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·Fachbeitrag ·Arzneimittelversorgung, Teil 1

Arzneimittelverbrauch gesetzlich Versicherter in Abhängigkeit von Geschlecht und Alter

von Dipl.-Math. Uwe Hüsgen, Essen, langjähriger Geschäftsführer des Apothekerverbands Nordrhein e.V.

| Wer die aktuelle Situation im Arzneimittelmarkt kennt, kann die Zukunft der eigenen Apotheke besser einschätzen. AH bietet Ihnen in diesem Beitrag einen Überblick über den Arzneimittelverbrauch der gesetzlich Versicherten unter Berücksichtigung von Geschlecht und Alter. Die Grundlage der Analyse bilden die Verordnungsdaten des GKV-Arzneimittelindex, der in der Trägerschaft des AOK-Bundesverbands vom Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) erstellt und im Arzneiverordnungsreport (AVR) veröffentlicht wird. |

Alters- und Geschlechtsstruktur der GKV-Versicherten

Im Jahre 2014 waren 70,3 Mio. Menschen - aufgrund gesetzlicher Bestimmungen oder auf freiwilliger Basis - in der GKV versichert. Davon waren 33,3 Mio. (47,4 Prozent) männlichen und 37 Mio. (52,6 Prozent) weiblichen Geschlechts.

 

  • Tabelle 1: Alters- und Geschlechtsstruktur der GKV-Versicherten 2014
Altersgruppe
Männer (in Tsd.)
Frauen (in Tsd.)
Zusammen (in Tsd.)

bis unter 5

1.372,9

1.304,6

2.677,5

5 bis unter 10

1.520,1

1.441,2

2.961,3

10 bis unter 15

1.639,5

1.554,4

3.193,9

bis unter 15

4.532,5

4.300,2

8.832,7

15 bis unter 20

1.825,8

1.732,8

3.558,6

20 bis unter 25

2.029,9

1.970,2

4.000,1

25 bis unter 30

2.271,4

2.253,8

4.525,2

30 bis unter 35

2.198,0

2.236,6

4.434,6

35 bis unter 40

1.988,8

2.103,0

4.091,8

40 bis unter 45

2.096,9

2.276,8

4.373,7

45 bis unter 50

2.737,6

2.978,1

5.715,7

50 bis unter 55

2.820,0

3.064,1

5.884,1

55 bis unter 60

2.378,1

2.631,7

5.009,8

60 bis unter 65

2.033,3

2.353,2

4.386,5

65 bis unter 70

1.571,9

1.871,6

3.443,5

70 bis unter 75

1.744,6

2.173,0

3.917,6

75 bis unter 80

1.612,2

2.165,1

3.777,3

80 bis unter 85

887,2

1.390,3

2.277,5

85 bis unter 90

448,1

955,5

1.403,6

90 und älter

146,2

545,4

691,6

80 und älter

1.481,5

2.891,2

4.372,7

Summe

33.322,5

37.001,4

70.323,9

 

Quelle: WIdO, GKV-Arzneimittelindex, Arzneiverbrauch nach Altersgruppen 2014 und eigene Berechnungen des Autors

 

Innerhalb der Untergliederung nach Geschlecht und Alter (hier sind bis zum 90sten Lebensjahr jeweils fünf „Jahrgänge“ zu einer Altersgruppe zusammengefasst) fällt auf, dass bei den Versicherten unter 30 Jahren die Männer in der Überzahl sind. Erst ab einem Alter von 30 Jahren ist der weibliche Anteil größer als der männliche. Besonders groß wird dieser Unterschied mit weiter zunehmendem Alter, da die Lebenserwartung von Frauen bekanntlich höher als die von Männern ist.

