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  • · Fachbeitrag · Praxisnachfolge

    Was die Konsolidierungswelle für Praxisinhaber bedeutet

    von Dr. Daniel Kubitza, www.danielkubitza.de, Düren

    Über 2 Mrd. EUR haben internationale Finanzinvestoren in weniger als 18 Monaten in den deutschen Steuerberatungsmarkt investiert. Gleichzeitig ist fast ein Drittel der Berufsträger über 60 – in den nächsten zehn Jahren wechseln schätzungsweise 15.000 bis 20.000 Kanzleien den Eigentümer. Und mit der im Juli 2026 verkündeten Novelle des Steuerberatungsgesetzes hat der Gesetzgeber die Spielregeln gerade neu geschrieben. Wer heute eine Kanzlei führt, steht vor der wichtigsten unternehmerischen Entscheidung seiner Laufbahn: verkaufen, intern übergeben oder selbst konsolidieren?

    Verkäufermarkt für die einen, Käufermarkt für die anderen

    Die Zahlen sind seit Jahren bekannt: Fast ein Drittel der Steuerberaterinnen und Steuerberater in Deutschland ist älter als 60, der Altersdurchschnitt liegt bei rund 54 Jahren. In den kommenden zehn Jahren werden nach Schätzungen 15.000 bis 20.000 Kanzleien den Eigentümer wechseln. Gleichzeitig drängt so viel Kapital in den Markt wie nie zuvor: Mehr als 80 Übernahmen durch Private-Equity-Investoren zählte die Branche in den vergangenen vier Jahren, über 2 Mrd. EUR flossen in weniger als 18 Monaten in deutsche Steuerberatungsgruppen. KKR finanziert die Expansion von ETL, EQT ist bei WTS eingestiegen, Partners Group hat unter der Marke Afileon bereits mehr als 30 Kanzleien vereint.

     

    Auf den ersten Blick klingt das nach einem Verkäufermarkt. Die Wahrheit ist unbequemer: Es ist ein Verkäufermarkt für die einen und ein Käufermarkt für die anderen. Konsolidierer und strategische Käufer suchen digitalisierte, prozessstarke Kanzleien mit stabilen Teams, die auch ohne den Inhaber funktionieren. Wer das bietet, kann zwischen mehreren Angeboten wählen. Wer dagegen eine klassische Inhaberkanzlei führt – analog, personenzentriert, mit einem Durchschnittsalter im Team jenseits der 50 –, findet zunehmend schwer überhaupt einen Nachfolger. Der Markt sortiert gerade neu, und er sortiert hart.