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15.12.2008 | Woraus besteht immaterielles Vermögen?

Immaterielle Unternehmenswerte messen und steuern – Teil I

von Prof. Dr. Roman Stoi, Stuttgart

In modernen Industrienationen basiert die betriebliche Wertschöpfung zunehmend auf immateriellen Faktoren. Beispiele sind das Wissen der Mitarbeiter, die Beziehungen zu Geschäftspartnern, das Image oder die Markenbekanntheit. Materielle Vermögensgegenstände werden immer austauschbarer und verlieren damit zur Differenzierung im Wettbewerb und zur Steigerung des Unternehmenswerts an Bedeutung. Immaterielle Werte gehorchen aber anderen wirtschaftlichen Gesetzen und erfordern deshalb neue Ansätze der Planung, Steuerung und Kontrolle.  

Immaterielle Werte rücken in den Mittelpunkt

Immaterielle Vermögenswerte, die auch als „Intangibles“ bezeichnet werden, machen heutzutage in vielen Unternehmen bereits einen hohen Anteil am Unternehmenswert aus. Hinweise hierfür liefert unter anderem die zunehmende Differenz zwischen Markt- und Buchwert börsennotierter Unternehmen, auch wenn diese nicht als monetärer Wert des immateriellen Vermögens fehlinterpretiert werden darf. Dennoch werden heute offensichtlich immer höhere Anteile der betrieblichen Vermögenswerte nicht mehr mit den klassischen Führungsinstrumenten erfasst und somit auch nicht aktiv gesteuert.  

 

Beispiel

Abb. 1 zeigt das Auseinanderklaffen zwischen Markt- und Buchwert exemplarisch am Beispiel der Unternehmen SAP, Procter & Gamble und 3M (Stand: 31.12.06).  

 

  • SAP: Trotz deutlicher Kurskorrekturen in den vorangegangenen Jahren übersteigt der Marktwert der SAP AG den Buchwert um das 8,3-Fache (während des Börsenbooms im Jahr 1999 betrug er sogar das 21,7-Fache!). Der Wert von SAP beruht offensichtlich nur zu einem geringen Teil auf seinen Gebäuden, Grundstücken und Rechnern. Die wesentlichen Werte des Unternehmens sind dessen Know-how in der Softwareentwicklung, innovative Unternehmenskultur, weltweite Kundenbasis und führende Position im Bereich integrierter, betriebswirtschaftlicher Anwendungssoftware.

 

  • Procter & Gamble (3,2-facher Marktwert) schöpft seinen Wert nicht nur aus seinem flächendeckenden globalen Produktions- und Vertriebssystem, sondern insbesondere aus seinen Marken. In Deutschland sind dies z.B. Ariel, Lenor, Pantene, Wick, Pampers oder Tempo. Auf diese Weise kann das Unternehmen für seine Produkte höhere Erlöse erzielen als die Konkurrenz.

 

  • 3M (5,8-facher Marktwert) zeichnet sich durch seine besondere Innovationskraft und die mehr als hundert Jahre Erfahrung im Bereich von Beschichtungen aus. Daraus entstanden völlig neue Produkte wie z.B. Reflexfolien für Verkehrsschilder, Magnetbänder für Tonaufnahmen und Videos oder die Post-it-Haftnotizzettel.
 

Abb. 1: Buch- und Marktwerte ausgewählter Unternehmen (Stand: 31.12.06)  

 

Wenn aber verlässliche Informationen über große Teile des Unternehmenswertes fehlen, dann lassen sich diese Unternehmen auch nicht mehr angemessen steuern oder beurteilen. Die Unternehmensführung agiert somit im Blindflug (vgl. Daum, 2005, S. 6).  

Begriff und Arten immaterieller Werte