 

Bei 19 ausgewiesenen Altersgruppen läge der rein rechnerische, durchschnittliche Anteil je Gruppe bei knapp 5,3 Prozent. Bei „gesunder“ Bevölkerungsstruktur und -entwicklung müsste der Anteil je Gruppe mit steigendem Alter abnehmen. Das ist in Deutschland bei den GKV-Versicherten - und auch darüber hinaus - nicht der Fall. Vielmehr belegen die Zahlen besonders deutlich, dass Deutschland eine geringe Nettoreproduktionsrate aufweist (überspitzt formuliert: vergreist): In den ersten drei Altersgruppen liegt der Anteil an der gesamten Versichertengemeinschaft zwischen 3,8 und 4,5 Prozent (bei den für die Reproduktionsrate maßgeblichen weiblichen Versicherten sogar nur zwischen 3,5 Prozent und 4,2 Prozent). In den Altersgruppen darüber wachsen die Anteile dagegen bis auf über 8 Prozent (in den Altersgruppen der 45- bis unter 50-Jährigen und der 50- bis unter 55-Jährigen) an. Erst in den Altersgruppen ab 80 Jahren fällt dieser Anteil - mortalitätsbedingt - unter den rechnerischen Durchschnittswert zurück.

 

Ein Blick auf die Statistik zeigt dabei eine bundesdeutsche Besonderheit: Die 35- bis unter 40-Jährigen entstammen geburtenschwachen Jahrgängen. Sie sind bevölkerungsmäßig „unterrepräsentiert“. Das dürfte darin begründet sein, dass auch die Elterngeneration (der 65- bis unter 70-Jährigen) im Vergleich zu den vorhergehenden und nachfolgenden Altersgruppen von der Kopfzahl her schwächelt.

 

Angesichts der Altersverteilung ist es wenig überraschend, dass nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG, KM1-Stastistik) im Jahre 2014 „nur“ 25,2 Prozent der Versicherten der Krankenversicherung der Rentner (KVdR) zuzuordnen sind. Zum Vergleich: Der Anteil der Versicherten, die in demselben Jahr 65 Jahre und älter gewesen sind, liegt bei 22,1 Prozent.

Arzneimittelverordnungen und Tagesdosen

Nach Angaben des WIdO sind im Jahre 2014 rund 651,5 Mio. (identifizierte) Fertigarzneimittel(FAM)-Packungen zulasten der GKV verordnet worden (siehe Tabelle 2). Welche von diesen Arzneimitteln verschreibungspflichtig gewesen sind und welche (nur) apothekenpflichtig, ist den Zahlen nicht zu entnehmen.

 

Damit sind im Berichtsjahr für jeden Versicherten durchschnittlich 9,3 FAM-Packungen zulasten der GKV verordnet worden. Dabei übertreffen die Verordnungen für Frauen (mit 10,3 verordneten Packungen) die der Männer (8,1 verordnete Packungen) um mehr als ein Viertel. Diese 2014 gut 650 Mio. zulasten der GKV verordneten FAM-Packungen beinhalten annähernd 40 Mrd. Tagesdosen (Defined Daily Doses [DDD]; siehe Tabelle 3). Das entspricht gut 560 DDD je Versicherten oder etwas mehr als 1,5 DDD je Versicherten pro Tag.

 

  • Tabelle 2: Fertigarzneimittel-Verordnungen nach Alters- und Geschlechtsstruktur der GKV-Versicherten 2014
Altersgruppe
Männer (in Tsd.)
Frauen (in Tsd.)
Zusammen (in Tsd.)

bis unter 5

16.008,0

14.036,0

30.044,0

5 bis unter 10

8.386,4

7.613,2

15.999,6

10 bis unter 15

5.472,9

5.075,6

10.548,5

bis unter 15

29.867,3

26.724,8

56.592,1

 

 

 

15 bis unter 20

4.137,9

8.982,4

13.120,3

20 bis unter 25

4.151,4

6.351,6

10.503,0

25 bis unter 30

5.069,5

7.741,6

12.811,1

30 bis unter 35

6.055,2

8.985,3

15.040,5

35 bis unter 40

6.711,2

9.787,4

16.498,6

40 bis unter 45

9.343,0

13.015,8

22.358,8

45 bis unter 50

15.198,6

20.515,9

35.714,5

50 bis unter 55

20.417,0

26.633,0

47.050,0

55 bis unter 60

22.936,8

28.533,0

51.469,8

60 bis unter 65

25.653,5

31.350,7

57.004,2

65 bis unter 70

23.452,8

29.141,6

52.594,4

70 bis unter 75

32.108,7

41.828,7

73.937,4

75 bis unter 80

32.415,3

47.165,8

79.581,1

 

