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·Fachbeitrag ·Bilanzierung

Förderung von Elektrofahrzeugen durch Sonderabschreibungen?

von Prof. Dr. Peter Hoberg, Worms

| Laut Bundesregierung sollen im Jahr 2020 rund 1 Mio. Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren. Von dieser Zahl sind wir weit entfernt. Der folgende Beitrag untersucht, ob mit verbesserten Abschreibungsbedingungen eine wesentliche Verbreiterung erreicht werden kann. |

1. Abschreibungsbedingungen erhöhen

Die momentane Situation nutzt die Autoindustrie zur Forderung, die lahmende Einführung der Elektrofahrzeuge zu subventionieren. Am liebsten (aber auch am teuersten) wären direkte Subventionszahlungen wie unsere französischen Nachbarn dies durchführen. Alternativ wird von der Wirtschaft häufig gefordert (vgl. z.B. https://www. deutschland-made-by-mittelstand.de/ news/handelsblatt/9598), die Abschreibungsbedingungen zu verbessern. So könnte eine degressive Abschreibung wieder eingeführt werden, um neben den Pionieren wie der SAP (1.000 Elektrofahrzeuge) noch weitere Unternehmen zum Kauf zu bewegen. Das würde dann auch auf Privatleute stimulierend wirken.

2. Heutige , „Förderung“

In der Tat ist die heutige Förderung sehr zurückhaltend. Zum einen wird den privaten Besitzern die Kraftfahrtsteuer erlassen, was aber bei umweltfreundlichen Fahrzeugen nur wenige Euros pro Jahr ausmacht. Zum anderen wird bei der Berechnung des geldwerten Vorteils mit der Ein-Prozent-Methode der Anschaffungswert der Batterien aus der Bemessungsgrundlage herausgerechnet. Dies stellt nur ein (teilweises) Zurückdrehen der steuerlichen Benachteiligung dar, weil die Elektrofahrzeuge selbst ohne Batterie noch teurer sind als gleichwertige Benziner.

 

Konterkariert wird diese minimale Förderung durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG), welches in 2014 den Strom mit über 6 Cents pro kWh belastet. Darauf müssen Privatleute dann noch Mehrwertsteuern bezahlen. Diese Benachteiligung wird noch lange anhalten, weil die Einspeisevergütungen für unverantwortliche 20 Jahre garantiert wurden und immer noch werden. Bei 20.000 km/a und einem Bedarf von 15 kWh/100 km entsteht daraus ein Nachteil von über 180 EUR/a. Die Steuerfreiheit wird also weit überkompensiert.

 

Angesichts dieser „Förderung“ wird gerne auf das Beispiel Frankreich, verwiesen, das den Kauf mit bis zu 7.000 EUR subventioniert. Dieser Bonus wird finanziert über einen Malus auf solche Fahrzeuge, die einen hohen Kraftstoffverbrauch aufweisen.

 

Ein anderes Beispiel stellt China dar. Hier wird ab 9/2014 auf die Mehrwertsteuer für Elektroautos verzichtet.

 

Noch mehr unternimmt die Förderhauptstadt der Welt, nämlich Oslo. Denn Norwegen verzichtet bei Elektrofahrzeugen auf die Mehrwertsteuer von 25 % und auf die Autosondersteuer. Zusätzlich kann ohne Kosten an den Ladestationen nachgeladen werden und es dürfen die Busspuren mitbenutzt werden. Dieses beeindruckende Förderprogramm hat dazu geführt, dass in Norwegen die Elektroautos weit vorne in der Zulassungsstatistik zu finden sind.

 

Diese Beispiele zeigen, dass die Verbraucher schnell auf die Anreize reagieren würden. Eine Übertragung auf Deutschland ist allerdings nicht in allen Punkten sinnvoll, weil Norwegen den Strom aus umweltfreundlichen Wasserkraftwerken zu sehr niedrigen Kosten erzeugt.

3. Wirkung erhöhter Abschreibungen

Die Verfechter höherer Abschreibungen argumentieren, dass damit die steuerliche Bemessungsgrundlage reduziert wird, was sich unmittelbar in geringeren Steuerzahlungen niederschlägt. In diese Richtung argumentieren auch viele Wirtschaftszeitungen, die z.B. am Jahresende Sonderabschreibungen empfehlen, um „Steuern zu sparen“.

