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Kieferorthopädie, Teil 1

Die Berechnung der kieferorthopädischen Privatbehandlung: Untersuchungen und Beratungen

In einer Beitragsserie wollen wir Ihnen diegängigen Gebührenpositionen vorstellen, die für diekieferorthopädische Behandlung eines Privatpatienten berechnetwerden können. In dieser Ausgabe werden die bei einerkieferorthopädischen Erstberatung infrage kommendenGebührenpositionen erörtert.

Der erste Arzt-Patienten-Kontakt

Da Inhalt und Umfang einer Beratung in der Phaseder ersten Kontaktaufnahme verschieden sein können und davonabhängen, ob im Anschluss an die Beratung einekieferorthopädische Behandlung in der eigenen Praxisdurchgeführt wird oder eine Überweisung zu einemKieferorthopäden erfolgt, werden nachfolgend beideFallgestaltungen erörtert.

1. Die Erstberatung durch den Zahnarzt

Die kieferorthopädische Beratung durch denHauszahnarzt, der selbst keine kieferorthopädischen Behandlungendurchführt, beschränkt sich im Wesentlichen auf die Frage derIndikation und des richtigen Zeitpunktes für die Einleitungtherapeutischer Maßnahmen. Liegt nach Auffassung desHauszahnarztes eine behandlungsbedürftige Zahnstellungs- oderBissanomalie vor, so wird der Patient zu einer Untersuchung undumfassenden Beratung an einen Kieferorthopäden überwiesen.Bei dieser Erstberatung durch den Zahnarzt können folgendeGebühren-Positionen infrage kommen:

a) Untersuchungen

Die eingehende Untersuchung kann ohne zeitlicheBeschränkung berechnet werden; die Vier-Monats-Frist des Bema hathier keine Gültigkeit. Kurzfristig aufeinanderfolgendeUntersuchungen (Kontrolluntersuchungen) erfüllen aber nicht denLeistungsinhalt der „eingehenden“ Untersuchung.

Der Wunsch nach kieferorthopädischer Beratungentsteht bei den Eltern behandlungsbedürftiger Kinder und auch beiErwachsenen vor allem dadurch, dass sie selbst ein sichtbaresEinzelsymptom bemerkt haben. In solchen Fällen kann bereits einekurze symptombezogene Untersuchung ausreichen, um den Patienten nachErörterung des Untersuchungsergebnisses an einen Spezialisten zuüberweisen.

Mancherorts wird die Berechnung einer Untersuchungnach Nr. Ä 6 empfohlen. Die Leistung nach Nr. Ä 6 ist jenotwendige Untersuchung des stomatognathen Systemsberechnungsfähig. Eine zeitliche Beschränkung gibt es nicht.Diese Position ist genauso bewertet wie die GOZ-Nr. 001 – aberohne einen orientierenden Parodontalbefund zu fordern. FinanzielleUnterschiede ergeben sich wegen der zwischen GOZ und GOÄdifferierenden Punktwerte.

Dieser „Kinder-Zuschlag“ gilt nichtfür Behandlungsmaßnahmen. Der Zuschlag K1 ist nur imZusammenhang mit Untersuchungen – und nur zum einfachenGebührensatz – berechnungsfähig. Damit wird dembesonderen Schwierigkeitsgrad bei Untersuchungen von Kindern bis zumvollendeten vierten Lebensjahr Rechnung getragen.

b) Beratung

Die durch die Untersuchung gewonnenen Erkenntnissewerden mit dem Patienten bzw. den Eltern erörtert und entsprechendberaten; auf eine detaillierte kieferorthopädische Beratung unterDarstellung der Therapiemöglichkeiten und Apparatesysteme wirdwohl der die Behandlung selbst nicht durchführende Zahnarzt zudiesem Zeitpunkt verzichten. Die Nr. Ä1 kann neben der Nr. 001oder Ä5 bzw. Ä6 in derselben  Sitzung abgerechnet werden.

Die Leistung nach Nr. Ä 3 ist eine eingehendeBeratung, in der sich der Zahnarzt seinem Patienten bzw. den Elternbesonders und ausschließlich zuwendet. Während dieserBeratungszeit darf deshalb auch nur eine Untersuchung durchgeführtund berechnet werden, nicht jedoch eine andereBehandlungsmaßnahme.

Die Nr. Ä 3 kann nur als einzige Leistung inderselben Sitzung oder im Zusammenhang mit der GOZ-Nr. 001(Untersuchung) bzw. einer Untersuchung nach den GOÄ-Nrn. 5 oder 6berechnet werden.

Bei Berechnung der Nr. Ä 3 muss die Mindestdauer von 10 Minuten auf der Rechnung genannt werden.

c) Überweisung

Die Nr. Ä 2 darf bei einer Inanspruchnahmedes Arztes nicht zusammen mit anderen Gebühren berechnet werden.Für das Ausstellen einer Überweisung zur Durchführungder kieferorthopädischen Therapie kann die Nr. Ä2 nur als„alleinige“ Leistung in derselben Sitzung berechnet werden,also nicht neben anderen GOÄ- oder GOZ-Nummern. Vorsicht: Es giltder „kleine“ Gebührenrahmen, also der 1- bis 2,5-facheSatz.

Die Nr. Ä 70 ist berechenbar, wenn es sich umeine kurze schriftliche Mitteilung handelt. Sie ist auch für dasAusstellen einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung für denArbeitgeber oder auch für andere Bescheinigungen – zumBeispiel über die zeitliche Anwesenheit in der Praxis für dieSchule oder den Ausbildungsbetrieb – berechnungsfähig.Ausführliche Äußerungen mit wertender kritischerStellungnahme hingegen sind Leistungsinhalt der GOÄ-Nr. 75.

