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01.07.2011 |Allgemeine Zahnheilkunde

Breitentaugliche Kariestherapie: Weniger ist oft mehr

Prof. Dr. Michael Noack, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität zu Köln, fordert ein Umdenken in der konservierenden Behandlung: Es fehle für viele aufwändige Methoden der Nachweis, dass sie zu einem besseren Therapieergebnis führten als simplere Vorgehensweisen.  

 

Die Restauration defekter Zähne mit zahnfarbenen Füllungsmaterialien wurde in den letzten Jahrzehnten ständig verbessert. So konnten der Verbund zwischen Zahnsubstanz und Füllmaterial optimiert und die gefährliche Schrumpfung der Kunststoffe durch Schichtungsverfahren und kontrollierte Aushärtung wesentlich verringert werden. Die verbesserten Haltbarkeiten der modernen Kompositfüllungen werden allerdings mit einem hohen Arbeitsaufwand erkauft, der sich zwangsläufig im Preis niederschlägt. Zugleich wird der Markt überschwemmt mit einer Fülle von zum Teil noch wenig erprobten Produkten, angesichts derer dem Allgemeinzahnarzt die Orientierung schwerfällt. 

Restlose Entfernung kariösen Gewebes nicht notwendig

Noack vertritt die Auffassung, dass zum Erhalt eines erkrankten Zahnes die restlose Entfernung aller kariös veränderten Substanz im Inneren der Kavität nicht zwingend sei. Vielmehr komme es auf intakte Kavitätenränder und die versiegelnde Wirkung der Adhäsivfüllung an. Dies bedeute, dass bereits beim Exkavieren rationeller und substanzschonender vorgegangen werden könne. Nicht zuletzt heißt dies auch, dass zum Beispiel bei kleinen Kindern, wenig belastbaren oder sehr ängstlichen Personen eine weniger invasive Therapie zu verantworten und so auch ohne Extraaufwand - wie zum Beispiel Narkose - ein gutes Ergebnis zu erzielen sei. 

Fließfähige Komposite kaum schlechter als High-End-Materialien

Anhand zahlreicher Studien betont Noack die vorteilhaften Eigenschaften neuartiger fließfähiger Komposite. Mit ihrer reduzierten Schrumpfung und damit auch ihrem reduzierten Polymerisationsstress, ihrer zeitsparenden Durchhärtung in bis zu 4 mm dicken Schichten und ihrem geringeren Restmonomer schneiden sie in einigen Drei- bis Vier-Jahres-Studien nur unwesentlich schlechter ab als die High-End-Materialien. Die Ästhetik individuell eingefärbter geschichteter Komposite mag höher sein, aber gerade im Seitenzahnbereich sind weiße Füllungen mit weniger Arbeits- und somit auch finanziellem Aufwand für viele Menschen eine sinnvolle Alternative, so Noack. Im Vergleich zu zuzahlungsfreien Amalgamfüllungen (oder auch zu laborgefertigten Restaurationen) bieten sie den Vorteil minimal invasiven Vorgehens.  

 

Praxistipp

Laut Noack können viele Zahndefekte substanzschonender und ohne höchsten technischen Aufwand lege artis behandelt werden. Davon profitieren nicht nur die Patienten, sondern auch die Zahnärzte. 

 

  • Frühjahrstagung der Vereinigung Demokratische Zahnmedizin (VDZM) und Deutscher Arbeitskreis für Zahnheilkunde (DAZ), Frankfurt/Main, 8. Mai 2011
Quelle: Ausgabe 07 / 2011 | Seite 9 | ID 146413