 

Diese Argumentation ist aber hochgradig unvollständig, um nicht falsch zu sagen. Denn zusätzliche Abschreibungen am Beginn der Nutzungsdauer führen zwar zunächst zu geringeren Bemessungsgrundlagen und damit auch zu geringeren Steuerzahlungen, aber dies gleicht sich spätestens am Ende der Nutzungsdauer durch höhere Abschreibungen aus. Denn es ist offensichtlich, dass nur die zeitliche Verteilung der Abschreibung beeinflusst werden kann, aber nicht der absolute Betrag, der fast immer zu 100 % abgeschrieben wird. Damit reduziert sich die Wirkung auf einen zinslosen Steuerkredit. Diesen Kredit sollte ein Unternehmen sicher mitnehmen, aber die Höhe muss untersucht werden.

 

Die genauen Effekte der früheren und höheren Abschreibung auf die gesamte Wirtschaftlichkeit eines Wirtschaftsgutes seien anhand des folgenden Beispiels gezeigt. Zur Darstellung und Berechnung wird ein Vollständiger Finanzplan (VoFi) verwendet (vgl. hierzu Varnholt/Lebefromm/Hoberg, Controlling, S. 509 ff.). Beurteilungskriterium ist die Summe aller am Ende der Laufzeit angefallenen Zahlungen (Endwert nach Steuern).

 

  • Beispiel

Für das Fahrzeug wird ein Kaufpreis von 40.000 EUR in t = 0 (1.1.16) angenommen. Am Ende der steuerlichen Abschreibungsdauer von 6 Jahren möge der Restwert 10.000 EUR betragen. Die steuerliche Abschreibung ergibt sich somit zu 40.000 EUR/6 Jahre = 6.666,67 EUR/Jahr (Zahlen im VoFi gerundet dargestellt). Da der Startzeitpunkt mit dem 1.1.16 bereits im neuen Jahr liegt, ist für den Zeitpunkt t = 0 keine Steuerrechnung notwendig. Der Zinssatz für die komplette Fremdfinanzierung des Fahrzeugs geht mit 5 % in die Kalkulation ein. Aus Vereinfachungsgründen wird von jährlicher Zinszahlung ausgegangen.

Zeitpunkte
0
1
2
3
4
5
6

Datum

1.1.16

31.12.16

31.12.17

31.12.18

01.01.20

31.12.20

31.12.21

Kaufpreis und Restwert

-40.000

 

 

 

 

 

10.000

Einzahlungsüberschuss

 

 

 

 

 

 

 

Cashflow

-40.000

0

0

0

0

0

10.000

Kreditzinsen

 

-2.000

-1.883

-1.764

-1.641

-1.516

-1.387

Saldo vor Steuern

-40.000

-2.000

-1.883

-1.764

-1.641

-1.516

8.613

Lineare AfA (16,7 %)

 

-6.667

-6.667

-6.667

-6.667

-6.667

-6.667

Bemessungsgrundlage

n.a.

-8.667

-8.550

-8.430

-8.308

-8.182

1.947

Steuern (+ Erstattung)

 

4.333

4.275

4.215

4.154

4.091

-973

Steuersatz

 

50 %

50 %

50 %

50 %

50 %

50 %

Fin. Saldo nach Steuern

-40.000

2.333

2.392

2.451

2.513

2.576

7.640

Finanzierung

 

 

 

 

 

 

 

  • Fremdkapitalaufnahme

40.000

0

0

0

0

0

0

  • Kapitalanlage

 

0

0

0

0

0

0

  • FK-Rückzahlung

-2.333

-2.392

-2.451

-2.513

-2.576

-7.640

  • FK-Zinssatz vor Steuern

5,0 %

5,0 %

5,0 %

5,0 %

5,0 %

5,0 %

Bestandsgrößen

 

 

 

 

 

 

 

  • Restbuchwert

 

33.333

26.667

20.000

13.333

6.667

0

  • Restfinanzierung

40.000

37.667

35.275

32.824

30.311

27.735

20.095

  • Guthaben

 

0

0

0

0

0

0

 

 

Abb. 1: Endwert der Auszahlungen bei üblicher linearer Abschreibung

 

