· Fachbeitrag · Patientenversorgung
Qualitätsmonitor 2024: Mindestmengen konzentrieren komplexe Eingriffe – Krebszentren stagnieren
Steigende Mindestmengen verdichten die stationäre Versorgung bei komplexen Krebsoperationen weiter. Der aktualisierte Qualitätsmonitor des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO; online unter qualitaetsmonitor.de ) mit Daten aus 2024 zeigt: Die Zahl operierender Kliniken sinkt teils zweistellig, die Fallzahlen pro Standort steigen. Bei der Steuerung in zertifizierte Krebszentren gibt es dagegen kaum Fortschritt.
Brustkrebs: 20 Prozent weniger Standorte
Nach Einführung der G-BA-Mindestmenge von 50 Fällen (2024) und deren Anhebung auf 100 Fälle (2025) reduzierte sich die Zahl operierender Kliniken zwischen 2020 und 2024 von 575 auf 449. Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik stieg von 122 auf 166 Eingriffe. Der Anteil der Frauen, die in Kliniken mit weniger als 100 Fällen behandelt wurden, fiel von 15,2 auf 9,6 Prozent (7.200 Patientinnen).
Lungenkrebs: Konzentrationseffekt am stärksten
Mit der 2025 auf 75 Fälle angehobenen Mindestmenge wurden 2024 nur noch 12 Prozent der Eingriffe in Kliniken unterhalb dieser Schwelle vorgenommen – 2020 waren es noch 33 Prozent. Zahl der operierenden Standorte: 372 (2020) auf 294 (2024). Durchschnittsfallzahl je Klinik: 49 auf 71.
Bauchspeicheldrüse und Speiseröhre
Bei Pankreas-OPs stieg die Mindestmenge auf 20 Eingriffe (2025). Die Zahl beteiligter Kliniken sank von 479 auf 364, die Durchschnittsfallzahl kletterte von 26 auf 33.
Am deutlichsten fällt die Verdichtung bei Ösophagus-Eingriffen aus (Mindestmenge seit 2023: 26 Fälle): Die Standorte halbierten sich von 271 auf 134. Der Anteil der Eingriffe in Kliniken ohne Erfüllung der aktuellen Mindestmenge fiel von 54,4 auf 15 Prozent. Die durchschnittliche Fallzahl je Klinik verdoppelte sich nahezu – von 17 auf 31.
Zertifizierte Zentren: Steuerung stockt
Der Anteil der Brustkrebs-Operationen außerhalb zertifizierter Zentren verharrt bei 11 Prozent – 8.255 Patientinnen wurden 2024 in nicht-zertifizierten Häusern operiert. Nur Sachsen-Anhalt zeigt einen deutlichen Sprung: von 27 auf 12 Prozent binnen eines Jahres.
Bei Lungenkrebs werden 57 Prozent der Fälle (11.800) in DKG-zertifizierten Zentren behandelt – gegenüber 51 Prozent im Jahr 2020 nur ein moderater Anstieg. WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder fordert die Länder auf, die Zentralisierung stärker zu treiben: Zertifizierte Zentren erfüllten neben Fallzahlvorgaben umfangreiche Struktur- und Prozesskriterien und gewährleisteten leitliniengerechte Behandlung.
Was das für die Klinikstrategie bedeutet
- Standortprüfung intensiviert: Wer aktuell knapp unter den erhöhten Mindestmengen liegt, muss zwischen aktivem Fallzahlausbau, Kooperation oder Rückzug aus der Indikation entscheiden. Weitere Stufen der Mindestmengen-Regelung sind bereits terminiert.
- Zertifizierung als strategischer Hebel: Die politische Erwartung, Krebsbehandlungen in DKG-Zentren zu bündeln, wächst. Nicht-zertifizierte Häuser mit relevanten Fallzahlen sollten Zertifizierungsentscheidungen zeitnah treffen.
- Regionale Vergleichbarkeit steigt: Der Qualitätsmonitor ist öffentlich einsehbar. Zuweiser, Kostenträger und Patienten nutzen die Daten zunehmend – Chefärzte sollten die eigene Klinik-Position im Länder- und Bundesvergleich kennen.
Der Qualitätsmonitor deckt sechs Indikationen ab (Herzinfarkt, Brustkrebs, Lungenkrebs, Schenkelhalsbruch, Pankreas- und Ösophagus-Chirurgie) und wird jährlich aktualisiert.
Quelle
- WIdO-Pressemitteilung vom 17.07.2026; Portal: qualitaetsmonitor.de