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01.01.2007 | Repetitorium

Oft unbekannt: Orale Manifestationen des Ramsay-Hunt-Syndroms

Gesichtsschwellungen sowie Bläscheneruption auf dem weichen Gaumen oder dem anterioren Zweidrittel der Zunge können auch Anzeichen eines Herpes zoster oticus – eines Ramsay-Hunt-Syndroms – sein. Achten Sie bei solchen Patienten auch auf Bläschen-eruptionen im Ohr sowie auf Hörstörungen und Fazialisparese. Sie sollten dann schnell zum Neurologen überweisen – denn antivirale Substanzen beeinflussen die Schmerzen ab dem fünften Tag nach Auftreten der Zostereffloreszenzen nicht mehr [1]. 

 

Zellgewebsentzündungen im Gesicht und Schwellungen am Kopf sowie an Hals und Nacken sind besorgniserregende Zeichen odontogener Infektionen, die lebensbedrohend sein können. Die meisten Kopf- und Nackeninfektionen werden durch bakterielle Krankheitserreger verursacht. Wenn Sie solche entzündlichen Fälle behandeln, müssen Sie mögliche Viren- oder Pilzinfektionen als Ursachen der damit verbundenen Symptome auch berücksichtigen.  

 

Jan et al. dokumentieren den Fall einer Virusinfektion, die zuerst einer bakteriellen odontogenen Infektion ähnelte [2]. Das Fallbeispiel einer 43-jährigen Patientin soll Zahnärzte mit dem Ramsay-Hunt-Syndrom und der Notwendigkeit der sofortigen Erkennung sowie der frühen eindeutigen Behandlung vertraut machen. Die Patientin war nach dreitägigem Fieber und Gesichtsschwellungen vom Notfalldienst eines Krankenhauses zum Zahnarzt geschickt worden, der die vermeintlich odontogene Infektion abklären sollte. 

 

Praxistipp: So erkennen Sie das Ramsay-Hunt-Syndrom

Typisch für den Herpes zoster oticus (Ramsay-Hunt-Syndrom) sind 

  • ein initial brennender Schmerz,
  • eine Bläscheneruption im Ohr, auf dem weichen Gaumen oder dem anterioren Zweidrittel der Zunge,
  • eine Fazialisparese (die befallene Gesichtshälfte ist durch ein Stirnrunzeln sowie ein „schiefes Lächeln“ charakterisiert),
  • eventuell eine Gesichtsschwellung und
  • eventuell eine Hörstörung.

Das Ramsay-Hunt-Syndrom

Unter einem Ramsay-Hunt-Syndrom versteht man einen Herpes zoster des Nervus oticus. Manche Autoren verwenden die Diagnose „Ramsay-Hunt-Syndrom“ allerdings nur dann, wenn es im Rahmen dieser Erkrankung auch zu einer Fazialisparese (= Lähmung der Gesichtsmuskulatur) mit bläschenförmigem Ausschlag im Ohr (Zoster oticus) oder im Mund gekommen ist. Der ICD10-Code des Ramsay-Hunt-Syndroms [Dyssynergia cerebellaris myoclonica] ist G11.1. 

 

Hunt beschrieb auch andere Begleiterscheinungen wie Tinnitus, Hörverlust, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Nystagmus. Er erklärte diese Begleitsymptome mit der räumlichen Nähe des Ganglion geniculatum mit dem Nervus vestibulocochlearis. Die Lähmung ist meist ausgeprägter als bei der idiopathischen Fazialisparese, die meist durch HSV1 verursacht wird.  

Hintergrund: Herpes zoster

Der Erreger ist der Herpes-Varizellen-Virus. Als Tröpfcheninfektion führt der Erstkontakt vorwiegend bei Kindern zu Windpocken. Leider hat das Virus die Eigenschaft, über Jahrzehnte in bestimmten Bereichen des Nervensystems zu überleben, ohne dass Krankheitszeichen vorhanden sind.  

 

Kommt es zu einer Schwächung des Immunsystems, wird das Virus reaktiviert und erreicht über sensible Nervenbahnen die Haut. So entsteht der Herpes zoster. Der Herpes zoster – auch als Gürtelrose oder Zostererkrankung bezeichnet – befällt überwiegend die Nervensegmente der unteren Brustwirbelsäule, seltener den Gesichts- bzw. Kopfbereich (Zoster ophthalmicus und Zoster oticus bzw. Ramsay-Hunt-Syndrom).  

 

Das Ramsay-Hunt-Syndrom stellt also eine relativ seltene Sonderform des Herpes zoster dar. Der Herpes zoster oticus breitet sich im Gebiet der Hirnnerven VII u. VIII (evtl. auch V, IX u. X) aus, verbunden mit einem typischen juckenden und quälenden Schmerz sowie Bläschenbildung im Ohr – und angrenzenden Gesichtsbereich, eventuell auf Gaumen und Zunge übergreifend [3]. 

 

Praxistipp: Ramsay-Hunt-Syndrom – was ist zu tun?

  • Antivirale Therapie: Aciclovir (zum Beispiel Zovirax®) ist ein Medikament der Wahl bei Herpes zoster. Es wirkt als Guanosinanalogon auf die Replikation des Virus, verringert die akuten Schmerzen, die Erythembildung sowie die Neubildung von Läsionen und lässt die Effloreszenzen schneller abheilen. Darüber hinaus können noch folgende Medikamente empfohlen werden: Brivudin (Zostex®), Famciclovir (Famvir Zoster®) oder Valaciclovir (Valtrex®).
  • Schnelle Überweisung zu einem Neurologen. Denn antivirale Substanzen beeinflussen die Schmerzen ab dem fünften Tag nach Auftreten der Zostereffloreszenzen nicht mehr.

[1] C J Sweeney, D H Gilden, Nosological entities? Ramsay Hunt syndrome; J Neurol Neurosurg Psychiatry 2001; 71: 149-154 

 

[2] A M Jan, T P McGuire, C M L Clokie, G K B Sándor, Unilateral Facial Swelling Caused by Ramsay-Hunt-Syndrome Resembles Odontogenic Infection; J Can Dent Assoc (2006) 72: 829-832 

 

[3] S Guglielmi, R Pfammatter: Periphere Fazialisparese – Ramsay- 

Hunt-Syndrom; Schweiz Med Forum (2004) 4: 205-206 

[1] Volltext: jnnp.bmjjournals.com/cgi/reprint/71/2/149.pdf 

[2] Volltext: www.cda-adc.ca/jcda/vol-72/issue-9/829.pdf 

[3] Volltext: www.medicalforum.ch/pdf/pdf_d/2004/2004-08/2004-08-185.PDF 

 

 

 

Quelle: Ausgabe 01 / 2007 | Seite 16 | ID 94894