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  • · Fachbeitrag · Kommunikation

    Die Rolle von Humor in der Zusammenarbeit der Krankenhausabteilung

    von Stefan Kentrup, medplus-kompetenz.de

    Quartalsgespräch, später Nachmittag. Auf dem Tisch dieselben Zahlen wie in den Quartalen zuvor, am Tisch dieselben Rollen: Die ärztliche Leitung, ringt um Stellen, notwendige Investitionen in Medizintechnik und belegbare Betten, während die Geschäftsführung auf Erlöse und Kosten verweist. Die Choreografie ist bekannt, jeder Satz fast vorhersehbar, das Gespräch droht in gewohnten Ritualen zu erstarren. Dann macht jemand eine trockene Bemerkung über die Absurdität der Lage. Beide Seiten lachen, und für einen Moment sitzen am Tisch zwei Menschen vor demselben Problem. Aus diesem Moment heraus entsteht ein Vorschlag, den vorher niemand auf dem Zettel hatte. Solche Augenblicke wirken beiläufig, beschreiben aber eine der wirksamsten Funktionen von Humor in der Zusammenarbeit.

    Was die Forschung zeigt

    Humor unterbricht eingefahrene, oft dysfunktionale Routinen. Gerade zwischen Chefärztinnen und Chefärzten und der Geschäftsführung haben sich Muster eingeschliffen, die niemand mehr hinterfragt und die echte Verständigung eher verhindern. Guter Humor hebt sie für einen Augenblick auf. Und genau dort entsteht der Raum, in dem sich Rollen- und Verteilungskonflikte neu und innovativer verhandeln lassen und Herausforderungen nicht länger als unlösbar, sondern als gemeinsam bewältigbar erscheinen.

     

    Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Organisationspsychologie

    Eine Metaanalyse (Mesmer-Magnus u. a., 2012; vollständige Literaturangaben online unter Abruf-Nr. 50896020) verbindet positiven Humor am Arbeitsplatz mit mehr Zusammenhalt, besserer Stressbewältigung und der Bereitschaft, eingefahrene Denkpfade zu verlassen. Geteiltes Lachen ist eines der sichtbarsten Anzeichen psychologischer Sicherheit (Edmondson, 1999) und senkt die Status- und Rollendistanz, die jedes Gespräch zwischen Chefärztin/Chefarzt und Geschäftsführung (aber auch zwischen Chefärztin und Oberarzt oder ärztlicher Dienst und Pflegedienst) prägt. Zugleich warnen Bitterly und Kollegen (2017): Ein Witz zur Unzeit senkt die wahrgenommene Kompetenz einer Führungskraft messbar. Humor wirkt nicht linear, sondern in Abhängigkeit von Situation, Adressat und Timing.