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01.02.2007 | Abrechnung nach GOZ/GOÄ

Wichtiges Abrechnungswissen kompakt: Exzision und Inzision

Dass Abszesse geöffnet werden müssen oder eine Zahnfleischwucherung bzw. Granulationsgewebe zu entfernen ist, kommt relativ häufig vor. Abrechnungstechnisch steckt hier wie so oft der Teufel im Detail. Was bei der Abrechnung derartiger chirurgischer Maßnahmen zu berücksichtigen ist und welche Möglichkeiten sich bieten, erläutert der folgende Beitrag. 

Acht Positionen zur Abrechnung von Exzision und Inzision

Die folgenden acht Gebührennummern, teils aus der GOZ und teils aus der GOÄ, stehen dem Zahnarzt in der ambulanten Praxis zur Abrechnung von Exzisionen und Inzisionen zur Verfügung:  

 

GOZ-Nr. 307 

Exzision von Schleimhaut oder Granulationsgewebe, als selbstständige Leistung 

GOZ-Nr. 308 

Exzision einer Schleimhautwucherung größeren Umfangs (zum Beispiel lappiges Fibrom, Epulis) 

GOÄ-Nr. 2401 

Probeexzision aus oberflächlichem Körpergewebe (zum Beispiel Haut, Schleimhaut, Lippe) 

GOÄ-Nr. 2403 

Exzision einer in/unter der Haut oder Schleimhaut liegenden kleinen Geschwulst 

GOÄ-Nr. 2404 

Exzision einer größeren Geschwulst (zum Beispiel Ganglion, Fasziengeschwulst, Fettgeschwulst, Lymphdrüse, Neurom) 

GOÄ-Nr. 2428 

Eröffnung eines oberflächlich unter der Haut oder Schleimhaut liegenden Abszesses oder eines Furunkels 

GOÄ-Nr. 2430 

Eröffnung eines tief liegenden Abszesses 

GOÄ-Nr. 2432 

Eröffnung einer Phlegmone 

Die Abrechnung von Exzisionen

Der Unterschied zwischen dem Leistungsinhalt der GOZ- Nrn. 307 und 308 liegt in der Art bzw. dem Umfang des entfernten Gewebes sowie in der Zahnbezogenheit der Maßnahme. Während sich die Nr. 307 auf das Beseitigen von Granulationsgewebe und kleinen Schleimhautbezirken an Zähnen bezieht, rechnet man die Nr. 308 für die Exzision von größeren Schleimhautwucherungen ab, die auch in zahnlosen Bereichen zu finden sind. Die Art der Vorgehensweise – das heißt, ob die Gewebeentfernung mittels Skalpell, Elektrotom oder auch Laser erfolgt – spielt für die Abrechnung grundsätzlich keine Rolle. Allenfalls kann die Verwendung eines neu entwickelten, besonders aufwändigen Gerätes eine Erhöhung des Steigerungsfaktors rechtfertigen. 

 

Berechnungshäufigkeit der Nr. 307 umstritten

Während einige GOZ-Kommentare der Auffassung sind, die GOZ-Nr. 307 könne analog zur Bema-Position Exz 1 je Zahn und damit ggf. für die Entfernung unmittelbar zusammenhängender Schleimhautbezirke mehrfach berechnet werden, verweisen andere auf das Urteil des Verwaltungsgerichts Düsseldorf vom 10. Juni 1996 (Az: 10 K 15186/94), in dem es heißt: „Die Gebührennummer 307 ist nicht je Zahn, sondern nur einmal für die gesamte Maßnahme ansetzbar.“ Demnach wäre die GOZ-Nr. 307 nur dann mehrfach berechnungsfähig, wenn in einer Sitzung mehrere ortsgetrennte Exzisionen durchgeführt werden. Erfahrungsgemäß erheben die meisten privaten Krankenversicherungen gegen den Ansatz je Zahn keine Einwände.  

 

GOZ-Nr. 307 nur als selbstständige Leistung abrechenbar

Die Einschränkung „nur als selbstständige Leistung“ wird immer wieder fälschlicherweise mit der Vorschrift „als alleinige Leistung“ verwechselt. Während eine alleinige Leistung jedoch die einzige ist, für die in einer bestimmten Sitzung eine Gebührennummer angesetzt werden kann, bedeutet „selbstständige Leistung“ lediglich, dass die betreffende Gebührennummer nicht abrechenbar ist, wenn die Maßnahme im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit einer übergeordneten Verrichtung erbracht wird, der sie als notwendige Teilleistung zuzurechnen ist. 

