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  • · Alterszahnheilkunde

    Mundgesundheit von Pflegebedürftigen muss verbessert werden

    Bild: © highwaystarz - stock.adobe.com

    | Auch wenn das Thema Alterszahnheilkunde in Deutschland inzwischen immer mehr Beachtung findet, kommt praktisch jedoch noch viel zu wenig Unterstützung bei der älteren Bevölkerung an. Insbesondere um die zahnmedizinische Versorgungssituation von Pflegebedürftigen ist es nach wie vor schlecht bestellt. Zwei wissenschaftliche Untersuchungen an verschiedenen deutschen Universitäten, teils in Kooperation mit der Universität Sheffield (UK), fanden vielfältige Gründe für den Missstand und erörterten Ansätze, die die Versorgung verbessern können. |

    Grundlegende Voraussetzungen fehlen

    Die Analyse von 41 Studien, an denen insgesamt 7.333 Probanden aus Zahnärzteschaft, Pflege- und Gesundheitsvorsorgebereich teilnahmen, ergab, dass im Wesentlichen das fehlende Wissen daran hindert, diese Patientengruppe adäquat zu versorgen. Wobei das nicht der einzige Grund ist: Auch die mitunter fehlende Bereitschaft der Patienten, z. B. Mundhygienemaßnahmen vornehmen zu lassen oder Unterstützung bei der Zahn- oder Prothesenpflege anzunehmen, beeinflusst deren Versorgungssituation stark. Ein Großteil der Pflegebedürftigen verweigert auch die Betreuung durch einen Zahnarzt. Vielfach kommt es aber gar nicht zu einem Zusammentreffen mit dem Zahnarzt, weil schlichtweg die geeigneten Voraussetzungen für Behandlung oder Transport von Pflegebedürftigen fehlen.

    Sensibilisierung und Schulung von Pflegepersonal

    Verbesserungsmöglichkeiten sahen die Befragten vor allem in der speziellen Schulung von Betreuern und Pflegern mit dem Ziel, diese für die Aufgabe zu sensibilisieren und speziell auf die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen abgestimmte Strategien, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu erlernen. Für wichtig erachtet wurde auch die professionelle Unterstützung durch eine zahnärztliche Fachkraft, am besten in Form regelmäßiger Betreuung der pflegebedürftigen Patienten. [1]

    Um Pflegebedürftige auf dem Land ist es schlechter bestellt

    Eine weitere Untersuchung beschäftigte sich mit der Primärversorgung von Bewohnern zweier Pflegeheime in ländlichen Regionen Deutschlands. Als besonders schwierig zeichnete sich hier die Lage von Pflegebedürftigen ab: Der Zugang zur Gesundheits- und zahnmedizinischen Versorgung wurde dort schlechter eingeschätzt als in städtischen Einrichtungen und ebenfalls von den Befragten zum Hauptproblem erklärt.

     

    Dabei tragen nicht nur mangelhafte örtliche Ausstattungen oder fehlende Transportmöglichkeiten zum Versorgungsengpass bei, sondern auch die Motivation der Fachkräfte. Grundsätzlich erklären sich immer noch zu wenige Zahnärzte bereit, Patienten in Pflegeeinrichtungen zu betreuen und eine Anfahrt auf sich zu nehmen.

    Maßnahmenpaket dringend erforderlich

    Auch die Auswertung dieser Stichprobe zeigte deutlich: Um die Lage in deutschen Pflegeheimen nachhaltig zu verbessern, muss nach Empfehlung der Forschenden an Maßnahmen zur besseren Qualifizierung des Pflegeheimpersonals gearbeitet werden. Aber nicht nur: Zahnärzte könnten beispielsweise mit finanziellen Anreizen motiviert werden, auch verstärkt die Betreuung von Pflegeheimbewohnern zu übernehmen. Darüber hinaus sollte auch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Interessengruppen weiter verstärkt werden. [2]

     

    Quellen

    • [1] Göstemeyer G, Baker SR, Schwendicke F. Barriers and facilitators for provision of oral health care in dependent older people: a systematic review. Clin Oral Investig 2019, 23(3):979–993. doi.org/10.1007/s00784-019-02812-4.
    • [2] Jesus Gomez-Rossi J, Schwartzkopff J, Müller A, Hertrampf K, Abraham J, Gassmann G, Schlattmann P, Göstemeyer G, Schwendicke F. Health policy analysis on barriers and facilitators for better oral health in German care homes: a qualitative study. BMJ Open 2022, 12(3):e049306. doi.org/10.1136/bmjopen-2021-049306.
    Quelle: Ausgabe 08 / 2022 | Seite 10 | ID 48433347