In der ersten Spalte (1.1.16) muss der Kaufpreis mit einem Kredit in gleicher Höhe (40.000 EUR) finanziert werden, der bei dem unterstellten Zinssatz von 5 % ein Jahr später zu Fremdkapitalzinsen von 2.000 EUR führt. Diese gehen zusammen mit der jährlichen Abschreibung von 6.667 EUR in die steuerliche Bemessungsgrundlage ein. Die negative Bemessungsgrundlage kann nun mit positiven Bemessungsgrundlagen aus den Umsätzen bzw. aus anderen Projekten verrechnet werden, sodass die Steuerlast zunächst fällt. Es wird davon ausgegangen, dass die gesamte Bemessungsgrundlage des Unternehmens positiv ist. Ansonsten könnte eine Verrechnung in der Folgeperiode durchgeführt werden. Als Grenzsteuersatz wird inkl. Kirchensteuer 50 % angenommen. Dieser wird auf die Bemessungsgrundlage angewendet, woraus eine Steuerreduktion (Erstattung wegen Realisierung des Kaufes) von 4.333 EUR entsteht. Nach Abzug der Zinsen resultiert ein Überschuss von 2.333 EUR, der zur Kreditrückzahlung verwendet wird. Auf diese Weise werden auch die weiteren Spalten bearbeitet. In der letzten Spalte ist noch der Restverkaufserlös von 10.000 EUR zu berücksichtigen. Der daraus entstehende - natürlich zu versteuernde - Cashflow reduziert den offenen Kredit weiter. Der Endwert nach Steuern beträgt am Ende der Nutzungsdauer 20.095 EUR.

 

Diese kumulierte Belastung müsste nun deutlich reduziert werden, wenn ein merklicher Kaufanreiz gesetzt werden soll.

 

  • Fortsetzung Beispiel

Dazu soll nun eine degressive Abschreibung von 30 % untersucht werden. Gegenüber dem obigen Fall verdoppelt sich die Abschreibung beinahe. Sie beträgt 12.000 EUR im ersten Jahr. In der drittletzten Zeile der folgenden Abb. 2 sind die jeweiligen Restbuchwerte angegeben, sodass daraus dann auch die nächsten Abschreibungen ermittelt werden können. Nach 3 Jahren beträgt der Restbuchwert 13.720 EUR. Die nächste degressive Abschreibung würde unter der linearen Restabschreibung liegen, sodass für die letzten 3 Jahre auf die lineare Restabschreibung gewechselt wird.

 

Zeitpunkte
0
1
2
3
4
5
6

Datum

1.1.16

31.12.16

31.12.17

31.12.18

1.1.20

31.12.20

31.12.21

Zahlungen Investition

-40.000

 

 

 

 

 

10.000

Einzahlungsüberschuss

 

 

 

 

 

 

 

Projekt Cash Flow

-40.000

0

0

0

0

0

10.000

Kreditzinsen

 

-2.000

-1.750

-1.584

-1.476

-1.399

-1.320

Saldo vor Steuern

-40.000

-2.000

-1.750

-1.584

-1.476

-1.399

8.680

AfA degressiv (30 %)

 

-12.000

-8.400

-5.880

-4.573

-4.573

-4.573

Bemessungsgrundlage

n.a.

-14.000

-10.150

-7.464

-6.050

-5.972

4.107

Steuern ( + Erstattung)

 

7.000

5.075

3.732

3.025

2.986

-2.054

Steuersatz

 

50 %

50 %

50 %

50 %

50 %

50 %

Fin. Saldo nach Steuern

-40.000

5.000

3.325

2.148

1.548

1.587

6.627

Finanzierung

 

 

 

 

 

 

 

  • Fremdkapitalaufnahme

40.000

0

0

0

0

0

0

  • Kapitalanlage

 

0

0

0

0

0

0

  • FK-Rückzahlung

-5.000

-3.325

-2.148

-1.548

-1.587

-6.627

  • FK-Zinssatz vor Steuern

5,0 %

5,0 %

5,0 %

5,0 %

5,0 %

5,0 %

Bestandsgrößen

 

 

 

 

 

 

 

  • Restbuchwert

40.000

28.000

19.600

13.720

9.147

4.573

0

  • Restfinanzierung

40.000

35.000

31.675

29.527

27.978

26.391

19.764

  • Guthaben

 

0

0

0

0

0

0

 

 

Abb. 2: Endwert der Auszahlungen bei degressiver Abschreibung (30 %)

 