 

 

80 bis unter 85

19.968,2

34.679,7

54.647,9

85 bis unter 90

10.365,2

25.128,7

35.493,9

90 und älter

3.321,9

13.727,3

17.049,2

80 und älter

33.655,3

73.535,7

107.191,0

 

 

 

Summe

271.173,5

380.293,3

651.466,8

 

Quelle: WIdO, GKV-Arzneimittelindex, Arzneiverbrauch nach Altersgruppen 2014 und eigene Berechnungen des Autors

 

  • Tabelle 3: DDD in Mio. nach Alters- und Geschlechtsstruktur
Altersgruppe
Männer
Frauen
Zusammen

bis unter 5

292,6

266,9

559,5

5 bis unter 10

210,0

188,5

398,5

10 bis unter 15

216,2

202,3

418,5

bis unter 15

718,8

657,7

1.376,5

 

 

 

15 bis unter 20

148,3

465,7

614,0

20 bis unter 25

132,9

184,5

317,4

25 bis unter 30

190,9

252,8

443,7

30 bis unter 35

255,3

324,2

579,5

35 bis unter 40

319,3

397,6

716,9

40 bis unter 45

515,3

615,5

1.130,8

45 bis unter 50

940,7

1.101,5

2.042,2

50 bis unter 55

1.378,3

1.595,7

2.974,0

55 bis unter 60

1.641,5

1.841,9

3.483,4

60 bis unter 65

1.914,5

2.145,8

4.060,3

65 bis unter 70

1.779,4

2.041,9

3.821,3

70 bis unter 75

2.410,2

2.920,1

5.330,3

75 bis unter 80

2.389,7

3.245,4

5.635,1

 

 

 

80 bis unter 85

1.424,7

2.315,7

3.740,4

85 bis unter 90

704,0

1.591,6

2.295,6

90 und älter

208,7

802,5

1.011,2

80 und älter

2.337,4

4.709,8

7.047,2

 

 

 

Summe

17.072,5

22.500,1

39.572,6

 

Quelle: WIdO, GKV-Arzneimittelindex, Arzneiverbrauch nach Altersgruppen 2014 und eigene Berechnungen des Autors

 

Während die Zahl der verordneten FAM-Packungen bei den Frauen also den Wert bei den Männern deutlich übersteigt, liegt die Zahl der Tagesdosen je Verordnung (siehe Abb. 1) bei den Frauen (mit 59,2 DDD) erkennbar - um gut 6 Prozent - unter dem entsprechenden Wert bei den Männern (63,0 DDD).

 

 

 

ZWISCHENFAZIT | Für Frauen werden im Durchschnitt deutlich mehr Packungen mit allerdings wesentlich weniger Tagesdosen je Packung verordnet als für Männer.

 

 

 

Für Kleinkinder bis unter fünf Jahren werden relativ viele FAM-Packungen verordnet (siehe Abb. 2). Wie allen Eltern bekannt ist, bedarf die Behandlung von Säuglings- und Kinderkrankheiten fast immer der Therapie auch mit Arzneimitteln - und seien es „nur“ Fieberzäpfchen. Je älter die Kinder und Jugendlichen werden, umso weniger Arzneimittel(-Packungen) kommen zum Einsatz. Werden in den ersten fünf Lebensjahren durchschnittlich noch 11,3 FAM-Packungen verordnet (mit einem leichten Plus bei den Jungen), sinkt dieser Wert bei den 5- bis unter 10-Jährigen schon auf durchschnittlich 5,4 FAM-Packungen, um in der Altersgruppe der 10- bis unter 15-Jährigen auf durchschnittlich 3,3 FAM-Packungen zurückzufallen (siehe Abb. 3).

