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Finanzierungsformen
Alternative Finanzierungsformen für den Mittelstand
von Dipl.-Vlw. Katharina Stahl und Dipl.-Kfm. Matthias Hoffelner
Die deutschen Mittelständler erwarten nach einer vierjährigen Talfahrt für 2004 erstmals wieder eine Verbesserung ihrer Wirtschaftslage. So sind laut "Mittelstand-Monitor" des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im laufenden Jahr 31 Prozent aller befragten mittelständischen Unternehmen bereit, mehr als im Vorjahr zu investieren. Zudem belebte sich die Gründungsaktivität in 2003 wieder spürbar.
Gleichzeitig müssen sich die Unternehmen bei der Finanzierung von Investitionen und Wachstum auf eine völlig veränderte Kapitalmarktsituation einstellen. Denn anders als in früheren Aufschwungphasen werden die Unternehmen nicht mehr im gewohnten Umfang auf den klassischen Bankkredit ihrer Hausbanken zurückgreifen können.
Die Tatsache, dass nach Angaben der Deutschen Bundesbank das Volumen ausgereichter Bankkredite seit Mitte 2002 rückläufig ist, belegt ein verändertes Verhalten der Banken bei der Kreditvergabe. Nicht zuletzt im Hinblick auf den Basel II-Akkord achten Banken bei ihren Kunden neben der allgemeinen Geschäftslage immer stärker auf stimmige Bilanzrelationen, wie zum Beispiel auf eine zufrieden stellende Eigenkapitalquote.
1. Aktuelles Finanzierungsumfeld für den Mittelstand
Die Eigenkapitalquote des deutschen Mittelstandes ist mit durchschnittlich unter 20 Prozent eher gering und liegt weit unter der Quote der eigenkapitalstarken Unternehmen im europäischen und US-amerikanischen Ausland. Mittelständler bilden ihr Eigenkapital in der Regel aus einbehaltenen Gewinnen. Ein Zugang zum Kapitalmarkt ist eher problematisch. So dauert die Verstärkung der Eigenkapitalbasis üblicherweise eher lange.
Folgerichtig ist bei der Finanzierung anstehender Vorhaben eine schrittweise Umstellung vom klassischen Bankkredit hin zu Kapital mit Eigenkapitalelementen unausweichlich. Seit geraumer Zeit erweitern die Banken ihr Angebotsspektrum um moderne Corporate-Finance-Dienstleistungen. Dazu zählen neben Beteiligungskapital, dem Ver- und Ankauf von Unternehmen und Unternehmensteilen (M&A), auch Mezzanine-Finanzierungen unter anderem in Form von stillen Beteiligungen und Nachrangdarlehen.
Auf solche Finanzierungsarten, wie Mezzanine, Leasing, Factoring oder Asset Backed Securities, die das betriebswirtschaftliche Eigenkapital stärken können und daher ein interessanter Finanzierungsbaustein in Akquisitions- und Wachstumsphasen sind, soll im Folgenden näher eingegangen werden.
2. Richtlinien und Auswirkungen des Basel II-Akkords
Das so genannte "Basel II-Abkommen", das ab 2007 neue Eigenkapitalregeln für die Kreditwirtschaft vorgibt, verlangt von den Banken ihre Kredite nicht mehr wie bisher mit pauschal 8 Prozent Eigenkapital, sondern zukünftig mit einem Satz, der die Bonität ihrer Kunden widerspiegelt, zu unterlegen.
Die bislang geltende Eigenkapitalvereinbarung von 1988 konzentrierte sich auf das gesamte Eigenkapital einer Bank, das für die Begrenzung des Insolvenzrisikos und der möglichen Kosten für die Einleger bei Konkurs der Bank entscheidend ist. Darauf aufbauend zielt die neue Regelung auf größere Sicherheit und Solidität des Finanzsystems ab, indem die internen Kontrollsysteme und die Geschäftsführung der Banken, die Überprüfung durch die Aufsicht und die Marktdisziplin einen höheren Stellenwert erhalten. Über die eigene Risikovorsorge der Institute hinaus wurden deshalb besondere Aufsichtsregeln für Kreditinstitute geschaffen, unter denen die Eigenkapitalregeln eine herausragende Rolle einnehmen.
