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Unfallschadensregulierung

„Sanftes Richten“ gerichtlich anerkannt

Führt die „lackschadenfreieAusbeultechnik bei Hagel-/Kastanien- und Parkbeulen“ bei einemKraftfahrzeug zur Naturalrestitution, besteht jedenfalls dann keinAnspruch auf die Kosten der herkömmlichen Ausbeulung mitnachfolgender Lackierung gemäß dem Kostenvoranschlag einerFachwerkstatt, wenn diese auch die Ausbeultechnik anbietet (OLGKarlsruhe 21.8.03, 19 U 57/03, NJW 03, 3208, rkr.). (Abruf-Nr. 032289)

Sachverhalt

Der Kläger verlangt Schadenersatz, weil dieBeklagte mit ihrer Autotür seinen daneben geparkten Pkw (Bj. 97)beschädigt habe. Der vom Kläger eingeholte Voranschlag einesörtlichen Autohauses wies Reparaturkosten in Höhe von 565,94EUR aus. Durch das angefochtene Urteil des AG Freiburg wurde demKläger dieser Betrag zugesprochen. Die Beklagten begründetenihre Berufung beim zuständigen OLG (Wohnsitz der beklagtenSchädigerin in der Schweiz) vor allem damit, der Kläger seiunter dem Gesichtspunkt der Schadenminderung verpflichtet gewesen, denFahrzeugschaden nach der erheblich günstigeren Methode der„lackschadenfreien Ausbeultechnik bei Hagel-/Kastanien- undParkbeulen“ beseitigen zu lassen. Wie zuvor schon das AGschaltete das OLG einen Sachverständigen ein. Er kam zu demErgebnis, die Delle von ca. 1,5 cm sei auf der Basis der anerkanntenAlternativmethode für einen Betrag zwischen 50 und 120 EUR zubeheben.

Entscheidungsgründe

Nicht den fast 5 mal so hohen Betrag lautKostenvoranschlag, sondern die vom Sachverständigen genannten 120EUR hält das OLG für den „erforderlichen“Geldbetrag i.S. des § 249 S. 2 BGB a.F. Die alternativeAusbeultechnik ohne Lackieren sei in ihrem„Wiederherstellungserfolg“ gleichwertig, im konkreten Fallauch anwendbar und werde darüber hinaus auch von dem Autohaus desKlägers praktiziert.

Praxishinweis

Sparlösungen haben derzeit Hochkonjunktur.Wie man sieht, auch bei Justitia. Mit der vorliegenden Entscheidunghaben die KH-Versicherer einen wichtigen Etappensieg errungen.Kostenvoranschläge von Fachwerkstätten auf der Basis dertraditionellen Reparaturtechnik haben sie in der Vergangenheit zumeistgelten lassen; freilich zähneknirschend, denn schon seit Anfangder 90er Jahre gibt es zahlreiche Instandsetzungstechniken, die denkonventionellen kaum unterlegen, dafür aber ganz erheblichbilliger sind. Erstmals hat jetzt ein OLG eine solche Sparmethode(„sanftes Richten“ oder „smart repair“) ineinem Haftpflichtschadenfall anerkannt. Aufhänger ist nicht etwa§ 254 Abs. 2 BGB mit Beweislast beim Schädiger, sondern dasWirtschaftlichkeitspostulat („erforderlich“) in § 249S. 2 BGB a.F. (jetzt Abs. 2 S. 1 der Neufassung). Allerdings hat derSenat seine Sparlinie an die Voraussetzung geknüpft, dass dieWerkstatt, die den Kostenvoranschlag erstellt hat, dieAlternativmethode auch beherrscht und anbietet. Im Streitfall war dasso. Wie zu entscheiden ist, wenn die Werkstatt, die derGeschädigte aufsucht, Unfallschäden ausschließlichkonventionell instand setzt, lässt das OLG im Dunkeln.Unerörtert bleiben auch die spannenden Fragen, wie fiktiv nachGutachten oder konkret im Anschluss an eine Reparatur nach derherkömmlichen Methode abzurechnen ist. An sich dürfte dieWahl der teureren Technik nicht zu Lasten des Geschädigten gehen.Ob sie oder eine Billigvariante zum Zuge kommen kann, ist zunächsteine technische Frage. Die Lackoberfläche darf nichtbeschädigt oder altersbedingt verwittert sein; außerdem mussdie Stelle mit der Delle frei von einem Vorschaden sein. Ohne Gutachtensind alle diese Fragen nicht zu klären.

Quelle: Verkehrsrecht aktuell - Ausgabe 12/2003, Seite 183

Quelle: Ausgabe 12 / 2003 | Seite 183 | ID 107213