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·Fachbeitrag ·Interdisziplinäres

Adipositas und Parodontitis: Sollen Zahnärzte auch Ernährungsberatung anbieten?

| Parodontitis steht in einem engen Zusammenhang mit Erkrankungen des Gesamtorganismus, zum Beispiel Diabetes mellitus und kardiovaskulären Erkrankungen. Zahlreiche Studien belegen nun, dass auch Adipositas mit Parodontitis und schlechteren Heilungsergebnissen nach parodontaler Therapie assoziiert ist. Sollten Zahnärzte auch Ernährungsberatung anbieten? |

Einfluss von Übergewicht auf das Parodont

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Parodontitis zu erkranken, ist bei Übergewicht um das 1,3-Fache und bei Adipositas um das 1,8-Fache erhöht. Außerdem scheint Adipositas die parodontale Heilung nach einer Parodontitistherapie negativ zu beeinflussen. [1] Die Auswertung der SHIP-Längsschnittstudie bestätigt den Einfluss des Übergewichts auf chronische Zahnbetterkrankungen, insbesondere auf den Zahnverlust. [2]

 

Bisher ist noch weitgehend ungeklärt, ob es sich bei der Assoziation zwischen Adipositas und Parodontitis um eine kausale und/oder non-kausale Beziehung handelt. Zahlreiche Pathomechanismen, die dieser Assoziation zugrunde liegen könnten, stehen derzeit im Fokus der parodontalen Forschung. Wie schon bei Typ-2-Diabetes genannt, spielen möglicherweise Adipokine, die aus dem vermehrten Fettgewebe freigesetzt werden und entzündungsfördernd sind, eine Rolle. Übergewicht und Adipositas erhöhen auch das Risiko für Diabetes mellitus, sodass indirekt über die Bildung von AGE und anderen Diabetes-assoziierte Pathomechanismen der entzündliche Abbau des Parodonts gefördert wird. [3]

Leptin: Die Verbindung zwischen Adipositas und Parodontitis?

Obwohl die zugrundeliegenden Mechanismen für diese Assoziationen bisher kaum bekannt sind, wird angenommen, dass erhöhte Spiegel von proinflammatorischen Adipokinen wie zum Beispiel Leptin im Serum und in der gingivalen Sulkusflüssigkeit von Adipösen einen pathomechanistischen Link darstellen könnten.

 

Leptin, dessen Plasma- und GCF-Spiegel bei adipösen Menschen erhöht sind, übt einen negativen Effekt auf das regenerative Potenzial von parodontalen Ligament-Zellen aus, was nahelegt, dass Leptin als pathomechanistischer Link zwischen Adipositas und schlechterer Heilung nach parodontaler Therapie fungieren könnte. Zudem können inflammatorische, mikrobielle und biomechanische Signale die Expression von Leptin und seinem Rezeptor in parodontalen Ligament-Zellen hemmen, was zumindest teilweise erklären könnte, warum die GCF-Spiegel von Leptin bei Parodontitis- und orthodontischen Patienten reduziert sind.

 

In Versuchsreihen an der Universität Bonn an parodontalen Ligament (PDL)-Zellen führte Leptin zu einer signifikanten Hemmung der Genexpression von Wachstums- (TGF-β1, VEG-F) und Transkriptionsfaktoren (RUN-X2) sowie Matrixmolekülen (Kollagen, Periostin) und hemmte die SMAD1/5/8-Signaltransduktion unter regenerativen Bedingungen. Zusätzlich wurde die Expression von Rezeptoren für Wachstums- und Differenzierungsfaktoren (TGF-βR1, TGF-βR2, BMP-R1A, BMP-R2) durch Leptin signifikant gesenkt. Weiterhin wurde die Expression von Leptin und seinem Rezeptor durch inflammatorische, mikrobielle und biomechanische Signale signifikant reduziert. [4]

Der Zahnarzt als Ernährungsratgeber

Denkbar ist aber auch, dass eine falsche Ernährung oder der oftmals mit einer Adipositas verbundene mentale Stress die Entstehung und Progression von parodontalen Erkrankungen direkt begünstigt.

 

Das Übergewicht hängt häufig mit Ernährungsgewohnheiten zusammen, welche mit einer vermehrten Zuckerzufuhr einhergehen. Die Ernährung und Ernährungsweise hat aber nicht nur Einfluss auf den dentalen Biofilm und die Plaquebildungsrate, sondern wirkt auch auf Immunreaktionen und hat somit Einfluss auf die Entzündungsantwort.

 

Eine Zufuhr von Vitaminen bzw. Mikronährstoffen sollte über die Nahrung erfolgen. Für die regelmäßige Aufnahme von Vitamin C, Vitamin D und Kalzium gibt es auch aus parodontologischer Sicht relativ gut abgesicherte quantitative Angaben. Aussagen zum Bedarf an Fettsäuren, Antioxidantien, Selen und Zink sind mit größerer Unsicherheit behaftet und eher aus allgemeinen Ernährungsempfehlungen abzuleiten. [5]

 

PRAXISHINWEIS | Sprechen Sie mit Ihren adipösen und stark übergewichtigen Patienten über den Zusammenhang zwischen Parodontitis und Adipositas. Der Patient sollte motiviert werden, sein Körpergewicht zu reduzieren und dafür gegebenenfalls auch professionelle Hilfe einzuholen. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Bewegung und ein kontinuierlicher Kontakt zum Therapeuten werden helfen, das Körpergewicht nach der Gewichtsreduktion zu halten. Unabhängig von den möglichen Effekten auf die Parodontitis wird der Patient von Maßnahmen zur Gewichtsreduktion stark profitieren.

 

Quellen

  • [1] Deschner J et al. Rolle der Adipositas bei Entstehung und Progression von Parodontitis. Parodontologie 2014; 25 (4): 395-402.
  • [2] Preuschmann A. Adipositas als Risikofaktor für Parodontitis - Ergebnisse der Bevölkerungsstudie Study of Health in Pomerania (SHIP 0 und SHIP 1). Greifswald, 2011.
  • [3] Saito T et al. Metabolic disorders related to obesity and periodontal disease. Periodontol 2000; 2007;43: 254-266.
  • [4] Nokhbehsaim M et al. Molekulare Effekte von Adipositas auf die parodontale Gesundheit und Heilung. 47. Jahrestagung der AfG, Mainz, 8.-9. Januar 2015.
  • [5] Jentsch H. Soll der Zahnarzt während der Parodontitistherapie die Ernährung des Patienten berücksichtigen und beeinflussen? Parodontologie 2014: 25 (4): 403-408.
Quelle: Ausgabe 05 / 2015 | Seite 9 | ID 43323711