· Fachbeitrag · Wenn Fördermittel zur Falle werden
Wie gute Absichten junge Unternehmen lähmen können
von Ellen Melchior, Germering
Am Anfang klingt alles leicht. Eine Idee, ein Team, eine Vision. Und dann kommt die Zusage: Fördermittel bewilligt. Der Moment, in dem Träume greifbar werden. Was als Sicherheit gedacht war, kann jedoch schnell zur Fessel werden. Fördergelder sollen Mut ermöglichen, doch sie schaffen oft Abhängigkeit. Zwischen Formularen und Fristen geht der Spirit verloren, der junge Unternehmen antreibt: Leidenschaft, Tempo, Entscheidungsfreiheit.
1. Der Stillstand hinter der Förderung
Fördermittel wirken wie ein Rettungsanker, doch sie können zur unsichtbaren Bremse werden. Sobald das Geld fließt, verändert sich der Fokus. Nicht mehr der Kunde, sondern der Antrag steht im Mittelpunkt. Ein Gründer sagte einmal zu mir: „Ich wollte etwas erschaffen. Jetzt fühle ich mich wie ein Antragsteller, nicht wie ein Unternehmer.“ Diese Worte bringen das Dilemma auf den Punkt. Fördergeber verlangen Planbarkeit, doch Innovation lebt von Unvorhersehbarkeit. Wenn jede Abweichung begründet und jedes Risiko genehmigt werden muss, verliert das Unternehmertum seine Seele.
2. Die Kollision zweier Welten
Die Welt der Förderlogik ist rational, kontrolliert und dokumentierbar. Die Welt der Gründer ist intuitiv, schnell und manchmal chaotisch. Zwischen diesen Welten entsteht ein Graben, in dem viele junge Unternehmen stecken bleiben. Gerade in der Anfangsphase sind Start-ups beweglich. Sie reagieren auf Märkte, testen Ideen, korrigieren in Echtzeit. Doch sobald sie an Förderrichtlinien gebunden sind, dominiert Verwaltung statt Kreativität. Förderung soll Sicherheit geben, tatsächlich aber nimmt sie oft Selbstwirksamkeit. Und damit das Herzstück des Unternehmertums: die Freiheit, Entscheidungen zu treffen.
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