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  • ·Fachbeitrag ·Apothekenentwicklung

    Die Apotheke von morgen, Teil 1: Digitale Anwendungen ‒ fest etabliert bis ausbaufähig

    von Dr. Doortje Cramer-Scharnagl, Edewecht

    | Durch die Coronapandemie hat der digitale Umbruch enorm an Tempo zugelegt: Die Online-Apotheken boomen seit Anfang 2020 noch mehr als ohnehin schon, und in den Präsenzapotheken etablieren sich nicht nur die Telematikinfrastruktur (TI), sondern auch das digitale Bezahlen und andere Neuerungen. Darum gilt es gerade jetzt, sich für den verstärkten Wettbewerb in einem sich immer schneller wandelnden Umfeld fit zu machen. |

    Kunden schätzen hohen Digitalisierungsgrad

    Diverse digitale Anwendungen haben sich im Apothekenalltag inzwischen durchgesetzt ‒ von kontaktlosen Bezahlmethoden (s. Beitrag zum „Mobile Payment“ in AH 06/2020, Seite 7) über Rezeptscanner, die es ermöglichen, Papierrezepte automatisch auf Korrektheit zu prüfen, bis hin zu den Data-Matrix-Codes, die zusammen mit einem Klebesiegel und der individuellen Packungsnummer einen sicheren Schutz vor gefälschten Arzneimitteln gewährleisten. Zusätzliche Sicherheit bietet die Online-Datenbank der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) unter arzneimittelkommission.de. EDV-Systeme speichern mehrere Millionen Arzneimitteldaten, u. a. darüber, welches Präparat ein gesetzlich krankenversicherter Patient laut Rabattvertrag erhalten darf. Und digitale Arbeitspläne sowie die digitale Buchhaltung erleichtern zahlreiche Verwaltungsarbeiten. Macht man sich bewusst, wie hoch der Digitalisierungsgrad in Apotheken heute schon ist und wie unglaublich viel sich in den letzten zehn Jahren getan hat, macht der Gedanke an anstehende Neuerungen gleich viel weniger nervös.

     

    In einer 2020 veröffentlichten Studie des Instituts für Handelsforschung (IFH) Köln unter Apothekenkunden gaben 75 Prozent der Befragten an, dass die Digitalisierung von Präsenzapotheken wichtig sei. 85 Prozent waren der Meinung, dass das Thema noch an Bedeutung zunehmen werde. Und 72 Prozent fanden, dass Vor-Ort-Apotheken noch Nachholbedarf in Sachen Digitalisierung hätten. Wer bisher also noch Zweifel hatte, ob die eigenen Kunden neue digitale Angebote wohl schätzen würden, den werden diese Zahlen überzeugen: Für die Kundengewinnung und -bindung ist die Digitalisierung unverzichtbar ‒ ganz abgesehen von den Vorteilen, die sie außerdem bietet.

    E-Medikationsplan (eMP)

    Seit 2016 haben Patienten Anspruch auf den papiernen „bundeseinheitlichen Medikationsplan“. Seit knapp einem Jahr gibt es zudem den eMP, der auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert wird. Die Apotheke kann ebenso wie die Arztpraxis die Daten anlegen, auslesen und bei Bedarf aktualisieren. Bei jeder Nutzung der Daten muss der Patient einen persönlichen PIN-Code eingeben, den er bei seiner Krankenkasse erhält. Damit Apotheker und Ärzte zugreifen können, benötigen sie den elektronischen Heilberufsausweis (eHBA) und entsprechende Software-Module. Bislang ist die Nachfrage nach eMP gering. Erwartet wird, dass sich dies erst mit der zweiten Generation ändern wird, wenn die Pläne mit in die elektronischen Patientenakten aufgenommen werden.

    E-Patientenakte (ePA)

    Die ePA soll zum zentralen Bestandteil der digitalen Gesundheitsversorgung werden. Die Einführungs- und Testphase ist angelaufen: Gesetzlich Versicherte haben seit Beginn des Jahres 2021 einen Anspruch auf eine solche Akte. Derzeit ist auch hier die Resonanz gering. Weniger als ein Prozent der Versicherten nutzt die ePA. Als Grund werden von Patienten, Apothekern und Ärzten v. a. Datenschutzbedenken angegeben, u. a. weil die Akten ‒ eine Vielzahl von Behandlungs- und Gesundheitsdaten ‒ in E-Clouds gespeichert werden.

    E-Rezept

    Ein weiteres Kernvorhaben im Rahmen der Digitalisierung im Gesundheitswesen ist das E-Rezept, das zurzeit noch auf seinen bundesweiten Start wartet. Zum 01.01.2022 wird es für Verordnungen von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln für alle gesetzlich Versicherten verpflichtend. Apotheken sollen vom E-Rezept profitieren, indem das Einlösen einfacher, schneller und sicherer funktioniert, Patienten sollen über die E-Rezept-App direkter mit der Apotheke verbunden sein. Wenn sie zudem Ihre Apotheke in der App als Stammapotheke speichern, kann das die Kundenbindung stärken (weitere Informationen unter iww.de/s5046).

     

    MERKE | Sofern Sie an die TI angeschlossen sind, ist es nicht notwendig, dass Ihre Apotheke für E-Rezept-Kunden ein Gäste-WLAN vorhält. Allerdings können die Patienten das E-Rezept nur auf das Smartphone laden, wenn sie Internetempfang haben. Zusätzlich haben sie die Möglichkeit, sich beim Arzt einen Code ausdrucken und in der Apotheke einscannen zu lassen.

     

    Schon jetzt an die TI 2.0 denken

    Die gematik GmbH hat im Januar 2021 in einem Diskussionspapier (s. dazu iww.de/s5045) angekündigt, die für die Umsetzung der TI 1.0 notwendigen Technologien perspektivisch und schrittweise zu ersetzen, und zwar schon bis 2025. Dadurch soll die Ausweitung des Systems auf andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen erleichtert werden. Das bedeutet, dass schon sehr bald neue Investitionen notwendig sein könnten, um auf die TI 2.0 umzusteigen oder Übergangslösungen zu finden. Eine Umstellung bei allen Nutzern zu einem bestimmten Stichtag soll nicht erforderlich werden, aber es lohnt sich sicherlich, die Entwicklungen zu beobachten, um nicht kurz vor Toresschluss noch auf Angebote zu setzen, die bald danach unbrauchbar werden.

     

    Weiterführender Hinweis

    Quelle: Ausgabe 08 / 2021 | Seite 14 | ID 47462060