logo logo
Meine Produkte: Bitte melden Sie sich an, um Ihre Produkte zu sehen. Anmelden
Menu Menu
MyIww MyIww
Jetzt testen

07.10.2008 |Abrechnung nach GOZ

Fragen und Antworten zu Wurzelspitzenresektionen und Zystenoperationen

Infolge der technischen Verbesserungen und der dadurch erweiterten Indikation von Wurzelbehandlungen gelingt es heute immer häufiger, periapikale Veränderungen allein durch endodontische Maßnahmen zum Abheilen zu bringen. Entsprechend haben Wurzelspitzenresektionen (WSR) nicht mehr die Bedeutung früherer Zeiten. Dennoch ist die chirurgische Therapie einer apikalen Parodontitis und vor allem einer radikulären Zyste viel auch heute noch die letzte Möglichkeit, den fraglichen Zahn zu erhalten. Im Zusammenhang mit derartigen Maßnahmen ergeben sich daher nach wie vor abrechnungstechnische Fragen, die wir nachfolgend beantworten. 

 

Die relevanten GOZ-Positionen sind folgende sechs Gebührennummern:  

 

GOZ-Nr. 311 

Resektion einer Wurzelspitze an einem Frontzahn 

GOZ-Nr. 312 

Resektion einer Wurzelspitze an einem Seitenzahn 

GOZ-Nr. 317 

Operation einer Zyste durch Zystostomie in Verbindung mit einer Osteotomie oder WSR 

GOZ-Nr. 318 

Operation einer Zyste durch Zystostomie, als selbstständige Leistung 

GOZ-Nr. 319 

Operation einer Zyste durch Zystektomie in Verbindung mit einer Osteotomie oder WSR 

GOZ-Nr. 320 

Operation einer Zyste durch Zystektomie, als selbstständige Leistung 

 

Daneben stehen für die Abrechnung besonders ausgedehnter Zystenoperationen noch GOÄ-Nummern zur Verfügung, deren Leistungsbeschreibungen allerdings nur selten erfüllt werden und die wir deshalb nicht einzeln aufführen. 

 

Ist für die Berechnung der GOZ-Nrn. 311 bzw. 312 die tatsächliche oder die normale Anzahl der Wurzelspitzen maßgeblich?

Entscheidend ist die Anzahl der definitiv resezierten Wurzelspitzen. Weicht diese von der Norm ab, so sollte dies für den Fall einer Auseinandersetzung mit einem Kostenträger durch ein Rö-Bild nachweisbar sein. Das gilt natürlich auch, wenn ein Zahn – etwa ein erster oberer Prämolar – einmal weniger Wurzeln aufweist als üblich.  

 

Spielt bei der Abrechnung die Art des operativen Zugangs eine Rolle?

Nein, die Frage, ob mehrere Wurzeln über ein und denselben oder über unterschiedliche operative Zugänge reseziert werden, ist nur in der Kassenabrechnung nach Bema von Bedeutung. In der Privatabrechnung zählt allein die Anzahl der behandelten Wurzelspitzen. 

 

Kann die WSR an einem benachbarten Zahn in derselben Sitzung genauso berechnet werden wie die Resektion des ersten Zahnes?

Ja. Obwohl natürlich die Resektion eines Nachbarzahnes – die vor allem im Frontzahnbereich gar nicht selten vorkommt – erheblich weniger Aufwand erfordert, wird sie genauso abgerechnet wie der operative Eingriff am ersten Zahn. Eine gesonderte Position „WSR an einem Nachbarzahn“, wie es sie bis 2003 im Bema gab, existiert in der GOZ nicht. Abrechnungstechnisch entscheidend ist lediglich, ob es sich um einen Front- oder Seitenzahn handelt. 

 

Kann neben einer WSR die GOZ-Nr. 310 berechnet werden?

Die GOZ-Nr. 310 („Trepanation des Kieferknochens, als selbstständige Leistung“) kann im unmittelbaren zeitlichen Zusammenhang mit einer WSR nicht abgerechnet werden. Es ist aber durchaus möglich, die Nr.  310 in einer vorausgehenden Sitzung – für einen Akuteingriff im Sinne der „Schröder´schen Lüftung“ – anzusetzen. Die intraoperative Eröffnung der Resektionshöhle zum Zweck der Wurzelspitzenabtragung ist dagegen Leistungsbestandteil der GOZ-Nr. 311 bzw. 312 und daher nicht gesondert berechenbar. 

