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·Article ·Dysfunktionen

Bruxismus-Biofeedbacktherapie – die Schiene, die zurückknirscht

| Für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Craniomandibulärer Dysfunktion (CMD) ist die Bedeutung muskulärer Hyperaktivität vielfach belegt worden. Dabei zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen oralen Parafunktionen im Wachzustand und selbstberichtetem Schlafbruxismus zu CMD. Eine Aufbissschiene mit integrierter Elektronik könnte hier Abhilfe schaffen: Die Schiene vibriert, wenn der Patient bruxt. |

 

Gängige Verfahren zur Behandlung von Bruxismus

Oft wird zur Behandlung von Bruxismus eine Aufbissschiene empfohlen. Die Fachliteratur zeigt jedoch nicht eindeutig, dass diese die bruxistische Aktivität reduzieren kann. Eine psychologische Behandlung von schmerzhafter CMD zielt auf die Reduktion von Schmerz und schmerzbedingter Beeinträchtigung sowie die Verbesserung von Schmerzbewältigungskompetenzen ab. Am häufigsten werden kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze angewendet.

 

Biofeedback-Verfahren haben sich in vielen Fällen als effektiver erwiesen: Hier werden nicht oder kaum bewusste Körpersignale des Patienten (z. B. Muskelaktivität, Hauttemperatur) kontinuierlich über visuelle oder akustische Signale zurückgemeldet. Der postulierte Wirkmechanismus besteht darin, die Selbstkontrolle über körperliche Vorgänge zu steigern.

 

Neue „intelligente“ Aufbissschiene

Auf dem Deutschen Zahnärztetag stellte Dr. Jörg Köhler eine „intelligente“ Aufbissschiene vor. Sie kombiniert die Vorteile einer klassischen Schiene mit modernen Biofeedbackerkenntnissen: Durch eine integrierte Elektronik werden Knirschereignisse während des Tragens aufgezeichnet und auf einem Computer ausgewertet. Durch ein integriertes Vibrationsmodul wird der Patient zudem unterbewusst auf sein Knirschen aufmerksam gemacht. Das Feedback erfolgt durch Vibration im Gaumenbereich und ein über Knochenleitung entstehendes Geräusch. [1] [2]

 

Eine Reduktion der bruxistischen Aktivität vermindert signifikant das Risiko einer Schädigung von Restaurationen und Implantaten sowie das Auftreten von Parodontitis. Auch für die Entstehung und Aufrechterhaltung von CMD ist die Bedeutung muskulärer Hyperaktivität vielfach belegt worden, wobei sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen oralen Parafunktionen im Wachzustand und selbstberichtetem Schlafbruxismus zu CMD zeigt. [3]

 

Die bisher gewonnenen Untersuchungsdaten zeigen, so Köhler, dass durch das Biofeedback eine signifikante Verminderung der bruxistischen Aktivität erreicht wird und dass dieser Effekt im Unterbewusstsein funktioniert. Es wurden nachweisbar sowohl Anzahl als auch Dauer der Knirsch-Ereignisse reduziert und die gesamte Knirsch-Dauer durchschnittlich um 80 Prozent reduziert. Ein Großteil der Probanden berichtet, dass sich die Folge-Symptome innerhalb weniger Tage deutlich verbessert haben.

 

PRAXISHINWEIS | Seit Anfang 2014 laufen Probandentests, parallel dazu läuft eine randomisierte klinische Studie an der Zahnklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Der kommerzielle Marktgang der Biofeedback-Schiene bruxane® ist nach Angaben der Firma für Anfang 2016 geplant.

 

Quellen

  • [1] Köhler J, Neuste Technik für Bruxismusmonitoring und -behandlung: Aufbissschiene mit Biofeedback. Deutscher Zahnärztetag, Frankfurt/Main, 6.-7. November 2015.
  • [2] Köhler J. Neueste Technik für Medizin im Wandel der Zeit: Intelligente Biofeedbackschiene mit Microcontroller für Bruxismusmonitoring und -behandlung. 48. Jahrestagung der DGFDT, Bad Homburg, 12.-14. November 2015.
  • [3] Shedden M, Meike C. Biofeedback-gestützte kognitive Verhaltenstherapie bei craniomandibulären Dysfunktionen. Dissertation, Marburg, 2012.

 

Literatur

Quelle: Ausgabe 12 / 2015 | Seite 2 | ID 43721622