Im ersten Jahr führt die erhöhte Abschreibung zu einer um 5.333 EUR niedrigen Bemessungsgrundlage, was die Steuerbelastung um 2.667 EUR in t = 1 reduziert. Das ist ein erfreulicher Vorteil am Ende des ersten Jahres. Aber schon im zweiten Jahr ist die degressive Abschreibung mit 8.400 EUR nur noch etwas höher als die lineare, sodass der Vorteil nur noch gering auf 35.275 EUR ./. 31.675 EUR = 3.600 EUR in t = 2 steigt. Am Ende des dritten Jahres liegt die degressive Abschreibung bereits unter der linearen in Abb. 1. Der Vorteil schrumpft auf 32.824 EUR ./. 29.527 EUR = 3.297 EUR in t = 3. In den Folgeperioden geht der Vorteil noch weiter zurück, sodass am Ende in t = 6 nur noch ein Betrag von 20.095 EUR ./. 19.764 EUR = 331 EUR verbleibt. Den Wert des Unterschiedes zum Kaufzeitpunkt erhält man, indem die Endwertdifferenz von 331 EUR über 6 Jahre mit dem Zinsfaktor nach Steuern (1,0256) abgezinst wird.

 

Das Ergebnis am Kaufzeitpunkt t = 0 beträgt dann 285 EUR. Dies ist weniger als 1 % der Anschaffungsauszahlung und dürfte kaum verhaltensrelevant sein.

 

Die Gründe sind oben bereits angedeutet worden. Die zusätzliche Abschreibung erzeugt nur einen zinslosen Kredit und keine Steuerersparnis. Der Vorteil in Höhe des Zinssatzes von 5 % vor Steuern wird noch durch die dann nicht mehr abziehbaren Zinsen auf 2,5 % nach Steuern reduziert. Die objektive Wirkung auf die Vorteilhaftigkeit ist somit sehr gering. Lediglich bei viel längeren Laufzeiten und noch höheren Anfangsabschreibungen könnte der Vorteil relevant werden.

4. Entscheidungsprozesse in der Praxis

Da selbst viele Wirtschaftsmagazine im Zusammenhang mit vorgezogenen Abschreibungen von Steuerersparnissen reden, kann man nicht annehmen, dass die oben gezeigte betriebswirtschaftliche Analyse Gemeingut darstellt und in allen Unternehmen richtig angewendet wird. Etwas übertrieben kann man sagen, dass einige (kleinere) Unternehmen noch nach Kontenstand entscheiden. Wenn dann aufgrund der hohen Abschreibungen der Investition die Steuervorauszahlungen reduziert werden dürfen, lassen sie sich ev. vom anfänglichen Cash-Vorteil überzeugen. Zudem überblicken einige Entscheidungsträger auch noch nicht die Eigenarten einer degressiven AfA und betrachten somit die späteren Nachteile nicht.

 

Zudem könnten Manager mit einem kurzen Planungshorizont versucht sein, die späteren Nachteile auszublenden, um im aktuellen Jahr einen möglichst hohen Gewinn vorweisen zu können, der sich dann in einen stattlichen Bonus übersetzen würde. Dies würde zulasten der Eigentümer gehen (Principle-Agent-Problematik).

5. Fazit

Das fatale EEG und die Haushaltsprobleme werden in Deutschland wohl verhindern, dass eine echte Förderung durchgeführt wird. Insofern würden Sonderabschreibungen genau im Sinne der Regierung wirken. Sie sehen für den Laien gut aus, kosten aber nur wenig, weil die Vorteile (zunächst geringere Steuern) nach wenigen Jahren wieder zurückgegeben werden müssen, ohne dass es die meisten merken.

 

Fraglich ist, ob Förderung angesichts des dramatischen technischen Fortschritts auch notwendig ist. In einigen Marktnischen sind bereits heute die Elektrofahrzeuge wettbewerbsfähig (z.B. Städte, Zustellbetrieb). Zudem könnten sie in vielen Fällen dann geladen werden, wenn zu viel Strom zur Verfügung steht, der heute teilweise mit negativen Preisen vermarktet wird bzw. nicht erzeugt aber doch bezahlt wird. Hier fehlen teilweise attraktive Nachttarife für den Strom.

 

Hilfe für die Elektrofahrzeuge kommt ausgerechnet aus Brüssel, das mit den harten CO2-Vorgaben eine Emissionsabsenkung vorgegeben hat. Elektrofahrzeuge helfen dabei, weil - unsinnigerweise - der genutzte Strom nicht in die CO2-Bilanz eingeht.

Quelle: Ausgabe 08 / 2014 | Seite 198 | ID 42817736