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·Fachbeitrag ·Leserforum

Sie fragen - wir antworten

| In diesem Beitrag beantworten wir Fragen unserer Leser zur Abrechnung verschiedener Leistungen: Wie oft ist die optisch-elektronische Abformung berechenbar? Abrechnung eines Mock-up: Was ist zu beachten? Abrechnung eines medizinisch indizierten Sportschutzes? Anlegen von Spanngummi: Wie oft abrechenbar? Erstattungsprobleme bei der GOÄ-Nr. 34: Was tun? |

Wie oft ist die optisch-elektronische Abformung berechenbar?

Frage: „Wie oft ist die optisch-elektronische Abformung bei der Versorgung von Zahn 24 (Vollkeramikkrone) mit einer schwierigen Bisslage berechenbar? Es müssen jeweils Aufnahmen des gesamten OK und UK angefertigt werden und die schwierige Bisslage erfordert drei Aufnahmen.“

 

Antwort: Die Leistung nach der GOZ-Nr. 0065 bildet die optisch-elektronische Abformung einschließlich vorbereitender Maßnahmen, einer einfachen digitalen Bissregistrierung sowie der Archivierung ab. Die Leistung wird je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechnet und kann ggf. bis zu viermal je Sitzung anfallen. Mehr als zwei Abformungen je Kiefer in einer Sitzung sind somit nicht berechnungsfähig und müssten über den Steigerungsfaktor bei der Gebührenbemessung berücksichtigt werden. „Erschwernisse bei der Abformung (Stellungsanomalie)“ oder „Erschwerte Zuordnung der Kiefermodelle zur Bisslage“ sieht die Bundeszahnärztekammer in ihrem GOZ-Kommentar als zusätzlichen Aufwand an, der die Gebührenhöhe beeinflusst.

 

Darüber hinausgehende Bissregistrierungen sind nicht inbegriffen. So können Registrierungen aus dem GOZ-Abschnitt Teil J „Funktionsanalytische und funktionstherapeutische Leistungen“ hinzukommen, zum Beispiel Nr. 8065 für das Registrieren von Unterkieferbewegungen mittels elektronischer Aufzeichnung zur Einstellung voll adjustierbarer Artikulatoren und Einstellung nach den gemessenen Werten.

Abrechnung eines Mock-up: Was ist zu beachten?

Frage: „Wie kann ich ein Mock-up so abrechnen, dass ich den Aufwand einigermaßen ersetzt bekomme?“

 

Antwort: Viele Patienten sind mit ihren Zähnen in Bezug auf Farbe, Form, ZahnsteIlung und Optik unzufrieden und lehnen eine chirurgische und/oder kieferorthopädische Vorbehandlung ab. Eine Korrektur der meist ästhetischen Wünsche insbesondere im Frontzahnbereich kann über ein keramisches Veneer erreicht werden. Insbesondere hier findet ein Mock-up Anwendung.

 

Der Begriff „Mock-up“ kann mit „Attrappe“ übersetzt werden. Mit dieser Methode können im Vorfeld der zahntechnischen Herstellung eines Veneers alle kosmetischen und phonetischen Veränderungen des Patienten aufgezeigt werden. Damit der Patient eine Vorstellung vom Endergebnis bekommt, wird aus den noch nicht präparierten Zähnen das Mock-up-Modell erstellt.

 

Nach Alginatabformung in der Praxis erstellt der Zahntechniker ein Superhartgipsmodell (BEB-Nr. 0002) mit Sägestümpfen (BEB-Nr. 0103; ggf. Nr. 0212 Dowel-Pins oder andere Methode) und setzt die Stümpfe in feuerfester Masse über Duplikate in Einbettmasse um (BEB-Nr. 0112). Darauf erfolgt sein Vorschlag zur Lösung eines solchen Falles über ein „Wax-up“ (BEB-Nr. 0832) in das Mock-up. Das bedeutet: Er ergänzt die Form in Wachs auf dem Gipsmodell und überträgt diese gewonnene Form in Kunststoff, das dann als „Vorführmodell“ im Mund des Patienten anprobiert werden kann, ohne dass in irgendeiner Form ein zahnmedizinischer Eingriff im Vorfeld notwendig ist (BEB-Nr. 0900). Da in der BEB 97‘ keine Ziffer für ein Mock-up existiert, muss diese Ziffer neu aufgenommen werden. Die Auswahl der Nummer bleibt Ihnen überlassen.

 

Das Mock-up erfüllt einige Funktionen: Alle funktionellen Bedingungen können im Mund des Patienten direkt überprüft werden, die phonetische Kontrolle spielt hierbei eine wichtige Rolle. Speziell die F-, S- und SCH-Laute stehen in direktem Zusammenhang mit der Schneidekantenlänge und der Stellung der Frontzähne. Eine Veränderung dieser Positionen kann erhebliche phonetische Störungen bewirken. Umso wichtiger ist es, insbesondere bei einer Veränderung der Frontzähne das Mock-up vorher probieren zu können. Zusätzlich kann der Patient die teils gravierenden Veränderungen in seinem Mundbereich in Ruhe betrachten und beurteilen.

