,0 %

46,4 %

-0,6 %

0,0 %

49,3 %

1,4 %

2,0 %

Hämatologen/Onkologen

2,8 %

10,4 %

0,8 %

0,9 %

13,5 %

3,7 %

3,8 %

Nephrologen

2,8 %

4,2 %

0,7 %

0,8 %

7,1 %

3,5 %

3,6 %

Pneumologen

1,9 %

3,0 %

-3,0 %

-1,9 %

5,0 %

-1,1 %

0,0 %

Weitere Internisten

-5,3 %

17,2 %

2,4 %

2,6 %

11,0 %

-3,0 %

-2,8 %

Sonstige

1,6 %

5,2 %

-2,5 %

-1,6 %

6,9 %

-1,0 %

0,0 %

Summe (ohne Zahnärzte)

0,1 %

5,4 %

0,8 %

1,7 %

5,5 %

1,0 %

1,8 %

 

Quelle: AVR 2016 (Tab. 48.1); eigene Berechnungen des Autors

 

Geradezu ins Auge springen die Umsatzzuwächse bei den Augenärzten mit weit über 50 Prozent bei einem nur moderaten Anstieg sowohl der Facharztzahl als auch der Verordnungen je Augenarzt. Die Autoren des AVR führen diese Entwicklung im Wesentlichen auf Ranibizumab (Lucentis) und Aflibercept (Eylea) zurück. Bei den Gastroenterologen wird der Umsatzzuwachs insbesondere mit der Verordnung teurer Hepatitis C-Arzneimittel begründet. Bei den Hämatologen/Onkologen ist verwunderlich, dass allein schon der Durchschnitts-Umsatz mit FAM solche Größenordnungen erreichen soll, sind die Spezialrezepturen per Definition doch noch außen vor.

 

Ein Blick auf den Gesamtmarkt zeigt:

 

  • Die Zahl der Ärzte (ohne Zahnärzte) ist gegenüber dem Vorjahr moderat, aber immer noch um 0,1 Prozent gestiegen.
  • Der verordnete Umsatz je Arzt hat um 5,4 Prozent zugenommen. Folglich ist der Gesamtumsatz aller Ärzte (ohne Zahnärzte) um 5,5 Prozent gewachsen.
  • Jeder Arzt hat im Durchschnitt 0,8 Prozent mehr Packungen verordnet. Damit haben die Verordnungen um knapp 1,0 Prozent zugenommen.

Verordnungs-Umsätze und Zahl der Verordnungen

In früheren Jahren war der Verordnungs-Umsatz nach Facharztgruppen für Potenzialschätzungen besonders wichtig:

 

Quelle: AVR 2016; eigene Berechnungen des Autors

 

Die Hochpreiser machen weniger als ein halbes Prozent aller Verordnungen, aber mehr als ein Viertel des verordneten Umsatzes aus. Durch ihren Einfluss werden Analysen auf der Basis arztgruppenspezifisch verordneter Umsätze immer unsicherer. Denn Hochpreiser werden gewöhnlich nicht im Rahmen einer Dauertherapie (d. h. über Jahre) verordnet, sondern im Regelfall nur über einen begrenzten Zeitraum (und das zum Teil auch nur von entsprechend spezialisierten Ärzten). Das zeigt auch die folgende Abbildung.

 

Quelle: INSIGHT Health, NVI August 2016; Verordnungen Jahr 2015

 

Im Gegensatz zum AVR hat INSIGHT Health für die Ärzte in Kliniken und Instituten eine eigene Gruppe gebildet. Diese Ärzte, in der Statistik der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) als „ermächtigte Ärzte“ geführt, gehören zwar den unterschiedlichsten Facharztgruppen an, verordnen aber nicht „gruppenspezifisch“. Selbstverständlich sind diese Ärzte in der Statistik nicht doppelt erfasst, sondern von ihrer Facharztgruppe subtrahiert worden.

 

Internisten, Nervenärzte sowie Ärzte in Kliniken und Instituten verordnen demzufolge derzeit fast 80 Prozent aller Hochpreiser. Für Apotheken bedeutet das: Für Potenzial- und Wettbewerbsanalysen von Apotheken scheint die Zahl der Verordnungen besser geeignet, schließlich ist der Festzuschlag bei Rx-FAM die bestimmende Größe für den Rohertrag. Dieser liegt - nach Abzug des Kassenabschlags - bei gut 6,86 Euro je Packung.

 

Quelle: AVR 2016; eigene Berechnungen des Autors

 

So verursachen die Hausärzte zwar nur 31,3 Prozent des GKV-Arzneimittelumsatzes, lösen aber immerhin 50,6 Prozent aller Arzneimittelverordnungen aus. Es folgen die (hausärztlich tätigen) Internisten mit einem Umsatzanteil von 15,2 Prozent bei einem Anteil an den Verordnungen von 19,0 Prozent. Bei den Kinderärzten ist das Verhältnis noch gravierender: Mit immerhin noch 6,1 Prozent aller Verordnungen werden nur 2,6 Prozent des GKV-Arzneimittelumsatzes generiert. Den umgekehrten (Extrem-)Fall liefern die Hämatologen/Onkologen, deren Arzneiverordnungen besonders intensiv auf die GKV-Arzneimittelausgaben durchschlagen. Mit nur 0,6 Prozent der Verordnungen lösen sie 5,3 Prozent des Umsatzes aus.

Wertschöpfungsanteil der Apotheken

Die Ausführungen in Teil I.4. „GKV-Arzneimittelmarkt 2015: Trends und Marktsegmente zur Arzneimitteldistribution“ sind erneut Balsam für die Apothekerseele. Der Wertschöpfungsanteil der Apotheke am GKV-FAM-Umsatz wird für 2015 mit 13,9 Prozent (Vorjahr: 14,4 Prozent), der des Großhandels mit 2,8 Prozent (Vorjahr: 3,0 Prozent) angegeben.

 

Quelle: AVR 2016, Abb. 4.12

 

Bei eingehender Betrachtung dieser Darstellung wird deutlich, dass die Einsparungen der GKV durch (gesetzliche und vertraglich vereinbarte) Herstellerrabatte (nach § 130a SGB V) in Höhe von gut 5,3 Mrd. Euro, durch den Apothekenabschlag (gemäß § 130 SGB V) in Höhe von annähernd 1,1 Mrd. Euro und durch den Eigenanteil der Versicherten in Höhe von gut 2,2 Mrd. Euro, den Rohertrag der Apotheken (und des Großhandels) bei weitem übersteigen.

 

Dass der Anteil des Staates - über die Umsatzsteuer - seit Jahren den Wertschöpfungsanteil der Apotheken übertrifft, erscheint vor dem Hintergrund der Finanzierbarkeit des GKV-Systems nach wie vor problematisch.

 

Weiterführender Hinweis

  • U. Schwabe, D. Paffrath: Arzneiverordnungsreport 2016, Springer Verlag, Buch: ISBN 978-3-662-50350-8, 59,99 Euro; E-Book: ISBN 978-3-662-50351-5; 46,99 Euro
Quelle: Ausgabe 12 / 2016 | Seite 3 | ID 44334017