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·Fachbeitrag ·Bisshebung

Minimalinvasiv gegen Defizite in der Okklusion: Bisshebung mit palatinalen Plateaus

| Defizite in der vertikalen Dimension der Okklusion sind ein ständiges Problem in der täglichen Zahnmedizin. Abrasion, Attrition und Erosion verursachen Substanzverluste an den Palatinalflächen der oberen Frontzähne und oft auch an den gesamten Okklusalflächen der Prämolaren und Molaren. Die Herstellung von Zahnersatz kann dadurch erschwert werden und zur Devitalisierung von Frontzähnen mit den damit verbundenen Nachteilen führen. Deshalb versucht man, über die Manipulation der Okklusion funktionelle Aspekte des stomatognathen Systems zu optimieren. |

Rolle der Okklusion bei funktionellen Störungen

In den 1980er-Jahren wurde die Rolle der Okklusion bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von funktionellen Störungen mehr und mehr infrage gestellt und durch andere Faktoren wie zum Beispiel psychosoziale Aspekte ersetzt. Seit einigen Jahren können nun aber aufgrund der voranschreitenden Computertechnik/Simulation biomechanische Aspekte im stomatognathen System genauer untersucht werden. Somit wird es auch möglich, den Einfluss der Okklusion auf andere Strukturen des stomatognathen Systems zu analysieren.

 

Laut Prof. Dr. med. dent. Marc Schmitter, Universität Heidelberg, zeigt sich, dass die Okklusion zweifellos - insbesondere im Zusammenspiel mit dem Kiefergelenk - eine zentrale Rolle einnimmt. Neuere klinische und klinisch-experimentelle Studien zeigen diese Zusammenhänge ebenfalls eindeutig auf. [1]

 

Die Bisshebung einer gesamten Bezahnung macht nach den bisherigen konventionellen Techniken die Überkronung aller Zähne, zumindest aber eines Kiefers notwendig. Noch in den 1970-er Jahren waren das systematische Einschleifen oder die (Teil-) Überkronung von gesunden (Seiten)zähnen zur „Verbesserung“ der Okklusion und damit zur Therapie bzw. zur Prophylaxe von (kiefergelenkspezifischen) Funktionsstörungen geläufige Behandlungsverfahren.

Minimalinvasive Bisshebung mit palatinalen Plateaus

Dr. Horst Landenberger, niedergelassener Zahnarzt in Bad Soden, präferiert stattdessen, die Bisshebung minimalinvasiv mit „palatinalen Plateaus“ durchzuführen, die als Kompositstufen bzw. Aufbauten an die Palatinalflächen der oberen Frontzähne angebracht werden. Die entstehende Nonokklusion im Seitenzahngebiet wird entweder sofort prothetisch genutzt oder - wenn dort kein Handlungsbedarf besteht - die Reorganisation der Okklusion durch Elongation der Alveolarfortsätze/Zähne abgewartet. [2]

 

Die minimalinvasive Bisshebung mit palatinalen Plateaus geht auf das Dahl-Prinzip zurück, das in der skandinavischen und englischen Literatur seit vielen Jahrzehnten bekannt ist. Die relativ simple Technik kann von jedem Zahnarzt ohne neue Investition leicht durchgeführt werden: Die palatinalen Plateaus werden in der Regel mit Komposit an die palatinalen Flächen der oberen Frontzähne geklebt und sind reversibel. Durch die palatinale Stufe wird der tiefe Biss gehoben und so korrigiert.

 

Palatinale Plateaus ermöglichen laut Landenberger den stabilen Aufbau von abradierten Frontzähnen in Komposit, das Deprogrammieren von Bruxismus, das Abschmelzen von Masseterhypertrophien, die zentrische Relation des Unterkiefers und den notwendigen Platzgewinn anterior oder posterior. Die Technik ist für den zahnärztlichen Praktiker risikoarm und überschaubar und für den Patienten in der Regel bezahlbar. [3]

 

PRAXISHINWEIS | Eine Bisserhöhung als therapeutisches Endziel sollte immer nur dann durchgeführt werden, wenn aus medizinischen Gründen oder aus ästhetischen Überlegungen ein Handlungsbedarf vorliegt. Altersgemäße Abrasion/Attrition dürfte in den wenigsten Fällen eine Indikation zur Behandlung darstellen, rät Landenberger.

 

Quellen

  • [1] Schmitter M. Okklusale Gestaltung - Prävention für das Kiefergelenk? Deutscher Zahnärztetag 2014, Frankfurt/M., 7.-8. November 2014.
  • [2] Landenberger H. Gesteuerte minimalinvasive Bisshebung mit palatinalen Plateaus. NZB 2012 (2): 33-35.
  • [3] Landenberger H. Minimalinvasive Bisshebung mit palatinalen Plateaus - das Dahl Prinzip. Deutscher Zahnärztetag 2014, Frankfurt/M., 7.-8. November 2014.

 

Volltext

Quelle: Ausgabe 12 / 2014 | Seite 9 | ID 43078681