 

 

In den ersten 15 Lebensjahren werden damit je Versicherten rund 6,4 Packungen pro Jahr verordnet, d. h. alle zwei Monate durchschnittlich etwas mehr als eine FAM-Packung. Dabei steigt die Reichweite (DDD) je Packung mit zunehmendem Alter (siehe Abb. 1). Bei den unter 5-Jährigen liegen die DDD bei durchschnittlich knapp unter 20 Tagesdosen je FAM-Packung. Dieser Wert steigt auf rund 25 DDD je FAM-Packung bei den 5- bis unter 10-Jährigen an, um in der nächsten Altersgruppe der 10- bis unter 15-Jährigen knapp 40 DDD je FAM-Packung zu erreichen. Mit einem Anteil der unter 15-Jährigen an den GKV-Versicherten insgesamt von unter 12,6 Prozent beansprucht diese Personengruppe knapp 8,7 Prozent der Verordnungen. Bezogen auf die DDD liegt der Anteil mit 3,5 Prozent noch wesentlich niedriger.

 

ZWISCHENFAZIT | Für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren werden mit zunehmendem Alter weniger (verschiedene) Arzneimittel verordnet (siehe Abb. 3), dafür aber mit einer längeren Reichweite, d. h. vorgesehenen Behandlungsdauer (siehe Abb. 1).

 

Vergleich der Zahlen des AVR mit denen von INSIGHT Health

Vergleichen wir an dieser Stelle kurz die Zahlen des AVR mit den Statistiken von INSIGHT Health. Im Rahmen ihrer Erhebungen unterscheidet INSIGHT Health bei den Arzneimittelverordnungen zwar nicht nach Alter und Geschlecht der Versicherten, wohl aber nach dem Arzneimittelstatus. Von den laut INSIGHT Health im Jahr 2014 insgesamt zulasten der GKV abgegebenen knapp 655 Mio. FAM-Packungen (einschließlich Sprechstundenbedarf) sind gut 597 Mio. Packungen verschreibungspflichtig und annähernd 58 Mio. Packungen apotheken-, also nichtverschreibungspflichtig.

 

MERKE | Die geringen Abweichungen zwischen den Werten des AVR und denen von INSIGHT Health lassen sich leicht erklären: INSIGHT Health erfasst auch die FAM-Verordnungen im Sprechstundenbedarf, die in die alters- und geschlechtsspezifische Arzneimittelverbrauchsanalyse des AVR nicht eingehen. Zudem verweist der AVR ausdrücklich auf nicht identifizierte Rezepte, auf denen selbstverständlich auch FAM verordnet sein können.

 

 

Von den insgesamt 56,6 Mio. FAM-Packungen, die nach WIdO-Angaben im Jahr 2014 für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren zulasten der GKV verordnet worden sind, dürfte ein sehr großer Teil nicht der Verschreibungspflicht unterliegen, wohl aber erstattungs- und damit verordnungsfähig sein (vgl. § 34 Sozialgesetzbuch [SGB] V). Diese Zahl an FAM-Verordnungen entspricht ziemlich genau der von INSIGHT Health ermittelten Zahl an von der GKV erstatteten, rein apothekenpflichtigen FAM-Packungen für 2014. Auch der Umsatz je Verordnung, der laut AVR bei den unter 10-Jährigen mit 15,75 Euro anzugeben ist, unterstreicht diese Aussage.

 

Aufgrund des mit den Daten von INSIGHT Health durchgeführten Vergleichs kann demnach unterstellt werden, dass 95 Prozent und mehr der FAM-Verordnungen für 15-Jährige und älter im Jahr 2014 verschreibungspflichtig gewesen sind, hier also ein Rohertrag aus Festzuschlag (Honorar) von 6,84 Euro je Verordnung angefallen ist (Festzuschlag von 8,35 Euro [netto], abzüglich Kassenabschlag von 1,80 [brutto]). Da der Kassenabschlag von 1,80 Euro (in 2014) auf 1,77 Euro (ab 2015) abgesenkt wurde, könnte für Prognosen z. B. für das aktuelle Jahr mit einem Honorar von 6,86 Euro je FAM-Packung gerechnet werden. Damit sind obige Bemerkungen insbesondere für diejenigen von Bedeutung, die auf der Grundlage der Versichertenstruktur im Umfeld ihrer Apotheke(n) über die Zahl der verordneten FAM-Packungen (vgl. Abb. 3) den (potenziell möglichen) Apothekenrohertrag aus Festzuschlag (Honorar) berechnen wollen.

