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26.03.2009 |Allgemeine Zahnheilkunde

Zahnärztliche Lokalanästhesie: Hormonelle Faktoren berücksichtigen?

von PD Dr. Dr. Monika Daubländer, Universität Mainz

Müssen Sie bei der Lokalanästhesie Unterschiede zwischen Männern und Frauen berücksichtigen? In Bezug auf den Wirkmechanismus (reversible Natriumkanalblockade und Unterbrechung der Reizweiterleitung) sind keine geschlechtsspezifischen Unterschiede zu erwarten und bekannt. Für die pharmakokinetischen Parameter der zahnärztlichen Lokalanästhesie - Anflutung, Abflutung und therapeutische Nutzzeit - kommen viele Einflussfaktoren (unter anderem die Tageszeit, vorheriger Alkohol- oder Nikotingenuss, Medikamenteneinnahme) in Betracht. Allerdings wurden in diesem Zusammenhang bislang keine kontrollierten Untersuchungen durchgeführt. Da die Östrogene aber bekanntermaßen zu einer Steigerung der Schmerzempfindlichkeit führen, sind solche hormonellen Einflüsse auf die Schmerzausschaltung zu vermuten.  

 

Gesicherte Daten liegen bezüglich der Verteilung der Lokalanästhetika entsprechend dem zur Verfügung stehenden Volumen vor. Dieses wird bestimmt durch das Körpergewicht, den Körperfett- bzw. Muskelanteil, aber auch bestimmte physiologische Zustände - wie zum Beispiel eine Schwangerschaft. Ein größeres Volumen führt zu längeren Halbwertszeiten (bis zu 50 Prozent bei Lidocain) und damit zu Unterschieden in der Clearance des Medikaments. Von Bedeutung ist dies vor allem bei einer Nachinjektion. 

 

Wissenschaftlich gesichert ist außerdem der Einfluss der Konzentration von saurem Alpha1-Glykoprotein auf die Plasmaproteinbindung und damit indirekt auch auf die Toxizität von Lokalanästhetika. Geschlecht, orale Kontrazeptiva, Östrogenspiegel und Alter sind unter anderem Parameter, die die Verfügbarkeit dieses Akutproteins beeinflussen und so - infolge einer veränderten Bindungskapazität - den Anteil von freiem Lokalanästhetikum in der Blutbahn. Nur dieses kann die Blut-Hirn-Schranke bzw. Plazentaschranke passieren und so zu Intoxikationserscheinungen führen.  

 

Es ist daher generell sinnvoll (vor allem aber bei Schwangeren) Lokalanästhetika einzusetzen, die eine hohe Affinität zu diesem Protein haben (Articain, Bupivacain), um die Konzentration im fetalen Kreislauf so gering wie möglich zu halten. Selbstverständlich müssen natürlich Grenzmenge und Maximaldosis berücksichtigt werden. 

 

Nachgewiesen sind geschlechtsspezifische Unterschiede sowie der Einfluss der Geschlechtshormone für den Wirkungseintritt und die Effekte von Kokain. Hierbei wurden im Tierexperiment allerdings die psychotropen Wirkungen und Abhängigkeitsentwicklungen untersucht, nicht die lokalanästhetischen Effekte. 

 

M Daubländer: Zahnärztliche Lokalanästhesie - Relevante Aspekte bei Männern und Frauen; Dentista (2008) 3: 17 

 

Quelle: Ausgabe 04 / 2009 | Seite 11 | ID 125544