 

Ein Mock-up dient vordergründig auch als Kommunikationsmittel zwischen Zahntechniker, Patient und Zahnarzt. Die erste Modellation und Gestaltung der Zahnform und Zahnlänge soll immer nur als Vorschlag gewertet werden, der dann mit dem Patienten - selbstverständlich unter Beachtung der funktionellen Bedingungen - bis hin zur definitiven Lösung erarbeitet wird. Das Ausmaß der Veränderungen ist mithilfe der Silikonschlüssel deutlich zu erkennen.

 

Ohne die Arbeit mit den Mock-up ist eine Umsetzung in ein keramisches Veneer, das alle ästhetischen und funktionellen Bedingungen erfüllen sollte, kaum möglich. Das Veneer kann sowohl geschichtet (BEB-Nr. 2613), gepresst (BEB-Nr. 2643) oder auch CAD/CAM-technisch gefräst werden. Das Aufpassen erfolgt auf dem Original-Gipsstumpf (BEB-Nr. 1408 - Aufpassen CAD-Element, je Element). Daneben können fallbezogen noch flankierende Leistungen wie Farbauswahl, Desinfektion, individuelles Charakterisieren und Bemalen berechnet werden.

 

Das zahnärztliche Honorar für das Mock-up wird analog entsprechend § 6 Abs. 1 GOZ berechnet. Bei einer nicht notwendigen Verlangensleistung muss eine Vereinbarung nach § 1 Abs. 2 Satz 2 in Verbindung mit § 2 Abs. 3 GOZ vor Behandlungsbeginn getroffen werden.

 

Veneers werden seit dem 1. Januar 2012 nach der GOZ-Nr. 2220 berechnet. Die angeführten BEB-97-Ziffern können nach wie vor verwendet werden. Gemäß § 9 GOZ können als Auslagen für zahntechnische Leistungen die dem Zahnarzt tatsächlich entstandenen Kosten berechnet werden. Es gibt kein vereinbartes Labornummernverzeichnis oder Laborpreise.

Abrechnung eines medizinisch indizierten Sportschutzes?

Frage: „Wir haben einen Privatpatienten, 14 Jahre jung, BMX-Fahrer, der aus medizinischer Sicht einen Sportschutz im Oberkiefer bekommen soll, um weitere Zahnschäden der Oberkiefer-Frontzähne zu vermeiden. Die Zähne 12, 11 und 21 sind bereits mehrfach nach Stürzen mit Eckaufbauten versorgt worden. Wie rechne ich das ab?“

 

Antwort: Die Herstellung eines Sportschutzes ist weder in der GOZ noch in der GOÄ beschrieben. Somit handelt es sich hierbei um eine Analogleistung im Sinne des § 6 Abs. 1 GOZ, der besagt, dass selbstständige zahnärztliche Leistungen, die in das Gebührenverzeichnis nicht aufgenommen sind, entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses der GOZ berechnet werden können. Sofern eine gleichwertige Leistung in der GOZ nicht enthalten ist, kann eine gleichwertige Leistung aus der GOÄ berechnet werden. Diese Ansicht vertritt auch die Bundeszahnärztekammer mit ihrer neu herausgegebenen Analogliste.

Anlegen von Spanngummi: Wie oft abrechenbar?

Frage: „Wenn ich Zahn 26 behandle und für drei Zähne loche, darf ich den Kofferdam dann drei- bzw. viermal abrechnen?“

 

Antwort: Die GOZ-Nr. 2040 (Anlegen von Spanngummi) kann gemäß der Leistungsbeschreibung einmal je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich abgerechnet werden, wobei der Bereich zu Grunde gelegt wird, über den der Gummi gespannt wird. Wenn also für 26 drei Zähne gelocht werden, kann Nr. 2040 einmal abgerechnet werden. Die Abrechnung wäre ein weiteres Mal nur möglich, wenn der Bereich der zweiten Kieferhälfte mit eingespannt werden müsste.

Erstattungsprobleme bei der GOÄ-Nr. 34: Was tun?

Frage: „Ich habe Erstattungsprobleme mit der GOÄ-Nr. 34, die ich bei einer einstündigen ausführlichen Beratung vor Insertion mit Augmentation in Rechnung gestellt habe. Eine Erstattung wird verweigert, obwohl diese Ziffer für Zahnärzte eröffnet wurde.“

 

Antwort: Ständige Erstattungsprobleme zur GOÄ-Nr. 34 (Erörterung - Dauer mindestens 20 Minuten - der Auswirkungen einer Krankheit auf die Lebensgestaltung ...) sind uns bekannt. Um die Leistung abrechnen zu können, muss der Beratung eine gravierende Zahn-, Mund- und Kiefererkrankung mit nachhaltig lebensverändernden Folgen zu Grunde liegen. Die Abrechnung kommt daher etwa in Betracht bei umfangreichen Implantatversorgungen, Totalprothetik nach Reihenextraktionen, Eingliederung von Obturatoren oder Epithesen, Unfallverletzungen, schwer therapierbaren Parodontitisformen oder im Zusammenhang mit Tumorerkrankungen im Mund- und Kieferbereich. Rechtsprechungen zur Untermauerung sind uns leider nicht bekannt.

Quelle: Ausgabe 01 / 2013 | Seite 16 | ID 37344830