Fortsetzung Verordnungsanalyse

Bei den 15- bis unter 20-Jährigen Frauen steigt die Zahl der verordneten FAM-Packungen wieder an. Das ist der erstattungsfähigen Verordnung von Verhütungsmitteln für diese Altersgruppe geschuldet (siehe Abb. 3). Mit 5,2 verordneten Packungen je Versicherter liegt der Wert bei den Damen in dieser Altersklasse fast zweieinhalbmal so hoch wie bei den jungen Männern mit durchschnittlich 2,3 FAM-Packungen. Darauf folgen die „gesundenf“ Jahrgänge/Altersgruppen. Ausgehend von 2,6 verordneten FAM-Packungen bei den 20- bis unter 25-Jährigen steigt die Verordnungshäufigkeit mit zunehmendem Alter langsam, aber mit stetig zunehmender Geschwindigkeit bis auf 8,0 FAM-Verordnungen bei den 50- bis unter 55-Jährigen an. Wie bereits erwähnt, übersteigt die Zahl der Verordnungen bei den Frauen diejenige der Männer (vgl. Abb. 3) - und zwar um rund 1,2 FAM-Packungen per annum in so gut wie allen Altersklassen zwischen 20 bis unter 55 Jahren. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass die durchschnittlichen Tagesdosen (DDD) je FAM-Packung bei den Frauen immer - und zum Teil wesentlich - unter denen bei den Männern liegen (vgl. Abb. 1). Durch diese geschlechtsspezifisch unterschiedliche Verordnung von Packungen und DDD je Packung gleichen sich die insgesamt „verordneten DDD“ je Versicherten bezogen auf Männer bzw. Frauen in den genannten Altersklassen wieder stark an (siehe Abb. 4). Das gilt mit Ausnahme der 15- bis unter 20-Jährigen.

 

 

Mit einem Anteil der 15- bis unter 55-Jährigen von unter 52 Prozent der GKV-Versicherten insgesamt beansprucht diese Personengruppe gut ein Viertel (knapp 26,6 Prozent) der FAM-Verordnungen. Bezogen auf die DDD liegt der Anteil mit 22,3 Prozent noch niedriger.

 

ZWISCHENFAZIT |

  • 1. Männer zwischen 20 und 55 bekommen im Schnitt weniger FAM-Packungen verordnet als Frauen im gleichen Alter - aber wenn, dann mit bedeutend größerer Reichweite.
  • 2. Weil für Frauen mehr Packungen verordnet werden, entfallen (auch) in diesen Altersklassen mehr DDD je Versicherter als für Männer.
 

Mit 55 Jahren beginnt die Altersklasse, in der durchschnittlich mehr als 10 FAM-Packungen je Versicherten verordnet werden. Und ab jetzt steigt der Wert bis auf 25,3 verordnete FAM-Packungen je Versicherten (!) - in der Altersklasse zwischen 85 und unter 90 Jahren - an. Für Versicherte zwischen 85 und unter 90 Jahren werden also rund zehnmal so viel FAM-Packungen verordnet wie für Versicherte zwischen 20 und unter 25 Jahren, fünfmal so viel wie für 40- bis unter 45-Jährige und immer noch doppelt so viel wie für Versicherte zwischen 60 und unter 65 Jahren. Allerdings gilt auch: Die Zahl der hochbetagten Versicherten liegt deutlich unter der des mittleren und gesetzten Alters.

