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01.03.2006 | Allgemeine Zahnheilkunde

Was tun bei jungen Patientinnen mit Essstörungen?

Essgestörte Patientinnen weisen häufig orale Manifestationen auf, die auf die sonst verheimlichte Allgemeinerkrankung hinweisen können. Am auffälligsten sind intrinsische Erosionen, die bei regelmäßigem Erbrechen an so typischen Lokalisationen entstehen, dass sie den terminus technicus „Perimolysis“ erhalten haben. Zahnärzte sind oft „Erstentdecker“ und so der schwierigen Aufgabe verpflichtet, die Patientin, die meist ihre Grunderkrankung verleugnet, zu psychiatrischer und zahnärztlicher Betreuung zu motivieren.  

 

Solche Patientinnen weisen bestimmte Persönlichkeitsstrukturen auf, denen beim Umgang Rechnung zu tragen ist. In jedem Fall ist ihr ausgeprägtes Autonomiebestreben zu respektieren. Dieses Verhalten resultiert aus einer Stresssituation, infolge der vielfältigen Anforderungen, die der biologische und soziale Entwicklungsprozess zur erwachsenen Frau mit sich bringt sowie zu deren Bewältigung die Betroffenen nicht ausreichend Möglichkeiten haben.  

 

Weitere prädisponierende Faktoren kommen hinzu. Essstörungen werden häufig von zahlreichen anderen psychischen und somatischen Erscheinungen als Komorbidität oder Folgen begleitet. Diesen ist anamnestisch Beachtung zu schenken, da sie orale Manifestationen nach sich ziehen können. 

 

Bei der zahnärztlichen Behandlung sind oberste Ziele der Erhalt noch vorhandener Zahnhartsubstanz und die Vermeidung weiterer Verluste. Das präventive Programm basiert auf pathophysiologischen Grundlagen und soll die lokalen Verteidigungsmechanismen fördern, chemische und mechanische Schutzmaßnahmen bereitstellen sowie abrasive Einflüsse reduzieren.  

 

Die restaurative Therapie muss als Teil eines allgemeinzahnmedizinischen Gesamtkonzeptes gesehen werden und sollte erst nach Heilung des Grundleidens erfolgen. Im Hinblick auf das meist jugendliche Alter der Patientinnen, die oft flächigen Erosionsdefekte und zur Vermeidung endodontischer Behandlungen der häufig gesunden Pulpa sind nichtinvasive substanzerhaltende Therapiekonzepte unter Anwendung der Adhäsivtechnik zu bevorzugen.  

 

C Imfeld, T Imfeld: Essstörungen (I): Allgemeinmedizinisch-psy­chiatrische Aspekte; Schweiz Monatsschr Zahnmed 2005; 115 (12): 1157-1162 

 

C Imfeld, T Imfeld: Essstörungen (II): Zahnmedizinische Aspekte; Schweiz Monatsschr Zahnmed 2005; 115 (12): 1163-1171  

Quelle: Ausgabe 03 / 2006 | Seite 5 | ID 94963