· Fachbeitrag · CME-Beitrag
Implantate auch für ältere Patienten?
Die Frage, ob Implantate auch in fortgeschrittenem Lebensalter sinnvoll sind, stellen sich Praxen und Patienten immer wieder. Die Antwort darauf ist komplex, Hilfestellung bieten aktuelle Studienergebnisse und die „Leitlinie zur Implantatversorgung im fortgeschrittenen Lebensalter“.
Hohe Implantatüberlebensraten auch bei Älteren ...
Von einer Implantatversorgung profitieren hinsichtlich der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität und der Wiederherstellung oraler Funktionen auch ältere Patienten [1]. Gleichzeitig gibt es mit zunehmendem Alter verschiedene Risikofaktoren wie z. B. Multimorbidität und Polymedikation, die zu einem erhöhten Misserfolg führen können. Eine Gemeinschaftsarbeit aus der Schweiz und Deutschland untersuchte die Überlebens- und Erfolgsraten von Implantaten bei im Vergleich jüngeren älteren Erwachsenen (65-75 Jahre) zu über 75-jährigen Implantatpatienten [2]. Dabei zeigte sich, dass die über 75-jährigen eine signifikant höhere Fünfjahres-Überlebensrate (96,8 %) aufwiesen als die 65- bis 75-jährigen Patienten (92,1 %). Bezüglich der Erfolgsraten und auch in der Knochendichte gab es keinen signifikanten Unterschied, obwohl Plaque und Blutung auf Sondierung bei den über 75-Jährigen häufiger beobachtet wurde. Die Autoren zogen den Schluss, dass Patienten über 75 Jahren im Vergleich zu Patienten zwischen 65 und 75 Jahren höhere oder ähnliche 5-Jahres-Überlebens- und Erfolgsraten für Implantate aufweisen. Gleichzeitig wiesen sie darauf hin, dass die Verblockung von Implantaten bei Versorgung mit Deckprothesen bei über 65-Jährigen eine 5,6-fache höhere Implantatüberlebensrate bedeutet. Ihrer Ansicht nach sollten Implantate trotz dieser Ergebnisse als Therapieoption bei älteren und sehr alten Menschen sorgfältig abgewogen werden und die patientenindividuellen Risiken und Fähigkeit zur Mundhygiene wie Benefits einer solchen Versorgung bei der Therapieentscheidung Beachtung finden.
... und selbst bei auf Hilfe angewiesenen Patienten
Eine klinische Studie [3] untersuchte die Überlebensrate und die periimplantäre Situation bei sehr alten, im Alltag auf Hilfe angewiesene Patienten (Durchschnittsalter 85,7 ± 6,6 Jahre), die jeweils zwei interforaminale Implantate (Regular Neck, Ø 4,1 mm, Länge 8 mm) erhielten. Diese wurden mit Locator-Attachments versehen und damit die vorhandene in eine implantatgetragene Prothese umgewandelt. Mit 94,7 Prozent wurde nach fünf Jahren eine hohe Implantatüberlebensrate festgestellt. Der periimplantäre Knochenverlust betrug im Mittel 0,17 mm pro Jahr und wurde durch kognitive Beeinträchtigungen und einen schlechten Ernährungszustand scheinbar nicht beschleunigt. Sondierungstiefe und Plaque-Index erhöhten sich erst nach zwei stabilen Jahren auf niedrigem Niveau kontinuierlich, wurden aber als klinisch akzeptabel bewertet. Dennoch raten die Studienautoren zu einem engmaschigen Recall hinsichtlich des rechtzeitigen Erkennens einer funktionellen Verschlechterung, die dann entsprechende Maßnahmen erforderlich macht.
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