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26.05.2011 |Allgemeine Zahnheilkunde / Kinderzahnheilkunde

Ab wann sprechen wir von einer CMD bei Kindern?

von Dr. Andreas Köneke, Kieferorthopäde in Kiel, Wyk und Bremen

Hirnstamm, Entwicklungsstörungen, gestörte Ganzkörperstatik, Sehfehler, Fehlbisslagen, Psyche - immer mehr Co-Faktoren für eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) werden benannt. Wie genau und womit lässt sich eigentlich differenzieren und erfolgreich therapieren?  

Dauerhafte Erfolge durch präzise Diagnostik bei Kindern

Unser Handwerkszeug haben wir alle gelernt, doch was in der täglichen Praxis fehlt, ist der fachübergreifende Zusammenhang, der in nur wenigen Universitäten gelehrt wird. Wenn ich im Rahmen meines Lehrauftrags vor den Zahnmedizinstudenten der Universität Rostock über die klinische kieferorthopädische Diagnostik spreche, verbringe ich allein ein paar Stunden mit den Differenzialdiagnosen der CMD. Ich will zeigen, dass es keine fachlichen Grenzen gibt. Präzise Diagnostik in jungem Alter bietet unschätzbare Vorteile für Lebensqualität und Gesundheit der heranwachsenden Menschen in der gesamten weiteren Entwicklung.  

Wir müssen uns davor hüten, jede Funktionsstörung CMD zu nennen

Wir müssen uns davor hüten, jede Funktionsstörung CMD zu nennen, ebenso wie nicht jede Verhaltensauffälligkeit ADHS ist. CMD im Vollbild ist ein sehr umfangreicher Komplex vielfältiger Funktionsstörungen, die teils unabhängig voneinander, teils als Folge anderer Funktionsstörungen entstanden sind und miteinander in Wechselwirkung treten. Das gilt bei Kindern gleichermaßen wie bei Erwachsenen. Bei Kindern sind die Funktionsstörungen aufgrund der kurzen Historie oft noch voneinander abgrenzbar und somit als einzelne Störungen therapierbar. Ich spreche hier statt von CMD lieber von Funktion und Entwicklung. 

 

Nehmen wir als Beispiel die sensomotorische Dyskybernese: Oft reichen bei einer sehr früh erkannten Funktionsstörung der oberen Halswirbelsäule ein einzelner manualmedizinischer Eingriff oder einige wenige Therapiesitzungen im Säuglingsalter, um eine vollständige Heilung zu erreichen. Untherapiert kann die Erkrankung zu wissenschaftlich nachgewiesenen zentralnervösen Veränderungen, zu Verhaltensauffälligkeiten in der Schule und aufgrund der in Folge auftretenden und sich gegenseitig verstärkenden Wechselwirkungen zu dem führen, was wir später CMD nennen. 

 

Neben Kinderärzten sehen gerade Zahnärzte und Kieferorthopäden die Kinder sehr regelmäßig. Es sind zunächst die anamnestisch angegebenen unspezifischen Befunde wie Kopfschmerz, Übelkeit unklarer Ursache, Schwindel, Tinnitus (auch beim Kind!) oder Verhaltensauffälligkeit, die einer interdisziplinären Abklärung bedürfen. Oft sind Funktionsstörungen aber auch Nebenbefunde, die gar nicht der Auslöser für unsere Konsultation sind.  

 

Es ist bekannt, dass die biologischen Kompensationsmechanismen für funktionelle Störungen im Kindesalter häufig zum Übersehen von Funktionsstörungen führen. Deswegen erachtet man es heute als Pflicht für alle Fachdisziplinen, in jedem Fall eine funktionell orientierende Untersuchung der Gesamtsituation eines Kindes durchzuführen, bevor man selektive Therapiemaßnahmen ergreift, die die funktionelle Situation beeinflussen. 

 

  • 3. Kieler Kinder Konferenz, Kiel, 18.-19. März 2011
Quelle: Ausgabe 06 / 2011 | Seite 9 | ID 145426