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04.06.2008 | Abrechnung nach GOZ/GOÄ

Häufige Fragen und Antworten zu Langzeitprovisorien

In der Mai-Ausgabe von „Privatliquidation aktuell“ haben wir Fragen zu temporären Füllungen sowie provisorischen Hülsen, Kronen und Brücken beantwortet. Diesmal geht es um eine spezielle Form der vorübergehenden Versorgung präparierter Zähne: die – in der Regel laborgefertigten – Langzeitprovisorien. Dazu enthält die GOZ folgende drei Positionen: 

 

GOZ-Nr. 708 

Versorgung eines Kiefers mit einem Interimszahnersatz als Langzeitprovisorium, je Krone 

GOZ-Nr. 709 

Versorgung eines Kiefers mit einem Interimszahnersatz als Langzeitprovisorium, je zu überbrückende Spanne oder Freiendsattel 

GOZ-Nr. 710 

Maßnahmen zur Wiederherstellung der Funktion eines Interimszahnersatzes, je Krone, Spanne oder Freiendsattel 

Ab welcher Tragezeit ist ein Provisorium ein Langzeitprovisorium?

In der GOZ findet sich hierzu lediglich folgende Bestimmung: „Die Leistungen nach den Nummern 708 und 709 sind nicht in zeitlichem Zusammenhang mit der Herstellung von endgültigem Zahnersatz berechnungsfähig.“ Damit ist zwar kein exakter Zeitraum definiert, aber der Zusatz „nicht im zeitlichen Zusammenhang“ ist wohl so zu verstehen, dass zwischen der – provisorischen – Präparation der Zähne und der Herstellung der definitiven Kronen bzw. Brücken ein behandlungsbedingter längerer Zeitraum liegen muss, beispielsweise weil die Verheilung des Alveolarknochens nach umfangreichen Extraktionen abgewartet oder zwischenzeitlich eine Par-Behandlung durchgeführt werden soll. 

 

Bedarf die Verwendung eines Langzeitprovisoriums einer Begründung?

Nein. Aus dem Behandlungsverlauf sollte jedoch eindeutig die Notwendigkeit einer außergewöhnlich langen provisorischen Versorgung der präparierten Zähne hervorgehen. 

 

Gibt es in Bezug auf ein Langzeitprovisorium eine Obergrenze des berechenbaren zahntechnischen Aufwandes?

Nein, die anfallenden angemessenen zahntechnischen Laborkosten sind grundsätzlich in voller Höhe berechenbar.  

 

Kann die GOZ-Nr. 708 auch für provisorische Kronen berechnet werden, die nicht unmittelbar an eine Brückenspanne grenzen?

Ja. Im Gegensatz zu den GOZ-Nrn. 227 und 512, die je nachdem angesetzt werden, ob die betreffende provisorische Krone lückenbegrenzend ist oder nicht, berechnet man die Nr. 708 für jede als Langzeitprovisorium verwendete temporäre Krone. 

 

Kann bei einem Langzeitprovisorium, das zur temporären Versorgung einer distalen Freiendlücke verwendet wird, immer die GOZ-Nr. 709 berechnet werden?

Nein, das ist nur dann möglich, wenn die provisorische Brücke eine frei endende Spanne aufweist. Zwar ist im Text zur GOZ-Nr. 709 ausdrücklich auch von einem Freiendsattel die Rede, dieser muss aber als Voraussetzung zur Berechnung tatsächlich vorhanden sein. Werden beispielsweise die Zähne 34 und 35 für die Versorgung mit einer Freiendbrücke (K-K-B) präpariert, reicht es in der Regel aus, die beiden beschliffenen Zähne zu schützen. Ist es jedoch – nach Extraktion des Zahnes 36 während der anschließenden Abheilungszeit – erforderlich, einen antagonistenlosen oberen Molaren durch eine provisorische Freiendspanne am Elongieren zu hindern, so berechtigt dies zum Ansatz der Nr. 709. 

 

Kann die GOZ-Nr. 708 auch für ein provisorisches Inlay berechnet werden, wenn dieses außergewöhnlich lange im Mund verbleibt?

Nein, da im Text der GOZ-Nr. 708 ausdrücklich von einer Krone die Rede ist. Hierzu das Urteil des Amtsgerichts Aachen vom 9. August 1993 (Az: 12 C 127/93): „Die GOZ-Nr. 708 ist für eine Langzeitrestauration dann nicht berechenbar, wenn später als definitive Versorgung statt einer Krone eine Einlagefüllung durchgeführt wird.“ 

 

Wenn vor der Eingliederung eines laborgefertigten Langzeitprovisoriums zunächst ein direkt angefertigtes Provisorium verwendet wird – ist dieses dann zusätzlich berechenbar?