 

Ist neben der WSR die Trepanation des Zahnes nach der GOZ-Nr. 239 berechenbar?

Wird im zeitlichen Zusammenhang mit einer WSR eine Wurzelbehandlung durchgeführt, so ist diese in vollem Umfang (GOZ-Nrn. 241 und 244) berechenbar. Die GOZ-Nr. 239 kann allerdings nur dann angesetzt werden, wenn tatsächlich eine Trepanation stattfindet, das heißt, wenn der Zugang zum Kanalsystem von orthograd her erfolgt. Bei der Aufbereitung und Füllung der Kanäle von der Wurzelspitze aus ist der Ansatz der Nr. 239 dagegen ausgeschlossen (Dokumentation!). 

 

Ist eine eventuell durchgeführte retrograde Füllung berechenbar?

Ja. Im Gegensatz zur Kassenabrechnung nach Bema – wo zwar eine retrograde Wurzelfüllung, nicht aber ein retrograder Verschluss abrechenbar ist – kann der retrograde Verschluss der resezierten Wurzelspitze mit plastischem Füllmaterial als einflächige Füllung unter der GOZ-Nr. 205 in Rechnung gestellt werden.  

 

Ist der Verschluss der eröffneten Kieferhöhle im Anschluss an die WSR eines Seitenzahnes separat unter der GOZ-Nr. 309 berechenbar?

Ja. Obwohl die Wunde im Anschluss an eine Zystektomie natürlich vernäht werden muss, womit gleichzeitig auch der Zugang zu der bei dem Eingriff eröffneten Kieferhöhle verschlossen wird, ist die Nr. 309 gesondert berechenbar.  

 

Kann man die Resektion der Wurzelspitze(n) im Zuge einer Zahnreplantation oder -transplantation separat berechnen?

Ja, das ist möglich. Vor allem im Zuge einer posttraumatischen oder intentionellen Replantation werden die Wurzelspitzen des wiedereinzusetzenden Zahnes häufig gekürzt. Dies stellt eine WSR dar und ist auch als solche berechenbar.  

 

Ist die Entfernung einer Wurzel an einem mehrwurzeligen, endodontisch behandelten Zahn als WSR oder Hemisektion abzurechnen?

Diese Frage stellt sich vor allem deshalb, weil die GOZ-Nr. 313 („Hemisektion und Teilextraktion eines mehrwurzeligen Zahnes“) im Vergleich zur Nr. 312 weniger als das halbe Honorar erbringt. Dennoch stellt die vollständige Abtragung einer Wurzel zweifellos eine Teilextraktion dar, für die die Nr. 313 anzusetzen ist. Es gibt aber möglicherweise Grenzfälle, in denen die Abtragung eines Teiles der Wurzel ausreicht. Dann ist gegen den Ansatz der GOZ-Nr. 312 nichts einzuwenden (Dokumentation! Rö!). 

 

Welche ist die am häufigsten abgerechnete Zystenoperations-Position?

Die GOZ-Nr. 319. Das liegt daran, dass zum einen fast nur noch Zystektomien und nur in sehr seltenen Fällen Zystostomien durchgeführt werden. Hinzu kommt, dass die allermeisten Zysten dentogenen Ursprungs sind, sodass entweder die Resektion der Wurzelspitzen (bei einer radikulären Zyste) oder die Entfernung des schuldigen Zahnes mittels Osteotomie (sowohl bei einer radikulären als auch einer follikulären Zyste) unabdingbar notwendig sind. Und genau das, nämlich die Zystektomie in Verbindung mit einer WSR oder Osteotomie, ist Inhalt der GOZ-Nr. 319. 

 

Gilt in der Privatabrechnung auch die vom Bema bekannte Vorschrift, dass die Entfernung einer kleinen Zyste durch die Alveole nicht als Zystenoperation berechenbar ist?

Ja, Voraussetzung für die Abrechnung ist ein separater operativer Eingriff mit entsprechendem apparativen und zeitlichen Aufwand. Dies ist ausdrücklich in der GOZ-Bestimmung zu den Nrn. 317 bis 320 festgehalten: „Das Auskratzen von Granulationsgewebe oder kleinen Zysten in Verbindung mit Extraktionen, Osteotomien oder WSRen kann nicht nach den Nrn. 317 bis 320 berechnet werden“. Bei grenzwertigen Eingriffen, in deren Verlauf beispielsweise nach der Osteotomie eines Weisheitszahnes eine beginnende follikuläre Zyste entfernt wird, kommt es entscheidend auf eine präzise, durch Rö-Bilder gestützte Dokumentation an. 

