· ZR-Fachgespräch
„Digitale Verfahren sind wertvolle Ergänzung klassischer Okklusionsanalysemethoden!“

Funktionsdiagnostik ist der Schlüssel dazu, dass sich Zahnersatz präzise in das individuelle Kausystem eingliedert und craniomandibuläre Dysfunktionen erfolgreich therapiert werden können. Hilfreich ist in diesem Zusammenhang die neue Diagnoseklassifikation des craniomandibulären Systems [1], mit der in Abhängigkeit von Leitsymptomen und Leitstrukturen der Patient einer oder mehreren Grunddiagnosen zugeordnet werden kann, was die (interdisziplinäre) Therapieentscheidungen erleichtern soll. Darüber sprachen wir mit Dr. med. dent. Daniel Weber, Vorstandsmitglied und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Funktionsdiagnostik und -therapie (DGFDT) wie auch u. a. über die aktuellen Erkenntnisse zum Einsatz digitaler Verfahren in der Funktionsdiagnostik.
Redaktion: Herr Dr. Weber, unter Federführung von Prof. Dr. Dr. Andreas Neff und Ihnen wurde jüngst die Diagnoseklassifikation des craniomandibulären Systems (DC-CMS) entwickelt. Dabei wurden die relevanten CMD-Diagnosen in einem sogenannten Mehrebenenmodell geordnet. Können Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen bitte kurz erläutern, wie diese Klassifikation aufgebaut ist und vor allem, wie sie diese im Praxisalltag anwenden.
Weber: Die DC-CMS gliedert sich in drei Bestandteile: Diagnoseklassifikation, Diagnosedefinition und Diagnostik-Manual. Kernstück ist die Diagnoseklassifikation, in der CMD-bezogene Erkrankungen und Funktionsstörungen in einem anatomisch orientierten Mehrebenenmodell systematisch strukturiert und hierarchisch klassifiziert werden. Auf der ersten Ebene erfolgt die Einteilung dysfunktioneller Beschwerden und Erkrankungen als myogene CMD (Myopathien), arthrogene CMD (Arthropathien) und/oder okklusionsassoziierte CMD (Okklusopathien). Die Zuordnung orientiert sich an der jeweils primär betroffenen Leitstruktur. Die zweite Ebene unterscheidet primäre, d. h. angeborene, entwicklungsbedingte oder erworbene strukturelle Schädigungen, und sekundäre funktionelle Störungen. In weiteren Subebenen ist eine differenzierte Zuordnung möglich, sodass auch komplexe Befundkonstellationen abgebildet werden können.
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