 

Beispiel 

Wird nach der operativen Entfernung eines verlagerten Weisheitszahnes vor der Adaptation der Wundränder zum Zweck des Vernähens „überschüssige“ Schleimhaut entfernt, so handelt es sich zwar unstrittig um eine Exzision; diese ist jedoch nicht unter der Nr. 307 berechenbar, weil sie im ursächlichen Zusammenhang mit der Wundversorgung nach der Zahnentfernung und damit nicht als selbstständige Leistung erfolgt. 

Dagegen ist eine Leistung nach der Nr. 307 durchaus neben einer konservierenden oder prothetischen Leistung abrechenbar, deren „Bestandteil oder besondere Ausführung“ (gemäß § 4 Abs. 2 GOZ) sie ja naturgemäß nicht sein kann. Dies haben mehrere Gerichte ausdrücklich bestätigt. Beispielhaft sei hier das Urteil des Landgerichts Duisburg vom 24. Juni 1994 (Az: 4 S 473/92) angeführt, in dem es um die Berechnung neben einer Aufbaufüllung bzw. provisorischen Krone geht. Darin heißt es: „Die Gebühren-Nr. 307 darf für die Exzision von Schleimhaut oder von Granulationsgewebe auch neben den Gebühren für eine an demselben Zahn und am gleichen Tag vorgenommene Aufbaufüllung (Gebühren-Nr. 218) bzw. für eine provisorische Krone (Gebühren-Nr. 227) berechnet werden.“ 

 

Anstelle der Nr. 307 ggf. Nr. 408 abrechnen

Betrifft die Exzision von Zahnfleisch, beispielsweise die Entfernung gewucherter Papillen, das Gebiet mehrerer benachbarter Zähne, so ist kritisch zu prüfen, ob es sich dabei nicht vielleicht um eine Maßnahme im Sinne einer Gingivektomie bzw. Gingivoplastik handelt. Ist dies der Fall (Dokumentation!), so empfiehlt es sich, anstelle der GOZ-Nr. 307 die gleich hoch bewertete Nr. 408 („Gingivektomie, Gingivoplastik, je Parodontium“) heranzuziehen, aus deren Leistungsbeschreibung eindeutig hervorgeht, dass sie je Zahn abrechenbar ist. Außerdem fehlt hier der Zusatz „als selbstständige Leistung.“ 

 

Das gilt auch, wenn die Gingivektomie mittels Elektrotom im Zusammenhang mit anderen Verrichtungen, beispielsweise einer Kronenpräparation, durchgeführt wird. Dies hat die Bundeszahnärztekammer in ihrer Stellungnahme vom Juni 1999 explizit befürwortet: „Der Einsatz elektrochirurgischer Maßnahmen am Parodontium in Verbindung mit prothetischen oder konservierenden Maßnahmen ist nach Gebühren-Nr. 408 GOZ berechnungsfähig.“  

 

GOZ-Nr. 203 höher bewertet als Nr. 307

Hinsichtlich der Bewertung noch günstiger ist der Ansatz der GOZ-Nr. 203 („Besondere Maßnahmen beim Präparieren oder Füllen von Kavitäten – zum Beispiel Separieren, Beseitigen störenden Zahnfleisches, Stillung einer übermäßigen Papillenblutung – je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich“). Bei Zugrundelegung eines 2,3-fachen Multiplikators erbringt sie ein Honorar von 8,40 Euro im Vergleich zu lediglich 5,82 Euro für die Nr. 307. Allerdings ist die Nr. 203 für das Beseitigen von Zahnfleisch eben nur einmal je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich berechenbar. Der Ansatz ist daher nur vorteilhaft, wenn die Schleimhautexzision einen Bereich betrifft, für die die Nr. 307 nur einmal berechnungsfähig ist.  

 

In jedem einzelnen Fall muss daher in Bezug auf die Art der Leistung und die Anzahl der betroffenen Zähne genau geprüft werden, welche der drei GOZ-Nrn. 203, 307 oder 408 am günstigsten heranzuziehen ist. 

 

GOZ-Nr. 308 je separater Geschwulst abrechenbar

Im Gegensatz zum Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 307 geht es bei der GOZ-Nr. 308 nicht um die Beseitigung von Zahnfleisch oder Granulationsgewebe im Bereich eines Zahnes, sondern um die Entfernung einer Schleimhautgeschwulst, wie sie auch im zahnlosen Kiefer vorkommt, wobei die Bezeichnungen „lappiges Fibrom oder Epulis“ nur beispielhaft zu verstehen sind.  

 

Dabei ist die Nr. 308 je separates Operationsgebiet berechenbar. Hat sich also beispielsweise infolge mangelhaften Sitzes einer OK-Totalprothese eine größere zusammenhängende fibromatöse Wucherung gebildet, so rechtfertigt deren Entfernung lediglich den einmaligen Ansatz der Nr. 308, während für die Exzision örtlich getrennter Neubildungen im rechten und linken Oberkiefer die Nr. 308 zweimal berechnet werden kann. 