Im Kern geht es bei der Neufassung der Baseler Eigenkapitalvereinbarung darum, die Kapitalanforderungen an Banken stärker als bisher vom ökonomischen Risiko abhängig zu machen und neuere Entwicklungen an den Finanzmärkten sowie im Risikomanagement der Institute zu berücksichtigen.
So sieht die Basel II-Regelung bei der Bestimmung der Eigenkapitalquote eine Reihe von einfachen und fortgeschritteneren Ansätzen zur Messung des Kreditrisikos und des operationellen Risikos vor. Das Regelwerk gibt einen flexiblen Rahmen vor, innerhalb dessen eine Bank, unter Vorbehalt der aufsichtsrechtlichen Überprüfung, einen Ansatz verwenden kann, der ihrer Komplexität und ihrem Risikoprofil am besten entspricht.
Die verschärften Eigenkapitalanforderungen gehen einher mit der Forderung nach einer besseren Transparenz. Banken sollen künftig über ein entsprechendes Risikomanagementsystem verfügen, das es ihnen ermöglicht, Risiken zu erfassen, zu messen und zu bewerten. Damit die Banken die ab 2007 geltenden Richtlinien der Basel II-Vereinbarung einhalten können, müssen sie ihre Kunden zunächst einer detaillierten Bonitätsanalyse unterziehen und dann ein entsprechendes Kreditrating vergeben. Die Kreditentscheidung sowie die Festlegung der Kreditkonditionen erfolgt dann in Abhängigkeit des jeweils erreichten Ratings des betreffenden Kunden.
Ein zentrales Thema der Ausgestaltung von Basel II sind die möglichen Auswirkungen der neuen Eigenkapitalregeln auf die Verfügbarkeit von Bankkrediten und auf die Kreditkonditionen für den Mittelstand. So wuchs beispielsweise der durchschnittliche jährliche Kreditbedarf deutscher Unternehmen von 1993 bis 2000 um 29,7 Prozent. Da aber die Banken durch Basel II einen noch stärkeren Fokus auf eine risikoadäquate Gestaltung des Konditionentableaus legen, kommt es bei Unternehmen, die sich überwiegend aus reinem Fremdkapital finanzieren, zwangsläufig zu entsprechenden Risikoaufschlägen bei den Kreditmargen.
Auch wenn die Basel II-Forderung nach intensiverer Überwachung und Transparenz ihres Kundenstammes primär der Absicherung der Banken selbst dient, so zielen die neuen Kapitalregeln letztlich doch auch darauf ab, die Kreditnehmer unterschiedlich zu betrachten und zu behandeln, d.h. bei den eigentlichen Kreditkonditionen eine Differenzierung in Abhängigkeit vom jeweiligen Kundenrating vorzunehmen.
In der Konsequenz werden die Banken - unabhängig von der Branchen- oder Wettbewerbssituation - neben der grundsätzlichen Beurteilung der Geschäftslage von den kreditsuchenden Unternehmen häufig auch grundsätzlich höhere Eigenkapitalquoten fordern.
3. Mezzanine Capital
Unter dem Oberbegriff Mezzanine Capital werden hybride Finanzierungsformen verstanden, die sowohl Charakteristika von Eigen- als auch von Fremdkapital aufweisen. Gemeinsam ist fast allen Ausgestaltungen die Nachrangigkeit gegenüber klassischem Fremdkapital und die Vorrangigkeit gegenüber "echtem" Eigenkapital. Daneben sind Mezzanine Finanzierungen in der Regel zeitlich befristet und mit einem Rückzahlungsanspruch ausgestattet.
Über diese Grundmerkmale hinaus bietet diese Finanzierungsform große Spielräume bei der Gestaltung und damit vielfältige Möglichkeiten der Risikotransformation. Ein Hauptvorteil von Mezzanine Capital liegt in der Klassifizierung dieser Finanzierung als "wirtschaftlichem Eigenkapital" durch Banken und Ratingagenturen.