 

Da nicht nur die Zahl der verordneten FAM-Packungen, sondern - zumindest bis in die Gruppe der unter 70-Jährigen .- auch die DDD je Packung mit zunehmendem Alter ansteigen, steigt die Zahl der verordneten DDD mit zunehmendem Alter ebenfalls (vgl. Abb. 4). Für Versicherte zwischen 75 und unter 90 Jahren werden demnach rund zwanzigmal so viel DDD verordnet wie für Versicherte zwischen 20 und unter 25 Jahren, mehr als sechsmal so viel wie für 40- bis unter 45-Jährige und immer noch 1,7-mal so viel wie für Versicherte zwischen 60 und unter 65 Jahren.

 

Versicherte, die 55 Jahre und älter sind, machen gut ein Drittel (35,4 Prozent) der GKV-Versicherten aus, verordnet werden ihnen aber fast zwei Drittel (64,7 Prozent) aller FAM-Packungen. Dabei beansprucht allein die Altersgruppe der 55- bis unter 80-Jährigen, die 29,2 Prozent der Versicherten ausmachen, fast die Hälfte aller FAM-Packungen. Die verordnungsstärksten Jahrgänge sind dabei die Versicherten in den Altersgruppen 70 bis unter 75 Jahren (mit 11,3 Prozent aller Verordnungen) und 75 bis unter 80 Jahren (mit 12,2 Prozent der Verordnungen). Bezogen auf die DDD liegt der Anteil für die Versicherten, die 55 Jahre und älter sind, sogar bei 74,2 Prozent. Für jeden Versicherten zwischen 45 und unter 50 Jahren wird im Durchschnitt bereits eine Dosis pro Tag verordnet. Bei den 55- bis unter 60-Jährigen sind es durchschnittlich bereits fast zwei DDD pro Tag! Dieser Wert steigt mit zunehmendem Alter auf durchschnittlich 4,5 DDD bei den 80- bis unter 85-Jährigen, um danach leicht zu fallen.

Perspektiven für Apotheker

Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben ab dem 1. Oktober 2016 Anspruch auf Erstellung und Aushändigung eines Medikationsplans in Papierform. Da die Apotheke auf Wunsch des Versicherten bei Abgabe eines Arzneimittels eine insoweit erforderliche Aktualisierung des Medikationsplans vornehmen muss (vgl. § 31a SGB V), sollten Apotheken diese - vorwiegend älteren - Patientengruppen noch mehr als bisher intensiv begleiten.

 

Apotheker, die sich bereits heute nachdrücklich mit solchen Analysen auseinandersetzen wollen, wird empfohlen, die Bevölkerung im Einzugsgebiet nach Versichertenzugehörigkeit, Alter und Geschlecht zu analysieren. Hilfreich können dabei die statistischen Ämter vor Ort sein. Auch eine Rezeptanalyse (bzw. die über das Apotheken-Abrechnungszentrum erstellten Statistiken) vermag neue Erkenntnisse zu vermitteln. Dabei wird sich schnell herausstellen: Leben (und arbeiten) im Umfeld einer Apotheke überdurchschnittlich viele jüngere Menschen, so muss mit geringeren Verordnungszahlen gerechnet werden. Auf diese Gegebenheiten muss sich die Apotheke einstellen und entsprechend (re)agieren. Sollte die Bevölkerung standorttreu sein, so kann die Apotheke für die Zukunft mit einer zunehmenden Zahl an Verordnungen rechnen. Das könnten aber auch potenzielle Wettbewerber registrieren.

 

Sind im Umkreis der Apotheke hingegen viele ältere Menschen ansässig, so beanspruchen diese die Leistungen der Apotheke überdurchschnittlich oft. Auch dies dürfte sich an der Zahl der Verordnungen bemerkbar machen. Aber auch hier ist Vorsicht geboten: Wenn nicht rechtzeitig ausreichend viele junge Menschen nachziehen, besteht die Gefahr, dass der Apotheke die Kunden wegsterben.

Quelle: Ausgabe 04 / 2016 | Seite 3 | ID 43856204