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  • · CME-Beitrag

    Weniger Zucker − weniger Entzündung

    Bild: fotogeng - stock.adobe.com

    Dass Zucker dick macht und Karies fördert, dürfte eigentlich jeder Patient wissen − und dennoch liegt laut WHO der tägliche Konsum von freiem Zucker in Deutschland mit 90-100 gr. Zucker weit über dem empfohlenen Wert von 25 bis max. 50 gr. Weniger bekannt ist, dass Zuckerkonsum auch einen Einfluss auf die Gingiva hat und Lifestyle-Alternativen ebenfalls intraorale Effekte hervorrufen.

    Freier Zucker ist negativ für Gesamtgesundheit

    Wer häufig zu viel Zucker aufnimmt, gefährdet seine Gesundheit, denn die Zusammenhänge zu systemischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen etc. sind eindeutig. Dabei wirken freie Zucker (definiert als solche, die Lebensmitteln und Getränken beigemengt werden oder natürlich in Honig, Sirup, Fruchtsäften etc. vorkommen) anders als solche, die als sogenannte natürliche Zucker in unverarbeitetem Obst und Gemüse enthalten sind.

     

    Dass zwischen dem Verzehr von Zucker und Biofilmbildung wie auch Gingivitis ebenfalls ein Zusammenhang zu bestehen scheint, wurde in den frühen 1980er Jahren beobachtet und mit der Frage wieder aufgegriffen, wie sich ein reduzierter Konsum von freiem Zucker auf das Zahnfleisch und Entzündungen auswirkt [1].

    Reduzierter Zuckerkonsum verringert Gingivitis

    In ihrer systematischen Übersichtsarbeit stellten die Forscher fest, dass die verringerte Aufnahme von freiem Zucker signifikant zu einer Verbesserung der Gingivitis führte und „einen Trend zu niedrigeren Plaque-Werten zeigte“ [1]. Erklärbar sei das mit lokalen Effekten am Zahnfleisch (erhöhte Plaquebildung durch Zuckerkonsum, oraler Biofilm verstoffwechselt Zucker zu entzündungsfördernden Stoffen) sowie systemischen und vaskulären Auswirkungen des Zuckerkonsums (oxidativer Stress, Gefäßentzündungen und Endotheldysfunktion). Die Autoren ziehen daraus den Schluss, dass es bei Patienten mit Gingivitis sinnvoll ist, eine Ernährungsanamnese zu erheben und in einem Beratungsgespräch die Auswirkungen von freiem Zucker zu erläutern (auch der vermeintlichen Alternativen wie Honig etc.) bzw. die Reduktion des Konsums von freien Zuckern anzuraten. Auch eine weitere Überblicksarbeit formuliert, dass die Ernährung hinsichtlich des Zuckerkonsums als eine Stellschraube zur Prävention und Behandlung von Parodontitis eingesetzt werden kann [2].

    Weniger Zytokine durch Zuckerersatzstoff

    Der Zuckerersatzstoff Xylit als Inhaltsstoff neben Olivenöl und Trimethylglycin hilft in einer neuartigen Zahnpasta, proinflammatorische Zytokine schnell und deutlich zu reduzieren, wie eine Studie an der Universität Barcelona zeigte [3]. Diese untersuchte die Wirkung der dreimal täglich über vier Wochen auf die Mundschleimhaut aufgetragenen Zahnpasta bei parodontal gesunden, normalgewichtigen und übergewichtigen/präadipösen Personen. Dabei wurde festgestellt, dass die Speichelkonzentrationen von Interleukin-1β (IL-1β) und Tumornekrosefaktor-⍺ (TNF-⍺), die eine Schlüsselrolle bei entzündlichen Erkrankungen wie Parodontitis und Adipositas spielen, „auf ein gesundes Niveau“ reduziert werden konnten.

    Zuckeralternativen beeinflussen orales Mikrobiom

    Glukose, Inulin sowie die als zahnfreundlich eingestuften Isomaltulose, Tagatose und Trehalose gelten als Zuckeralternativen zu herkömmlicher Saccharose. Sie wurden in einer Studie zwei Wochen lang dreimal täglich in Wasser aufgelöst, als je 10%-ige Mundspüllösung eingesetzt [4]. Die Studienautoren beobachteten, dass die Stärke der Effekte abhängig vom Süßstoff war, wobei sich die Zusammensetzung der Mikrobiota im supragingivalen Biofilm bei Inulin (am stärksten) und Isomaltulose signifikant änderten, auf dem Zungenrücken betraf die Signifikanz Isomaltulose und Trehalose. Bei den Inulin-Probanden kam es zu einer starken Abnahme parodontal-pathogener Spezies (Selenomonas, Tannerella, Leptotrichia, Corynebacterium, Campylobacter), während in Bezug auf Neisseria, Abiotrophia und Burkholderiaceae eine Zunahme verzeichnet wurde.

     

    Darüber hinaus stoßen die Autoren die Diskussion an, ob Inulin nicht positiv auf die Mundgesundheit wirken könne, da bereits bei Diabetikern nach Inulin-Einnahme die Reduzierung proinflammatorischer Zytokine nachgewiesen wurde. Auch könnte der Einsatz z. B. von Tagatosepulver im Zug subgingivaler Reinigung mit Pulverstrahlgeräten als Modulator für das Mikrobiom denkbar sein. Weitere klinische Studien sind erforderlich.

     

    Das Wichtigste in Kürze

    Reduzierter Konsum von freiem Zucker verringert Gingivitis. Verschiedene Zuckeralternativen verändern unterschiedlich stark die mikrobielle Zusammensetzung im Biofilm auf der Zunge und subgingival und der Zuckerersatzstoff Xylit, angewendet in einer Formulierung mit Olivenöl und Trimethylglycin, senkt proinflammatorische Zytokine.

     

    Quellen

    • [1] Woelber JP, Gebhardt D, Hujoel PP. Free sugars and gingival inflammation: A systematic review and meta-analysis. J Clin Periodontol. 2023 Sep;50(9):1188–1201. doi.org/10.1111/jcpe.13831.
    • [2] Shanmugasundaram S, Karmakar S. Excess dietary sugar and its impact on periodontal inflammation: a narrative review. BDJ Open. 2024 Oct 9;10(1):78. doi.org/10.1038/s41405-024-00265-w.
    • [3] López-López J, Reuss J, Vinuesa-Aumedes T et al. Rapid Reduction of Pro-Inflammatory Cytokines with an Oral Topical Composition Comprising Olive Oil, Trimethylglycine and Xylitol: A Randomized Double-Blind Controlled Trial. Int J Mol Sci. 2025 May 21;26(10):4920. doi.org/10.3390/ijms26104920.
    • [4] Zakis DR, Brandt BW, van der Waal SV, Keijser BJF, Crielaard W, van der Plas DWK, Volgenant CMC, Zaura E. The effect of different sweeteners on the oral microbiome: a randomized clinical exploratory pilot study. J Oral Microbiol. 2024 Jun 24;16(1):2369350. doi.org/10.1080/20002297.2024.2369350.
    Quelle: Ausgabe 06 / 2026 | Seite 15 | ID 50839467