Auf diese Weise können Unternehmen ihre Eigenkapitalbasis stärken, ohne jedoch den neuen Investoren weitreichende Entscheidungsbefugnisse gewähren zu müssen. Zur weiteren Vertiefung dieser Finanzierungsform verweisen wir auf unsere Beiträge "Die Auswirkungen des Basel II-Akkords auf die Finanzierungsstrategien des deutschen Mittelstandes" in BM 03, 111 sowie "Die Bedeutung von Management Buy-Outs für mittelständische Betriebe" in BM 03, 281.
4. Leasing
Eine weitere alternative Finanzierungsform für den Mittelstand stellen Leasingfinanzierungen dar. Unter Leasing im weitesten Sinne wird die Nutzungsüberlassung von Wirtschaftsgütern verstanden. Die Leasinggesellschaft überlässt dem Unternehmen (Leasingnehmer) ein Objekt, wie z.B. eine Maschine, für einen bestimmten Zeitraum (Grundmietzeit) zur Nutzung und erhält dafür im Gegenzug ein Nutzungsentgelt (Leasingrate). Unter dem Aspekt der Unternehmensfinanzierung stellt Leasing ein Kreditsubstitut dar.
In der nachfolgenden Tabelle wird Leasing mit den Alternativen Miete und Kauf verglichen:
 LeasingMieteKauf
NutzungsüberlassungJaJaJa
InvestitionsrisikoJaNeinJa
FinanzierungseffektJaNeinJa
Bei der Leasingfinanzierung werden zwei Grundformen unterschieden: Das Operating Leasing entspricht quasi der Miete, da der zu Grunde liegende Vertrag jederzeit kündbar und seine Laufzeit üblicherweise kurz ist. Beim Finanzierungs-Leasing werden bei Vollamortisationsverträgen die Leasingraten so bemessen, dass die gesamten Kosten nebst einem Gewinn der Leasinggesellschaft während der Grundmietzeit abgedeckt werden. Bei Teilamortisationsverträgen sind die Raten entsprechend niedriger, so dass nach Vertragsablauf ein nicht amortisierter Restwert verbleibt. Üblicherweise erhält der Leasingnehmer nach Ablauf der Grundmietzeit die Möglichkeit, den Leasinggegenstand entweder zu erwerben, den Vertrag zu verlängern oder den Leasinggegenstand zurückzugeben.
Bei einer Leasingfinanzierung wird meist das Ziel einer bilanzneutralen Finanzierung verfolgt, d.h., der Leasinggegenstand soll nicht beim Unternehmen sondern bei der Leasinggesellschaft bilanziert werden. Hierfür müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:
Bedingungen für die Bilanzierung beim Leasinggeber
  • Kein Spezial-Leasing: Der Leasinggegenstand darf nicht nur durch den aktuellen Leasingnehmer nutzbar sein, sondern muss auch einer Drittverwendung zugeführt werden können.
  • Die Grundmietzeit muss zwischen 40 Prozent und 90 Prozent der Grundmietdauer betragen.
  • Kaufpreis > Buchwert bei Verkau
  • Anschlussmiete > Werteverzehr.
    Der Leasingfinanzierung können allgemein folgende Vorteile zugeschrieben werden:
    Vorteile einer Leasingfinanzierung
  • Bei entsprechender Vertragsgestaltung kann die Finanzierung beim Unternehmen bilanzneutral erfolgen. Die Leasingraten sind als Betriebsausgaben abzugsfähig.
  • Bei einer Leasingfinanzierung werden über den Leasinggegenstand hinaus keine weiteren dinglichen Sicherheiten gestellt. Somit kann das künftige Verschuldungspotenzial durch Leasing weniger stark eingeschränkt werden als bei klassischen Kreditfinanzierungen.
  • Auf Grund der Nutzung von Größenvorteilen können Leasinggesellschaften oftmals günstigere Anschaffungs- oder Herstellungskosten durchsetzen.
