· Fachbeitrag · Anlageberatung
So gelingt die Aktienbewertung bei negativen Wachstumsaussichten
von Prof. Dr. Peter Hoberg, Worms
| Aktienempfehlungen sind mit großer Vorsicht zu genießen, da sie nie alle Einflussfaktoren berücksichtigen können. Wie sich die Umwelt und die Aktionen von Unternehmen (einschließlich der Konkurrenz) entwickeln werden, weiß niemand. Ein aktuelles Beispiel hierfür sind die Wirren aufgrund der chaotischen Zollpolitik von Donald Trump. Es ist äußerst schwierig vorherzusagen, wie die Welt in einigen Monaten aussehen wird, wenn sich der Pulverdampf gelegt hat. BBP erläutert, wie Anleger den Wert einer Aktie dennoch relativ gut einschätzen können. |
1. Differenzierte Analyse erforderlich
Wie die letzten Monate gezeigt haben, müssen immer auch einige ziemlich negative Szenarien mit berücksichtigt werden. Dies ist wichtig, da in fast jeder Aktienanalyse der Aktienkurs ins Verhältnis zum aktuellen Gewinn pro Aktie (Kurs-Gewinn-Verhältnis = KGV) gesetzt wird. Ein niedriges KGV wird teilweise als positiv bewertet, da der Käufer einen bestimmten Gewinn pro Aktie sehr günstig erhält. Relevant ist jedoch nicht der aktuelle Gewinn, sondern seine zukünftige Entwicklung, die unsicher ist. Einige Aktien haben zu Recht sehr geringe KGVs, während andere aufgrund guter Wachstumsaussichten sehr hohe Werte aufweisen. Hier muss also differenziert analysiert werden. Im ersten Schritt sollten die vorhandenen Informationen über die zukünftige Entwicklung bestmöglich verarbeitet werden. Dabei kann sich herausstellen, dass noch zusätzliche Informationen benötigt werden. Das ist besser, als dem availability bias zum Opfer zu fallen, bei dem nur die praktischerweise vorhandenen Informationen verwertet werden. Und das geschieht manchmal unabhängig von der Frage, ob sie für eine fundierte Entscheidung ausreichend sind oder nicht.
2. Grundlagen der Bewertung einer Aktie
Beim Kauf einer Aktie muss der Investor den sicheren Kaufpreis bezahlen und erhält dafür in den nächsten Jahren den unsicheren Rückzahlungsstrom (Dividenden, am Ende meistens einen Verkaufspreis). Es kommt somit zu einem Tausch von Zahlungsströmen. Da diese Rückflüsse nicht sicher sind und zudem später erfolgen, wird der Anleger nur dann bereit sein, den Kaufpreis zu zahlen, wenn er erwartet, dass die Rückflüsse deutlich höher ausfallen als bei einer weitgehend sicheren Anlage. Es sollten somit zwei Faktoren berücksichtigt werden. Zunächst ist der Zeitraum zwischen Kauf und Verkauf wichtig. Außerdem muss das Risiko für die jeweilige Risikoklasse eingepreist werden.
Möchten Sie diesen Fachbeitrag lesen?
Kostenloses BBP Probeabo
0,00 €*
- Zugriff auf die neuesten Fachbeiträge und das komplette Archiv
- Viele Arbeitshilfen, Checklisten und Sonderausgaben als Download
- Nach dem Test jederzeit zum Monatsende kündbar
* Danach ab 23,20 € / Monat
Tagespass
einmalig 15 €
- 24 Stunden Zugriff auf alle Inhalte
- Endet automatisch; keine Kündigung notwendig