 

Ist die Operation einer Zyste durch Zystektomie im Anschluss an die Entfernung des schuldigen Zahnes unter der GOZ-Nr. 320 berechenbar?

Diese Frage wird besonders oft gestellt. Grundsätzlich stellt eine Zystenoperation, die nach, aber nicht in Begleitung einer Zahnextraktion durchgeführt wird, eine selbstständige Leistung dar. Aber es ist aus zahnmedizinisch-fachlicher Sicht nicht nachvollziehbar, einen Zahn, der eine Zyste aufweist, zunächst zu entfernen und anschließend aufzuklappen, um die Zyste zu beseitigen. Vielmehr werden beide Eingriffe üblicherweise zusammengefasst, das heißt es wird von vornherein aufgeklappt, und der Zahn wird im Zuge der Zysten-Operation entfernt. Das stellt dann wegen der erfolgten Aufklappung und Knochenabtragung eine Osteotomie dar, und der gesamte Eingriff ist unter der GOZ-Nr. 319 (zuzüglich der Nr. 303) abzurechnen. 

 

Was bedeutet der Zusatz „als selbstständige Leistung“ bei den GOZ-Nrn. 318 und 320?

Die GOZ-Nrn. 318 (sehr selten) und 319 (etwas häufiger) werden für die operative Entfernung isolierter, also nicht zahnbezogener Kieferzysten berechnet. In ihrem Gefolge sind mithin keine Maßnahmen an einem verursachenden Zahn erforderlich. Daher handelt es sich um „selbstständige“, nicht im Zusammenhang mit einem anderen Eingriff stehende Leistungen. 

 

Wann ist eine Zystenoperation nach einer GOÄ-Nummer abrechenbar?

In der Beschreibung der relevanten GOÄ-Nrn. 2655 bis 2658 ist von der „Operation einer ausgedehnten Kieferzyste“ die Rede, wobei der Begriff „ausgedehnt“ gleich noch näher als Gebiet „über mehr als drei Zähne oder vergleichbarer Größe im unbezahnten Bereich“ definiert wird. Maßgeblich sind dabei die üblichen Zahnbreiten im fraglichen Kieferabschnitt.  

 

Ist das Auffüllen der Zystenhöhle mit Knochenersatzmaterial separat berechenbar?

Bei der Verwendung von Knochenersatzmaterial im Zusammenhang mit der Operation ausgedehnter Kieferzysten handelt es sich um die „Implantation alloplastischen Materials zur Weichteilunterfütterung“, die als selbstständige Leistung unter der GOÄ-Nr. 2442 (+ Op-Zuschlag Nr.  444) abgerechnet werden kann. 

 

Die Bedingung „... als selbstständige Leistung“ ist insofern erfüllt, als es sich hier um eine zeitlich und technisch getrennte und somit eigenständige Maßnahme handelt, oder anders ausgedrückt: weil das Auffüllen mit Knochenersatzmaterial keine Verrichtung darstellt, die im unmittelbaren zeitlichen und technischen Zusammenhang mit der Zystenoperation steht. 

 

Eine alternative Berechnungsmöglichkeit ist die Erhöhung des Steigerungsfaktors bei der zugrunde liegenden Operation. 

 

Kann das Einsenden des entfernten Zystenbalgs zur histologischen Untersuchung abgerechnet werden?

Hierüber sind sich die Kommentare uneins. Während einige in der auf die Entfernung des Zystenbalges folgenden Einsendung zur histologischen Abklärung keine eigenständige zahnärztliche Leistung sehen, stehen andere auf dem Standpunkt, dabei handele es sich um eine Maßnahme, die der „Entnahme und Aufbereitung von Abstrichmaterial zur zytologischen Untersuchung“ entspreche und daher unter der GOÄ-Nr. 297 in Rechnung gestellt werden könne. 

 

Dagegen spricht indes, dass es sich bei Teilen des Zystenbalges eben nicht um Abstrichmaterial handelt, das vor der Versendung einer speziellen Behandlung bedarf. Somit ist der Ansatz der Nr. Ä297 zumindest sehr fraglich und führt mit großer Wahrscheinlichkeit zu Einwänden seitens des Kostenerstatters. 

Quelle: Ausgabe 10 / 2008 | Seite 11 | ID 122005