  • Unter Umständen können Investitionsgüter vollständig fremdfinanziert werden, dabei kann die Rückführung als "pay as you earn" konzeptioniert werden.
  • Es ergeben sich Steuervorteile durch die Vermeidung der gewerbesteuerlichen Hinzurechnungsproblematik.
  • Allgemein sind bei Leasing vielfältige zusätzliche Dienstleistungen wie z.B. Verwaltung oder Wartung möglich, die der Leasingnehmer nutzen kann.
    5. Factoring
    Das Factoring ist eine Finanzierungsart, bei der ein Finanzinstitut ("Factor") die bei seinem Anschlussunternehmen ("Klient") entstehenden Forderungen aus Dienstleistungs- oder Warengeschäften (in der Regel) regresslos ankauft. Über die Forderungsabtretung wird er damit neuer Gläubiger.
    Das Vertragswerk besteht aus einem Rahmenvertrag, der den Klienten verpflichtet, dem Factor alle neu entstehenden Forderungen zum Kauf anzubieten ("Andienungspflicht"), und den jeweiligen Einzelverträgen über den Ankauf von Forderungen. Alternativ können dem Factor vertraglich von vornherein alle gegenwärtigen und zukünftigen Forderungen abgetreten werden.
    Das so genannte "echte" Factoring umfasst die folgenden Funktionen:
    1.Finanzierungsfunktion: Der Factor kauft Forderungen entweder zum durchschnittlichen Fälligkeitstag des Forderungsbestandes an oder bevorschusst sie bei ihrem Entstehen. Die Forderungen werden normalerweise maximal bis zu einer Höhe von 80 bis 90 Prozent ihres Rechnungsbetrages angekauft bzw. bevorschusst. Die verbleibenden 10 bis 20 Prozent werden zur Sicherung eventueller Gewährleistungsansprüche und zur Berücksichtigung von gewährten Skonti auf ein Sperrkonto gebucht (Sicherheitseinbehalt) und erst bei Eingang der endgültigen Zahlung sowie nach Ablauf der Gewährleistungsfristen freigegeben. Es handelt sich um eine umsatzkongruente Finanzierungsform, da sich die Finanzierungshöhe dem Betrag der Außenstände anpasst. Somit ist Factoring besonders für umsatzexpansive Unternehmen geeignet.
    2.Dienstleistungsfunktion: Das Factoringinstitut führt alle aus der Haltung eines Forderungsbestandes resultierenden verwaltungstechnischen Arbeiten, wie Debitorenbuchhaltung, Mahnwesen, Überwachung der Bonität der Drittschuldner durch. Möglich sind weitere Leistungen, wie z.B. Rechnungslegung, Inkassodienst, Auftragsbearbeitung, Kreditoren- und Lagerbuchhaltung, Beratung in betriebswirtschaftlichen Fragen.
    3.Delkrederefunktion: Bei dieser Versicherungsfunktion übernimmt der Factor das volle Risiko des Forderungsverlustes im Falle einer Insolvenz des Drittschuldners (Übernahme des Bonitätsrisikos).
    Neben dem "echten" Factoring, bei dem alle drei Funktionen von dem Factor übernommen werden, unterscheidet man das "unechte" Factoring, wobei der Factor nicht die Delkrederefunktion übernimmt. Das Factoring weist als Finanzierungsalternative grundsätzlich folgende Vor- und Nachteile auf:
    Vorteile des Factorings
    Da es sich bei den "Bevorschussungszinsen" für das Factoring nicht um Zinsen auf eine Dauerschuld handelt, sinkt die Bemessungsgrundlage der Gewerbeertragsteuer. Ähnlich dem Leasing können Economies of Scale zu Kostensenkungen durch eine günstigere Refinanzierung des Factors und/oder das Outsourcing der Verwaltungstätigkeit (insbesondere Einsparungen bei Personal- und Sachkosten) führen. Das Unternehmen kann durch die Verbesserung seiner Liquiditätslage gegebenenfalls als Barzahler auftreten und hierdurch eine Konditionenverbesserung auf den Beschaffungsmärkten erwirken. Ebenso steigt durch den Abbau der kurzfristigen Forderungen des Unternehmens seine Eigenkapitalquote. Daneben schafft Factoring durch den Wegfall des Ausfallrisikos eine höhere Planungssicherheit für das Unternehmen.