2. Die kieferorthopädische Erstberatung

Die Grundlage für diekieferorthopädische Behandlung wird durch eine eingehende Beratunggelegt, nachdem zuvor die Anamnese erhoben und die Befundunterlagenhergestellt wurden. Im Rahmen dieser eingehendenkieferorthopädischen Erstberatung werden die Patientendatenerfasst und die fachspezifische Anamnese sowie der Befund mittelsklinischer Untersuchung erhoben. Daraufhin wird geklärt, ob eineBehandlung erforderlich ist und wann mit der Behandlung begonnen werdensollte. Gemeinsam mit dem Patienten bzw. den Patienten-Eltern wirderörtert, welche therapeutischen Möglichkeiten unter Einsatzwelcher Apparate-Systeme zur Verfügung stehen.

a) Klinische Untersuchung

Die eingehende kieferorthopädische Erstberatung beginnt in der Regel mit der klinischen Untersuchung nach GOZ-Nr. 001 oder auch nach GOÄ-Nr. 6.

Der Leistungsdefinition nach bezieht sich dieUntersuchung nach Nr. Ä 6 auf das komplexe stomatognathe System,während sich die Untersuchung nach GOZ-Nr. 001 auf eventuellvorliegende Erkrankungen der Systemteile Zahn, Mund, Kiefer undParodontium bezieht. Daher ist es vertretbar, beideGebührenpositionen nebeneinander zu berechnen, wenntatsächlich einmal die „Einzelteile“ des Systemsuntersucht und zum anderen das stomatognathe „System“beurteilt wird (siehe auch GOZ-Kommentar„Liebold/Raff/Wissing“, Asgard-Verlag).

In diesem Zusammenhang sei nochmals auf die Möglichkeit zur Berechnung des GOÄ-Zuschlages K 1 verwiesen, falls der untersuchte Patient das vierte Lebensjahr noch nicht vollendet hatte.

b) Beratung

Auf Grund des klinischen Befundes wirdabgeklärt und mit dem Patienten bzw. den Patienten-Elternerörtert, ob die festgestellten Fehlstellungen die Einleitungkieferorthopädischer Behandlungsmaßnahmen rechtfertigen undzu welchem Zeitpunkt die Therapie begonnen werden sollte. Hinzu kommtdie eingehende Beratung über Art und Risiken der Therapie sowieüber mögliche Folgen im Falle der Nichtbehandlung.

Diese Beratung dauert in der Regel länger als 10 Minuten, so dass hierfür die Berechnung der GOÄ-Nr. 3 infrage kommt.

c) Arztbrief, Konsilium

Im Zusammenhang mit der kieferorthopädischenBehandlung kommt die Nr. Ä 75 beispielsweise zur Abrechnung, wennder Kieferorthopäde schriftliche Informationen an denüberweisenden Zahnarzt, einen Zahnarzt für Kieferchirurgie,einen Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten oder einen anderenArzt (Hausarzt) über Befund und/oder Therapie gibt.

Vordrucke, auf denen Überweisungen zurExtraktion von Zähnen oder zur konservierenden Behandlungmitgeteilt werden, erfüllen den Leistungsinhalt der GOÄ-Nr.Ä 75 nur dann, wenn ein Hinweis auf Befund und/oder Therapiegegeben wurde.

Der Bericht nach Nr. Ä 75 ist auch im Verlaufeiner kieferorthopädischen Behandlung berechnungsfähig. Ersollte aber immer unter anderem Hinweise zum Krankheitsverlauf, zurDiagnose und Therapie sowie zu Nachsorgemaßnahmen enthalten.

Die Schreibgebühren (Nrn. Ä 95, Ä96) können nicht zusätzlich berechnet werden, da diesePositionen nur in Verbindung mit gutachterlichen Stellungnahmen (Nrn.Ä 80, Ä 85) abrechenbar sind. Die Portokosten werden alsAuslagenersatz gesondert berechnet.

Ein Konsilium ist die Beratung zweier odermehrerer Ärzte oder Zahnärzte nach vorausgegangenerUntersuchung eines Kranken zwecks Stellung der Diagnose oder Festlegungdes Heilplanes. Hieraus ergeben sich folgende Feststellungen:

  • Die liquidierenden Zahnärzte haben sich zuvor bzw. inunmittelbarem zeitlichen Zusammenhang persönlich mit dem Patientenund dessen Erkrankung befasst.
  • Es besteht keine Einschränkung hinsichtlich der Fachgebiete der beratenden Ärzte.
  • Der Inhalt des Gesprächs muss zumindest stichpunktartig in der Karteikarte dokumentiert werden.
  • Voraussetzungfür die Berechnung ist ferner, dass über den weiteren Verlaufeiner Behandlung beraten werden muss; bloße Erkundigungen nachbestimmten Ergebnissen einer Behandlung sind nicht ausreichend.
  • Die Einholung von Diagnosen, Anamnesen und Befunden bei einem anderen Arzt stellt kein Konsilium dar.
  • DieGOÄ-Nr. 60 ist nicht berechnungsfähig, wenn die beratendenZahnärzte derselben Gemeinschaftspraxis oder einerPraxisgemeinschaft angehören.

Es können die gegebenenfalls anfallenden Telefongebühren abgerechnet werden.

Quelle: Privatliquidation aktuell - Ausgabe 09/2002, Seite 7

Quelle: Ausgabe 09 / 2002 | Seite 7 | ID 104745