Ja. So muss etwa im Fall eines zu extrahierenden Frontzahnes, bei dem die Lücke während der Abheilungszeit nicht mit einer herausnehmbaren Interimsprothese, sondern mit einem fest sitzenden Langzeitprovisorium geschlossen werden soll, nach der Präparation der Pfeilerzähne zunächst eine nach üblichen Verfahren hergestellte provisorische Brücke eingegliedert werden. Diese wird nach den GOZ-Nrn. 227, 512 und 514 berechnet. Wird sie nach einigen Tagen durch ein laborgefertigtes Langzeitprovisorium ersetzt, so fallen hierfür zusätzlich die GOZ-Nrn. 708 und 709 an. 

 

Kann man das Abnehmen und Wiederbefestigen desselben Langzeitprovisoriums in Rechnung stellen?

Nein. Die GOZ enthält hierzu folgende eindeutige Bestimmung: „Die Wiedereingliederung desselben Interimszahnersatzes, ggf. auch mehrmals, einschließlich Entfernung ist mit den GOZ-Nrn. 708 bis 710 abgegolten.“ Müssen an dem Langzeitprovisorium jedoch vor dem Wiedereingliedern funktionsverbessernde oder -wiederherstellende Maßnahmen – zum Beispiel die Rand- oder Oberflächenbearbeitung einer Krone oder einer Brückenspanne – durchgeführt werden, so ist hierfür – je Krone oder Spanne – die GOZ-Nr. 710 ansatzfähig. 

 

Kann man die Abnahme eines fest zementierten Langzeitprovisoriums abrechnen?

Das ist in Ausnahmefällen unter der GOZ-Nr. 229 möglich. Voraussetzung ist, dass es einen nachvollziehbaren Grund gibt, das Langzeitprovisorium fest zu zementieren, und dass die Abnahme einen vergleichbaren Aufwand wie bei einer definitiven Krone erfordert. Die Bundeszahnärztekammer hat dazu folgende Stellungnahme veröffentlicht: „Die Entfernung eines notwendigerweise fest einzementierten Provisoriums wird nach der GOZ-Nr. 229 berechnet.“ 

 

Kann die GOZ-Nr. 710 für den Fall, dass ein Langzeitprovisorium mehrfach repariert werden muss, wiederholt berechnet werden?

Grundsätzlich ist dies möglich. Allerdings sollten hierfür behandlungsbedingte Gründe vorliegen. Bei einem Langzeitprovisorium, das beispielsweise im Lauf der Tragezeit mehrfach bricht und wieder instandgesetzt werden muss, muss damit gerechnet werden, dass die sachgerechte Herstellung in Zweifel gezogen wird. 

 

Kann man für die provisorische Präparation der Zähne, die anschließend mit einem Langzeitprovisorium versorgt werden, Teilleistungen nach den GOZ-Nrn. 223, 224, 505 oder 506 berechnen?

Hier handelt es sich um eine „uralte“ Streitfrage, derentwegen es zwischen Zahnärzten und Kostenerstattern immer wieder zu Differenzen kommt. Fest steht, dass durch die provisorische Präparation der Zähne der Leistungsinhalt der fraglichen GOZ-Nummern erfüllt ist, sodass grundsätzlich nichts gegen ihren Ansatz spricht. 

 

Hierzu existiert ein bestätigendes Urteil des Amtsgerichts Homburg vom 30. Juni 1993 (Az: 2 C 1051/92): „Die GOZ-Nrn. 224 und 506 sind neben den GOZ-Nrn. 708 und 709 berechnungsfähig, da Leistungen, auch Teilleistungen, zur Versorgung von Zähnen mit Kronen oder Brücken keine zahnärztlichen Maßnahmen zum Schutz dieser Zähne beinhalten, so dass bei einer Interimsversorgung von Zähnen oder Zahnlücken die genannten Gebührennummern nochmals in Ansatz gebracht werden können.“ 

 

Kann man für die jahrelange provisorische Versorgung eines frakturierten Zahnes bei einem Kind anstelle der GOZ-Nr. 225 die Nr. 708 berechnen?

Ja, da die unter der GOZ-Nr. 225 berechnete „Eingliederung einer konfektionierten Krone in der pädiatrischen Zahnheilkunde“ keinesfalls auf Milchzähne beschränkt ist. Vielmehr kann davon auch ein bleibender Zahn betreffen sein, der nach Abschluss des Gebisswachstums mit einer definitiven Krone versehen werden soll, wie dies gar nicht so selten bei frakturierten Schneidezähnen jugendlicher Patienten vorkommt. 

 

Der Leistungsinhalt der GOZ-Nr. 708 ist in einem solchen Fall erfüllt, sofern es sich bei der „Kinderkrone“ um eine vorübergehende Versorgung des Zahnes handelt, der irgendwann – nicht in unmittelbarem zeitlichen Zusammenhang (!) – die definitive Überkronung folgt. Mit einem Einfachsatz von 25,31 Euro im Vergleich zu 11,81 Euro ist die Nr. 708 mehr als doppelt so hoch bewertet wie die Nr. 225. Die anfallenden Material- und Laborkosten, die in der Regel deutlich höher sind als die Kosten für eine konfektionierte Krone, können zusätzlich in Rechnung gestellt werden. 

 

Quelle: Ausgabe 06 / 2008 | Seite 10 | ID 119709