    Nachteile des Factorings
    Die Abhängigkeit des Unternehmens von seinem Factor steigt mit dem Umfang der Dienstleistungsfunktion, da die Rückverlagerung ausgelagerter Funktionen mit ihrem steigenden Umfang schwieriger wird. Die Gefahr besteht, dass das Unternehmen den Kontakt zu seinen Kunden etwas verliert. Daneben ergeben sich beim Verkauf der Forderungen rechtliche Probleme bei Forderungsabtretungsausschluss oder verlängertem Eigentumsvorbehalt. Schließlich ist die Finanzierungsvariante Factoring bei kleinen Volumina relativ teuer.
    6. Asset Backed Securities
    Als Asset Backed Securities (ABS) bezeichnet man Wertpapiere (Securities), deren Zahlungsansprüche durch Vermögensgegenstände (Assets) gedeckt (backed) sind. Es handelt sich dabei um eine Verbriefungstechnik, bei der nicht handelbare Vermögensgegenstände, wie zum Beispiel Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, auf revolvierender Basis in handelbare Wertpapiere umgewandelt werden, indem die verbrieften Vermögensgegenstände an eine Zweckgesellschaft als Asset-Käufer verkauft werden. Aus Sicht des Asset-Verkäufers stellt die ABS-Transaktion damit ebenfalls eine alternative Form der Unternehmensfinanzierung dar.
    Der übliche Ablauf einer ABS-Transaktion ist, dass über eine betreuende Bank ein Portfolio von Forderungen vom Forderungsinhaber (Obligor) an eine Zweckgesellschaft verkauft wird. Durch den Verkauf der Forderungen erhält der Obligor, ähnlich wie beim Factoring, unmittelbar Liquidität, für die er andernfalls Fremdmittel aufnehmen müsste. Ferner entlastet er seine Bilanz um die veräußerten Forderungen und trägt für diese nicht mehr das Ausfallrisiko.
    Um den Erwerb der Forderungen zu finanzieren, vergibt die Zweckgesellschaft Anleihen, die eigentlichen "ABS". Zins- und Tilgungsleistungen der Anleihen erfolgen aus dem Cashflow, der aus der Begleichung der zu Grunde liegenden Forderungen resultiert. Die Forderungen werden in verschiedene Tranchen aufgeteilt, wobei bei einem Forderungsausfall zunächst der rückzahlbare Kapitalbetrag der untersten Anleihetranche entsprechend reduziert wird. Bei weiteren Ausfällen erfolgt die Reduzierung analog in aufsteigender Reihenfolge. Das unterschiedliche Risiko der den Tranchen zu Grunde liegenden Forderungen drückt sich im unterschiedlichen Rating und in unterschiedlichen Kupons der korrespondierenden Anleihen aus.
    Ablauf einer ABS-Transaktion
    Nicht zuletzt durch Basel II ist auch an dieser kapitalmarktorientierten Finanzierungsform ein zunehmendes Interesse der deutschen Unternehmen zu beobachten. Hinzu kommt eine immer stärkere Berücksichtung von ABS in der Presse und in den Medien.
    Eine ABS-Finanzierung kann für mittelständische Unternehmen eine sinnvolle Ergänzung und Alternative zum klassischen Bankkredit darstellen. Für den Mittelstand ergibt sich durch den Forderungsverkauf eine Verkürzung der Bilanz und somit eine relativ gesehen bessere Eigenkapitalquote. Vorteilhaft ist für das Asset-verkaufende Unternehmen zudem die kurzfristige Vereinnahmung von Liquidität und die Abwälzung von Forderungsausfallrisiken.
