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·Fachbeitrag ·Unfallschadensregulierung

Werkstattrechnung 15 Prozent über Kostenschätzung: VR muss zahlen

Grundsätzlich geht es zulasten des Schädigers und seines Haftpflichtversicherers, wenn der vom Geschädigten beauftragten Werkstatt bei der Beseitigung der Unfallbeschädigungen Fehler unterlaufen und sich dadurch die Rechnung erhöht und die Mietdauer verlängert (AG Norderstedt 14.9.12, 44 C 164/12, Abruf-Nr. 123209).

Sachverhalt und Entscheidungsgründe

Die voraussichtlichen Reparaturkosten betrugen laut Gutachten 10.638 EUR netto. Die Werkstattrechnung lag um 1.588 EUR höher. Der bekl. VR übernahm nur die Nettoreparaturkosten laut Gutachten und kürzte außerdem die Mietwagenrechnung. Die Reparaturarbeiten hielt er, gestützt auf ein Prüfgutachten, in mehrerer Hinsicht für unsachgemäß, in einem Punkt sei auch eine unfallfremde Beschädigung behoben worden. Bei fachgerechter Instandsetzung wäre die Ausfallzeit wesentlich kürzer gewesen, sodass bei den Mietwagenkosten statt 3 Wochen nur max. 14 Kalendertage anerkannt werden könnten.

 

Das AG gab der Klage im Wesentlichen statt. Die tatsächlich angefallenen Reparaturkosten hält es für voll ersatzfähig. Zur Begründung verweist die Richterin auf das Werkstattrisiko, das nach st. Rspr. der Schädiger und sein VR zu tragen haben. Von diesem anerkannten Grundsatz eine Ausnahme zu machen, bestehe kein Anlass, zumal die Differenz zwischen Schätzung und Werkstattrechnung nur ca. 15 Prozent ausmache. Dementsprechend gäbe es auch keinen Grund, die Dauer der Fahrzeugmiete zu beanstanden.

 

Praxishinweis

Die Richterin ist nicht der Versuchung erlegen, Werkvertragsrecht in unzulässiger Weise mit dem Schadensrecht zu verquicken. In der Tat sind das zwei Paar Schuhe. Werkvertragliche Gewährleistungsansprüche kann sich der Schädiger/VR abtreten lassen, was im konkreten Fall auch geschehen ist.

 

Der VR hat die Werkstattrechnung per Gutachten gecheckt. Die Kl. hat vermutlich davon abgesehen, dazu ihrerseits eine gutachterliche Stellungnahme einzuholen. Hätte sie es getan, wären die dadurch angefallenen Kosten womöglich nicht erstattungsfähig gewesen. Denn angesichts der Verteilung des Werkstattrisikos braucht sich der Geschädigte mit der Werkstattkritik grundsätzlich nicht auseinanderzusetzen. Anders liegen die Dinge, wenn der VR das zur Abrechnung vorgelegte Schadensgutachten per Prüfbericht o.Ä. bekämpft. Dann darf der Geschädigte zur Prüfung der erhobenen Einwände erneut seinen Sachverständigen beauftragen und der Gegenseite die Kosten in Rechnung stellen (AG Heinsberg 11.7.12, 18 C 84/12, Abruf-Nr. 122654).

 

EINSENDER | Rechtsanwälte Ochsendorf & Coll., Hamburg

 

Weiterführender Hinweis

  • Zum Werkstattrisiko siehe auch Saarl. OLG VA 12, 96
Quelle: Ausgabe 12 / 2012 | Seite 204 | ID 36689370