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27.05.2010 |Vermögensschadenhaftpflichtversicherung

Zu viele Berater vernachlässigen immer noch das Thema Berufshaftpflicht

von Ralf E. Geiling, Neuss

Für unzählige Angehörige der steuer- und rechtsberatenden Berufe ist das Thema Berufshaftpflichtversicherung eine Gleichung mit vielen Unbekannten. Dabei soll die als Pflichtversicherung vorgeschriebene Vermögensschadenhaftpflicht (VSH) dem Versicherungsnehmer die Sicherheit geben, gegen alle Eventualitäten und Missgeschicke des beruflichen Alltags abgesichert zu sein. Weit gefehlt. Über etwa jedem zweiten Berufsträger schwebt das Damoklesschwert einer notorischen Fehl- oder Unterversicherung. 

 

1. Zusätzliche Kosten

Bei einem Beratungsfehler summiert sich im Streitfall zum eigentlichen wirtschaftlichen Schaden des Mandanten die Belastung durch Gebühren und Auslagen für Anwälte, Gerichte, Gutachter und Zeugen. Bei einem Haftpflichtschaden mit einem als „noch gering“ einzustufenden Streitwert - beispielsweise 200.000 EUR - entstehen bei einem Prozess über drei Instanzen rund 54.000 EUR Anwalts- und Gerichtsgebühren. „On top“, kommen Kosten für die Beweismittelsicherung, für Gutachter sowie für eine entgangene Verzinsung zurückliegender Jahre und vieles mehr. Überdies ist in den Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB) der Versicherungsgesellschaften festgeschrieben, dass, wenn der geltend gemachte Haftpflichtanspruch die Versicherungssumme übersteigt, der Versicherer die Gebühren und Pauschsätze nur nach der der Versicherungssumme entsprechenden Wertklasse trägt. Bei den nicht durch Pauschsätze abzugeltenden Auslagen tritt eine verhältnismäßige Verteilung auf Versicherer und Versicherungsnehmer ein.  

 

2. Verfahren vor ausländischen Gerichten

Bei der Inanspruchnahme von ausländischen Gerichten ersetzt der Versicherer begrenzt auf seine Leistungspflicht Kosten höchstens nach der der Versicherungssumme entsprechenden Wertklasse nach deutschem Kosten- und Gebührenrecht, sofern nicht im Einzelfall mit dem Versicherer etwas anderes vereinbart ist.  

 

3. Höhe der Versicherungssumme

Die gesetzlich vorgeschriebene Höhe der VSH für die Steuerberater-GmbH, den Steuerberater und den Rechtsanwalt liegt bei jeweils 250.000 EUR. Für Wirtschaftsprüfer beträgt die VSH mindestens eine Million EUR, „unbeschränkt“. WPs, die Pflichtprüfungen von Jahresabschlüssen vornehmen, haben zusätzlich mindestens weitere drei Millionen EUR abzusichern. Lässt bereits die gesetzlich vorgeschriebene Höhe der Versicherungssumme Zweifel an der Wirkung des Versicherungsschutzes aufkommen, sprechen unterschiedliche Tätigkeitsbereiche und Mandantenstrukturen ebenso wie unterschiedliche Ausgestaltungen der Zusammenarbeit zwischen Berufsträgern für eine individuelle Anpassung des Versicherungsschutzes. 

 

Die Versicherer sind grundsätzlich in der Lage, für nahezu alle haftungsträchtigen Situationen den notwendigen Versicherungsschutz zur Verfügung zu stellen. Doch viele Berater scheuen die hohen Prämienzahlungen, die bei entsprechender Absicherung anfallen. Je nachdem, welche Risiken zu versichern sind und bei welcher Versicherungsgesellschaft abgeschlossen wurde, kommen Jahresprämien von bis zu 100.000 EUR und mehr zusammen. Ein Grund, warum jeder zweite Berufsträger unzureichend versichert ist. So kann im Bereich der VSH eine unzureichende Deckung im Schadensfall schnell zu einer (Privat-)Insolvenz des Beraters führen. Denn je nach Art des Schadens können sich über die Jahre Regressforderungen in Millionenhöhe ansammeln - einschließlich entgangener Verzinsung. 

 

„Unzureichender Versicherungsschutz bei einem Angehörigen der beratenden Berufe, bezogen auf die oft große Verantwortung gegenüber Mittelstandsmandaten, ist offenbar die Regel und nicht die Ausnahme“, gibt der Münchner Haftungsexperte, RA Dr. Johannes Fiala, zu bedenken. „Die Sorglosigkeit so manchen Beraters im Umgang mit dem Haftungsthema und der Verantwortung seinem Mandanten gegenüber erkennt man daran, dass überhaupt kein Gespräch zwischen Berater und Mandanten zu den gewichtigen Fragen der Beraterhaftung und einem daraus resultierenden angemessenen Mandatsversicherungsschutz stattfindet. Weiterhin ist häufig zu beobachten, dass nicht alle Beratertätigkeiten und nicht alle denkbaren Folgeschäden versichert sind. Die gesetzliche Mindestdeckung ist ein regelmäßig unzureichender Betrag.“ 

 

Bereits die gesetzliche Mindestdeckung enthält seit Jahrzehnten zahlreiche zumeist schwer erkennbare Deckungslücken. Die Mehrzahl der Versicherungsvermittler ist mit dem Erkennen und erst recht mit dem Schließen der Lücken regelmäßig überfordert - nur ganz wenige Makler und Versicherungsberater beherrschen dieses Metier. Kulanz ist in dem Geschäft ein Fremdwort. Eine Chance bietet sich jedoch dem Versicherungskunden: Für den Fall, dass sein Versicherungsschutz nicht umfassend genug ist und er seinerseits dem Versicherungsvermittler persönliches Fehlverhalten nachzuweisen hat (Beratungsprotokoll), bedeutet das möglichenfalls, dass er den Vermittler im Schadensfall selbst haftbar machen kann. Ob dieser dann ausreichend versichert ist, bleibt zunächst offen. Das wäre ein Teufelskreis. 

 

4. Fazit

„Bei der VSH-Absicherung steht regelmäßig die Existenz des Beraters auf dem Spiel“, so der Münchner StB und WP Uwe Dörnbrack. „Wer in seinem Geschäft nach vorne schaut und sich um auskömmliche Umsätze in der Zukunft bemüht, sollte den Blick auf die potenziellen Risiken aus der Vergangenheit nicht verdrängen. Wichtig ist, dass sich der Berater darüber vergewissert, welche Tätigkeiten er verrichtet und ob diese vollständig bzw. umfassend auch wirklich versichert sind. Es ist nicht ausreichend, die Gegenstandswerte als Maß der Verantwortung und Haftung zugrunde zu legen. Vielmehr müssen auch die denkbaren Folgeschäden im worst-case berücksichtigt werden, denn diese können ein Vielfaches des Gegenstandswertes ausmachen." 

Quelle: Ausgabe 06 / 2010 | Seite 101 | ID 135880