    Eine Begründung für die bisher eher verhaltene Nachfrage nach einer Verbriefung ihres Forderungsportfolios durch mittelständische Unternehmen ergibt sich aus den vergleichsweise hohen Eintrittsbarrieren dieser Finanzierungsart. Neben den umfangreichen IT-Anforderungen für die Durchführung einer ABS-Transaktion und den üblicherweise komplexen Vertragsstrukturen, hat die starke Einbindung unternehmenseigener Ressourcen in der Vergangenheit viele Unternehmen von der Durchführung eines ABS-Projektes abgeschreckt. Um dem entgegenzuwirken und weil ABS-Transaktionen einen effizienten Beitrag zur Schonung und Entlastung bestehender Kreditlinien bieten können, entscheiden sich immer mehr Banken dafür, standardisierte und effiziente Verbriefungsplattformen anzubieten. Grundlage bilden eine schlanke Vertragsdokumentation und eine einheitliche ABS-Software. Diese wiederum ermöglicht eine zeitnahe und kostengünstige Umsetzung mit vergleichsweise geringer Allokation unternehmenseigener Ressourcen.
    Folgende Grundanforderungen sollten bei einer ABS-Transaktion erfüllt sein: Die Forderungen sind in EUR denominiert, unterliegen deutschem Recht und deutschem Gerichtsstand und sind frei abtretbar. Daneben werden maximale Zahlungsziele von bis zu 120 Tagen unterstellt. Auf Grund dieser Kriterien lassen sich bereits Forderungsportfolien mit einem laufenden und verbriefungsfähigen Volumen von 30 bis 50 Millionen EUR effizient verbriefen. Zur Ermittlung der individuellen Kaufpreisabschläge werden vor Beginn der Transaktionslaufzeit die historischen Daten des Forderungsbestandes für eine detaillierte Portfolioanalyse aufbereitet. Der Umfang der erforderlichen Informationen bezüglich der Entwicklung der Forderungsausfälle, -verwässerungen sowie der Altersstruktur der Außenstände stellt erfahrungsgemäß vergleichsweise hohe Ansprüche an die Leistungsfähigkeit der IT-Systeme.
    Zu beachten bleibt, dass, auch wenn im Zusammenhang mit ABS vielfach davon gesprochen wird, die Bonität des forderungsverkaufenden Unternehmens von eher untergeordnetem Interesse ist. Aber auch bei diesen Transaktionen gilt bei den meisten Banken die Devise, dass das kapitalsuchende Unternehmen zumindest eine zufrieden stellende Bonität aufweisen muss. Der Grund dafür liegt in dem Umstand, dass ein stiller Forderungsverkauf nur dann effektiv zu Stande kommen kann, wenn die Forderungen auch nach ihrem Verkauf an die Zweckgesellschaft weiterhin durch das verkaufende Unternehmen verwaltet werden.
    Bei Erfüllung dieser Kriterien kann ABS für mittelständische Unternehmen eine attraktive Alternative zum Aufbau eines weiteren finanziellen Standbeins darstellen.
    7. Fazit
    Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die traditionellen Finanzierungsinstrumente wie Bankfinanzierungen für Mittelständler immer mehr begrenzt verfügbar sind. Banken verringern ihre Aktivitäten im traditionellen Kreditgeschäft und passen die Konditionen stärker als bisher an die Bonität des Schuldners an. Mittelständische Unternehmen, die nicht über die Möglichkeit der Finanzierung über die Kapitalmärkte verfügen, sind deshalb künftig vermehrt darauf angewiesen, ihre Finanzierung auf ein breiteres Instrumentarium zu erweitern.
    In der Praxis etablieren sich seit einiger Zeit eine Reihe von alternativen Finanzierungsinstrumenten, die sich durch erweiterte und flexible Möglichkeiten der Risikoallokation auszeichnen. Durch den Einsatz dieser Instrumente kann die hohe Abhängigkeit der Mittelständler vom Bankkredit gemindert werden. Gleichzeitig erhöht sich der Spielraum für die Suche nach demjenigen Finanzierungsmix, der die gewichteten Kapitalkosten der Unternehmung minimiert.
    Quelle: Betriebswirtschaftliche Mandantenbetreuung - Ausgabe 10/2004, Seite 243
    Quelle: Ausgabe 10 / 2004 | Seite 243 | ID 109557