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  • · Fachbeitrag · CME-Beitrag

    Bewusstsein Schwangerer für Mundgesundheit stärken

    | Dass eine Schwangerschaft Risiken und Folgen für die Mundgesundheit haben kann, ist in Fachkreisen bekannt. Wie aber sieht es bei den betroffenen Frauen selbst aus? Damit beschäftigte sich die Forschung ‒ zahnärztliche Praxen können aus den Ergebnissen ableiten, wen sie bei der Gesundheitsprävention besonders im Auge haben müssen. |

    Viele Schwangere ohne zahnärztliche Untersuchung

    Das Bewusstsein Schwangerer für die Korrelation zwischen ihrer Mundgesundheit und der Gesundheit des Kindes ist wichtig. Deshalb befragten Wissenschaftler 200 Mütter im Alter von 19 bis 44 Jahren nach ihrem Wissen zur Bedeutung der Mundgesundheit und ihrer Mundgesundheitskompetenz in der Schwangerschaft [1]. Es wurde festgestellt, dass sich nur 20 Prozent der Studienteilnehmerinnen bei der Planung und als Vorbereitung einer Schwangerschaft zur zahnärztlichen Untersuchung vorstellten. 38,5 Prozent unterzogen sich dieser erst nach bestätigter Schwangerschaft. Dabei gab es einen statistisch positiven Zusammenhang zwischen der Untersuchung und einen höheren Bildungsgrad der Befragten. Gleiches gilt für den Wohnort „Großstadt“. Dagegen suchten Frauen in einem Wohnort auf dem Land die Zahnarztpraxis statistisch seltener für diese Untersuchung auf. Und 41,5 Prozent der Studienteilnehmerinnen stellten sich nicht zur Untersuchung vor, da sie diese ohne das Vorhandensein oraler Probleme nicht als notwendig erachteten oder angaben, dafür keine Zeit oder Geld zu haben.

    Bewusstsein Schwangerer für Mundgesundheit unzureichend

    Nur 16,5 Prozent der befragten Teilnehmerinnen kannten vor der Schwangerschaft die Bedeutung guter Mundhygiene während der Schwangerschaft, 59,5 Prozent bekamen diese Informationen erst während der Schwangerschaft und 24 Prozent von ihnen wiesen auf ein mangelndes Bewusstsein für die Bedeutung richtiger Mundhygiene während der Schwangerschaft hin.

     

    Aus Sicht der Gynäkologen ist das Wissen Schwangerer hinsichtlich der Bedeutung der Mundgesundheit für ihre Schwangerschaft und die Entwicklung des Fötus nicht ausreichend. Auch junge Schwangere geraten in den Blickpunkt: Intraorale Probleme traten ebenso häufiger wie zahnärztliche Behandlungen während der Schwangerschaft statistisch signifikant in Zusammenhang mit dem jüngeren Alter der Mütter auf. Nach Auffassung der Autoren kann die Selbsteinschätzung ihrer Mundgesundheit Schwangere dazu bringen, ihr gesundheitsbezogenes Verhalten zu verbessern.

    Soziodemografische Faktoren beeinflussen Mundgesundheit

    Auch die Autoren einer gemeinschaftlichen Untersuchung aus Bruchsal und Heidelberg ([2] beobachteten, dass die „individuelle Gesundheitsvorsorge sowie die subjektive und objektive Mundgesundheit mit Schulabschluss und Geburtsland“ der Eltern korrelieren. Je geringer die Schulbildung, desto eher wurde die individuelle Gesundheitsvorsorge (z. B. Rauchen vor/während der Schwangerschaft, individuelle Zahnpflege/Mundhygiene) vernachlässigt. Des Weiteren beeinflussten Schulbildung und Geburtsland die Frequenz von Zahnarztbesuchen vor und während der Schwangerschaft enorm: Je höher der Schulabschluss, desto regelmäßiger die Zahnarztbesuche. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass in Deutschland geborene Studienteilnehmerinnen mit höherer Wahrscheinlichkeit über die zahnmedizinischen Risiken in der Schwangerschaft Bescheid wissen und während der Schwangerschaft den Zahnarzt aufsuchen. Demzufolge appellieren die Autoren, Familien mit Migrationshintergrund und Eltern mit geringer Schulbildung besonders im Blick zu haben. Mikrobiologisch begründet, sollten auch die Väter / der andere Elternteil an den Maßnahmen zur Prävention und Aufklärung teilnehmen.

     

    • Das Wichtigste in Kürze

    Eigeninitiative und Gesundheitsverhalten von Schwangeren stehen in Zusammenhang mit soziodemografischen Faktoren und beeinflussen die Mundgesundheit. Zahnärzte und Gynäkologen sind gefordert, Schwangere über die Bedeutung der Mundgesundheit während einer Schwangerschaft aufzuklären und besondere Risikogruppen mitzunehmen.

     

    Quellen

    • [1] Radwan-Oczko M, Hirnle L, Szczepaniak M. et al. How much do pregnant women know about the importance of oral health in pregnancy? Questionnaire-based survey. BMC Pregnancy Childbirth. 2023 May 13;23(1):348. doi.org/10.1186/s12884-023-05677-4.
    • [2] Kühle AM, Wacker J. Sociodemographic Differences in Health Awareness and Oral Health in Pregnant Women. Geburtshilfe Frauenheilkd. 2020 Aug;80(8):834‒843. doi.org/10.1055/a-1205-0601.
    Quelle: Ausgabe 10 / 2025 | Seite 19 | ID 50518558