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·Fachbeitrag ·Der praktische Fall

Fall 10: Die Aufklärung beim Konzertpianisten

| Dass die Aufklärung je nach den konkreten Umständen des einzelnen Behandlungsfalls unterschiedlich sein muss, zeigt dieser „praktische Fall“, der sich um einen Konzertpianisten dreht. Für unsere Leser gelöst haben ihn Rainer Hellweg, Fachanwalt für Medizinrecht, und die Jura-Studentin Antonia Elbel - beide tätig für die Kanzlei armedis in Hannover. |

Sachverhalt: Der Pianist hat sich geschnitten!

Der junge Konzertpianist kommt in die Klinik-Notaufnahme. Er hat sich beim Gemüseschneiden fürs Kochen so tief in die Hand geschnitten, dass die Wunde genäht werden muss. Er beklagt sich vor dem Eingriff lauthals, dass er schnell an die Reihe kommen müsse, um an der nachmittäglichen Probe des Orchesters teilnehmen zu können. Reicht hier die „normale“ Aufklärung, oder muss der Musiker auch über die allgemeinen Risiken des Eingriffs wie etwa Narbenbildung und Wundinfektion aufgeklärt werden?

Lösung: Besonderer Mensch - besondere Aufklärung

Grundsätzlich gilt: Die Gerichte fordern, dass der Arzt über die Risiken und Gefahren präoperativ „im Großen und Ganzen“ aufklärt. Über allgemeine Risiken muss nicht generell jeder Patient aufgeklärt werden. Das betrifft Gefahren, die mit Operation regelmäßig verbunden sind und bei denen ein Allgemeinwissen hierüber vorausgesetzt werden kann - z. B. Wundinfektionen, Narbenbrüche oder die Gefahr von Nachblutungen. Wenn der Patient von sich aus fragt, müssen die Fragen natürlich beantwortet werden.

 

Besteht jedoch im einzelnen Behandlungsfall ein erhöhtes Risiko oder ist es von besonderer Tragweite für den Patienten, muss der Arzt hierauf auch ungefragt hinweisen. So liegt der Fall auch hier, da eine Narbenbildung die Funktionstüchtigkeit der Hände eines Pianisten einschränken kann.

 

In diesem Fall muss daher der Arzt, der den Eingriff in der Notaufnahme vornimmt, dem Konzertpianisten viel genauer als anderen Patienten erläutern, wie Schnittführung und Naht erfolgen und welche Risiken sich daraus ergeben können. Schließlich ist die Feinmotorik von Finger und Hand für einen Pianisten wesentlich wichtiger als für andere Menschen.

 

PRAXISHINWEIS | Gerade in einem solchen Fall sollten Sie besonders sorgfältig dokumentieren! Wenn Sie einen vorgedruckten Aufklärungsbogen verwenden, können Sie dort handschriftliche Eintragungen machen oder Vorformuliertes ergänzen. Dies unterstreicht den individuellen Charakter Ihres Aufklärungsgesprächs mit dem Patienten. Wird kein gesonderter Aufklärungsbogen verwendet, sollte die individuelle Aufklärung in der Patientenakte dokumentiert werden.

 
Quelle: Ausgabe 02 / 2016 | Seite 20 | ID 43814867