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·Fachbeitrag ·Verlust der Zahnsubstanz

Erosionen: Erkennen Sie die Defekte frühzeitig!

| Erosionen sind irreversible Zahnhartsubstanzverluste, die durch extrin­sische und intrinsische Säuren verursacht werden. Erkennen Sie Erosions­defekte frühzeitig! Die Patienten selbst werden auf die Läsionen erst aufmerksam, wenn die Zähne aufgrund der dünneren Schmelzschicht „gelber“ und „kürzer“ werden oder wenn sie an Überempfindlichkeiten leiden. |

 

In den letzten 25 Jahren haben sich auch das Gesundheitsverhalten und die Ernährung gewandelt: Zum einen werden mehr säurehaltige Limonaden getrunken und mit Zucker angereicherte Nahrung konsumiert („Junk food“); zum anderen trinken auch gesundheitsbewusste Menschen zunehmend Getränke mit niedrigem pH-Wert – zum Beispiel Fruchtsäfte – und essen vermehrt säurehaltige Früchte oder Salate mit Essig. In beiden Fällen stellen die extrinsischen Säuren den Hauptfaktor für die zunehmenden Erosionen dar. Unter den intrinsischen Säuren ist die Magensäure häufigstes schädigendes Agens.

 

Insbesondere leichte Erosion ist schwierig diagnostizierbar, da der Schmelz flächenhaft demineralisiert wird, meist kontinuierlich degradiert und klinisch keine Erweichung der Oberfläche feststellbar ist. Erst in einer fortgeschritteneren Phase bilden sich Dellen oder es kommt zu einer Dentinexposition, sodass die Läsionen klinisch deutlich sichtbar werden. Wird dem Fortschreiten der Erosion nicht vorgebeugt, kann neben sichtbarem Zahnschmelzverlust auch Zahnüberempfindlichkeit die Folge sein. Daher ist eine Diagnose, inklusive Analyse der Risikofaktoren, durch den Zahnarzt erforderlich.

 

PRAXISHINWEIS |  Ermitteln Sie das Risiko Ihrer Patienten mit einem Patientenfragebogen. Einen solchen Bogen finden Sie unter zr.iww.de bei „Downloads“ (Rubrik „Patienteninformationen“)! Mit dem Patientenfragebogen lassen sich die häufigsten Risiken für Zahnerosionen schnell und einfach abfragen.

 

Die Stadien der Erosion

Vestibuläre Erosionen zeigen im Anfangsstadium eine seidenglänzende, manchmal auch matte Oberfläche, bei weiterem Fortschreiten des Prozesses eine Dellen- und Stufenbildung. Am marginalen Kronenrand persistiert eine Schmelzleiste, die erhalten bleibt, weil einerseits marginale Plaquerückstände eine Diffusionsbarriere gegen den Säureangriff bilden und andererseits das Sulkus-Fluid eine neutralisierende Wirkung auf die einwirkenden Säuren ausübt.

 

Erosionen an den okklusalen Flächen führen zu abgerundeten, eingedellten Höckern. Dabei reichen die Höckerdefekte oft bis ins Dentin. In fortgeschrittenem Stadium geht das ganze Okklusalrelief verloren. Typisch für okklusale Erosionen sind Füllungsränder, die über die benachbarte Zahnhartsubstanz hinausragen. Eine flächenhafte Entkalkung der Zahnhartsubstanz ist charakteristisch für orale Erosionen. Auch hier kann eine marginale Schmelzleiste persistieren. [1]

 

  • Stadium „Leichte Erosion“
  • Oberflächlicher Zahnschmelzverlust
  • Verlust des Oberflächenreliefs (Perikymatien)
  • „Abrundungen“ von Inzisalkanten und Fissuren
  • Zunehmende Transluzenz der Inzisalkanten
  • Der Zahnschmelz kann stumpf und matt erscheinen
  • Keine Dentinbeteiligung
 
  • Stadium „Fortgeschrittene Erosion“

Vestibulär:

  • Flächiger Verlust von Schmelz bei erhaltener zervikaler Schmelzleiste
  • Eindellung und Stufung des Zahnschmelzes

Okklusal:

  • Dellenförmige Vertiefungen
  • Einebnung des Höcker-Fissuren-Reliefs
 
  • Stadium „Schwere Erosion“
  • Flächiger bzw. sehr tiefgehender Zahnhartsubstanzverlust
  • Dentinbeteiligung
 

Differenzialdiagnostisch müssen Erosionen von anderen Zahnhartsubstanzdefekten unterschieden werden. Erosionen können gleichzeitig mit ­kariösen ­Läsionen vorkommen, bilden sich aber nie zur selben Zeit auf denselben Zahnflächen. Erosionen sind ebenfalls von mechanisch ver­ursachten Zahnhartsubstanzdefekten wie Abrasionen und Attritionen zu unterscheiden, wobei es oft zur Überlagerung dieser unterschiedlich verursachten Läsionen kommt.

Therapie von Erosionen

Durch hochdosierte lokale Fluoridierung mit sauren Fluoridzubereitungen kann ein erosiv bedingter Mineralverlust wie auch ein zusätzlicher abrasiv bedingter Substanzverlust sehr effektiv verringert werden. Im Rahmen eines individuell abgestimmten Therapieschemas scheint die Intensivfluoridierung für alle Patienten mit unphysiologischem Substanzverlust sinnvoll zu sein.

 

Zahnmediziner der Universität Gießen schreiben, dass spezielle antierosive Produkte den konventionellen Fluoridzahnpasten nicht überlegen sind. Vielmehr zeigte ein fluoridfreies Produkt (BioRepair®) sogar ein signifikant schlechteres Ergebnis. Gegenüber der alleinigen Verwendung von Zink-Carbonat-Hydroxylapatit zeigte die Kombination von Hydroxylapatit mit Fluorid etwas bessere Werte (ApaCare®). Auffällig ist der positive Effekt nach Anwendung des zinnhaltigen Produkts (Colgate Gel-Kam®), das als Gel aber lediglich als Ergänzung zur Zahnpasta verwendet werden soll. [3]

 

Ästhetisch störende Defekte können oft mit einfachen Maßnahmen versorgt
werden, so zum Beispiel mit direkten Kompositfüllungen. Nur in besonders schweren Fällen müssen Zähne mit Erosionen überkront werden.

 

Quellen

  • [1] Lussi A, Jaeggi T et al: Dentale Erosionen – von der Diagnose zur Therapie. Berlin, 2009
  • [2] GABA Deutschland: Erosionsstadien (Website)
  • [3] Grunau O et al. Neue Strategien zur Prävention und Therapie von Erosionen. Zahnmedizin up2date 2013; (1) 15-29.
Quelle: Ausgabe 11 / 2013 | Seite 6 | ID 42360048