 

Entfernung eines Schlotterkammes: GOÄ-Nrn. 2670 und 443

Die GOZ-Nr. 308 wird für die Entfernung einer lokal begrenzten Geschwulst abgerechnet. Handelt es sich bei der Wucherung dagegen um eine ausgedehnte Neubildung im Sinne eines Schlotterkammes, berechtigt dessen Exzision zum Ansatz der GOÄ-Nr. 2670. Diese wird je Kieferhälfte oder Frontzahnbereich, also in einem Kiefer höchstens zweimal, berechnet. Außerdem kann daneben noch der Operationszuschlag 443 angesetzt werden. Der erforderliche erhebliche Mehraufwand wird allein schon aus der Honorierung deutlich: Im Vergleich zur GOZ-Nr. 308 ist die GOÄ-Nr. 2670 (ohne Nr. 443) mehr als viermal so hoch bewertet. 

 

GOÄ-Nummern für eine Exzision nur in Ausnahmefällen abrechenbar

Von den drei oben angeführten GOÄ-Nrn. 2401, 2403 und 2404 spielt für die zahnärztliche Praxis allenfalls die Nr. 2401 eine gewisse Rolle. Man rechnet sie für eine Probeexzision, also für die Entnahme von Gewebe aus der Mundschleimhaut zur histologischen Untersuchung – mithin für eine diagnostische Maßnahme – ab. Ergibt sich daraus die Notwendigkeit, die betroffene Schleimhaut in einer späteren Sitzung zu entfernen, so wird dies unter einer der genannten Gebührennummern – vorzugsweise unter der GOZ-Nr. 308 – separat abgerechnet.  

 

Dagegen ergibt der Ansatz der GOÄ-Nr. 2403 für die Entfernung einer Geschwulst allein schon von der Bewertung her keinen Sinn, da sie ein niedrigeres Honorar als die GOZ-Nr. 308 erbringt. Da Gerichte zudem die Auffassung vertreten, der Zahnarzt müsse grundsätzlich zuerst auf seine eigene Gebührenordnung zurückgreifen und dürfe Abrechnungspositionen aus der GOÄ nur ausnahmsweise heranziehen, spielt für den Zahnarzt bei der Entfernung einer Geschwulst auch die geringfügig unterschiedliche Leistungsbeschreibung der GOÄ-Nr. 2403 im Vergleich zur GOZ-Nr. 308 keine Rolle. 

Inzision: Abrechnung grundsätzlich nach GOÄ-Nummern

Obwohl die Eröffnung eines Abszesses eine in der Praxis relativ häufig durchgeführte Maßnahme darstellt, findet sich dafür in der GOZ keine Gebührennummer. Der Zahnarzt ist daher gezwungen, die Leistung unter einer Nummer aus der GOÄ abzurechnen, wobei er je nach Lokalisation des Abszesses eine der beiden Nrn. Ä 2428 (oberflächlich) oder Ä 2430 (tief liegend) ansetzen kann. Als tief liegend gilt in diesem Zusammenhang ein Abszess, der sich nicht einfach durch Einschnitt mit einem Skalpell spalten lässt, dessen Eröffnung also das Vordringen mit geeigneten Instrumenten in tiefere Gewebsschichten erfordert. Beispielhaft seien hier zwischen den Kaumuskeln gelegene Logenabszesse sowie retromaxilläre und perimandibuläre Abszesse genannt. Dagegen kommt die Eröffnung einer Phlegmone in der zahnärztlichen Praxis nur in sehr seltenen Ausnahmefällen vor, sodass die GOÄ-Nr. 2432 abrechnungstechnisch kaum eine Rolle spielt. 

 

Neben der jeweiligen Gebührennummer für die Eröffnung eines Abszesses oder einer Phlegmone kann jede Form der Anästhesie abgerechnet werden. Dagegen sind Maßnahmen der primären Wundversorgung im Leistungsumfang enthalten und nicht separat berechenbar. 

 

Neben GOÄ-Nrn. 2430 und 2432 Zuschläge berechenbar

Für die ambulante Eröffnung eines tief liegenden Abszesses kann neben der Nr. Ä 2430 und für die Eröffnung einer Phlegmone neben der Nr. Ä 2432 noch der Operationszuschlag 442 angesetzt werden. Zusätzlich ist bei Durchführung der Maßnahme mittels Laser jeweils die Berechnung des Zuschlages 441 (in Höhe des Einfachsatzes der jeweiligen Leistungsnummer) möglich. Beide Zuschläge sind neben der Nr Ä 2428, also im Zusammenhang mit der Eröffnung eines lediglich oberflächlichen Abszesses, nicht ansatzfähig. 

Quelle: Ausgabe 02 / 2007 | Seite 8 | ID 109902