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  • ·CME-Beitrag: Kariesdiagnostik

    Karies: Zahnmedizinischer Blickdiagnose gute Spezifität bescheinigt

    Bild:©Сергей Кучугурный - stock.adobe.com

    | Eine korrekte Kariesdiagnostik in der täglichen Routine ist aus zwei Gründen wichtig: Eine Karies sollte natürlich möglichst früh entdeckt werden, um größere Schäden zu vermeiden und beginnende Läsionen möglicherweise noch non- oder minimalinvasiv behandeln zu können. Zum anderen sollten falsch-positive Diagnosen möglichst vermieden werden, um nicht unnötig eigentlich gesunde Zahnhartsubstanz zu opfern. |

    Wie gut sind verschiedene Methoden der Kariesdiagnostik?

    Ein Forscherteam aus Brasilien, Großbritannien und Dänemark untersuchte, wie gut verschiedene Methoden zur Kariesdetektion in bleibenden und Milchzähnen bezogen auf unterschiedliche Zahnoberflächen sind. [1] Die Forscher schlossen 240 Studien ein, die zwischen 1975 und 2020 veröffentlicht wurden. Fast drei Viertel der Studien waren Laboruntersuchungen. In jeder Studie wurde mindestens eine der drei folgenden Methoden untersucht:

     

    • 1. visuelle Inspektion (VI)
    • 2. radiologische Bildgebung (RX)
    • 3. fluoreszenzbasierte Detektion (FD)

     

    Okklusalkaries: Sichtkontrolle hat signifikant höchste Spezifität

    Die visuelle Kariesdetektion war bei der Okklusalkaries aller Stufen besser geeignet als das Röntgenbild. Approximal war die Blickdiagnose nur in Laborstudien an bleibenden Zähnen besser als die radiologische Detektion. Die fluoreszenzbasierte Detektion (FD) war besser bei den fortgeschrittenen okklusalen Läsionen bei bleibenden Zähnen in klinischen Studien. Handelte es sich allerdings um Laborstudien, war die FD schlechter. Die FD war in der klinischen Anwendung bei fortgeschrittenen Läsionen also etwas besser als das Auge des Zahnarztes, doch Letzteres hatte bei allen untersuchten Fragestellungen eine signifikant höhere Spezifität als andere Methoden. Mit anderen Worten: Der Zahnarzt erkennt mit seiner Erfahrung gesunde Zahnhartsubstanz tatsächlich besser als gesund als andere Verfahren.

    Cochrane-Analyse über verschiedene Bildgebungsverfahren

    Die Fehleranfälligkeit bei der Röntgenbildauswertung bzgl. der Spezifität zeigt auch eine aktuelle Cochrane-Analyse. [2] Die Wissenschaftler schlossen 77 Studien ein, in denen 15.518 approximale, okklusale und Glattflächen mit drei verschiedenen Bildgebungsverfahren auf Karies untersucht wurden:

     

    • 1. analoge Röntgenbilder
    • 2. digitale Röntgenaufnahmen
    • 3. 3-D-Röntgenaufnahmen (Digitale Volumentomographie, DVT)

    Beginnende Läsionen auf Röntgenbildern leicht übersehen

    Alle Methoden zusammengenommen fanden 336 Oberflächen mit Karies im Frühstadium. Davon waren 13 % falsch positiv. Dem gegenüber standen 664 Zahnoberflächen, die im Röntgenbild als „gesund“ diagnostiziert wurden. Davon wies jede zweite Oberfläche (51 %) allerdings eine frühe Kariesläsion auf. Dieser hohe Anteil falsch negativer Ergebnisse zeigt, dass frühe Kariesstadien auf Röntgenbildern häufig übersehen werden.

     

    3-D-Bildgebungsverfahren waren in der Früherkennung besser als analoge oder digitale, doch sie sind für den zahnmedizinischen Generalisten in der täglichen Routine natürlich nicht anwendbar. Auch angesichts der hohen Strahlendosis und möglichen kariesähnlichen Artefakten aufgrund bestehender Restaurationen ist der Einsatz in der Routinekariesdiagnostik nicht gerechtfertigt. Lediglich könnten frühe kariöse Läsionen auf DVT-Scans, die zu anderen Zwecken angefertigt werden, zufällig erkannt werden.

     

    Quellen

    • [1] Gimenez T, Tedesco TK, Janoian F, Braga MM, Raggio DP, Deery C, Ricketts DNJ, Ekstrand KR, Mendes FM. What is the most accurate method for detecting caries lesions? A systematic review. Community Dent Oral Epidemiol. 2021 Jun; 49 (3): 216‒224. doi.org/10.1111/cdoe.12641.
    • [2] Walsh T, Macey R, Riley P, Glenny AM, Schwendicke F, Worthington HV, Clarkson JE, Ricketts D, Su TL, Sengupta A. Imaging modalities to inform the detection and diagnosis of early caries. Cochrane Database Syst Rev. 2021 Mar 15;3:CD014545. doi.org/10.1002/14651858.CD014545.
    Quelle: Ausgabe 10 / 2021 | Seite 7 | ID 47623857