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·Fachbeitrag ·Arzthaftungsrecht

Körbchengröße E bis F statt C: Operateur haftet!

von Rechtsanwältin Nadine Strohmeyer, RAe Klett & Strohmeyer, Herne, www.klett-strohmeyer.de 

| Bei rein kosmetischen Operationen ist eine umfassende und schonungslose Aufklärung des Patienten vorzunehmen. Daran fehlt es, wenn der Arzt nicht deutlich macht, dass ein gewünschtes Operationsergebnis möglicherweise nicht erreicht werden kann und über eine alternative Methode, mit der das Wunschergebnis hätte erreicht werden können, nicht ausreichend informiert. Dies hat das Landgericht (LG) Essen mit einem Urteil vom 28. August 2013 entschieden (Az. 1 O 11/12, Abruf-Nr. 133084). |

 

Der Fall

Die etwa 40-jährige Patientin stellte sich 2009 mit ihrem Ehemann beim später beklagten Arzt vor und ersuchte wegen ihres erschlafften Brustbilds um einen kosmetischen Eingriff. Sie begehre statt eines 75B-Körbchens ein 75C, vor allem aber die Straffung der Brust. Im Folgetermin wurde über Implantate, die Operationsrisiken und die Kosten von 3.550 Euro gesprochen. Der Eingriff wurde durchgeführt; der Patientin wurden Implantate der Größe TRF 365 eingesetzt. Mit dem Ergebnis war die Patientin unzufrieden. Sie habe nun Körbchengröße 75E, Tendenz 75F. Der Arzt habe nicht darüber aufgeklärt, dass der von ihr gewünschte Erfolg allenfalls durch eine weitere Operation hätte erreicht werden können. Zudem hätte ein kleineres Implantat sowie ein Liften der Brust ihrem Wunsch besser entsprochen, was auch der gerichtliche Sachverständige später bestätigte. Sie verlangt die Rückzahlung der 3.550 Euro sowie weiterer 2.000 Euro, die sie für eine Revisionsoperation gezahlt habe. Zudem klagt sie auf Schmerzensgeld.

 

Die Entscheidung

Das LG gab der Klage statt und sprach ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro zu. Gerade bei rein kosmetischen Operationen sei eine umfassende und schonungslose Aufklärung des Patienten vorzunehmen. Dieser Pflicht habe der Arzt nicht genügt. Die Patientin habe eine maßvolle Vergrößerung des 75B-Körbchens auf 75C sowie eine Bruststraffung begehrt. Zwar sei eine solche Angabe, so der Sachverständige, angesichts der Varianz bei den Herstellerangaben problematisch. Dass dieses Ergebnis mit der gewählten Methode kaum zu erreichen war bzw. eine größere Brust das Ergebnis sein könne, habe der Arzt aber nicht verdeutlicht. Auch habe er über eine bessere Alternative nicht informiert. Bei Kenntnis, dass sich durch die gewählte Methode ein F-Körbchen ergeben könne, hätte die Patientin der Operation nicht zugestimmt. Davon sei das LG nach den Eindrücken aus dem Haupttermin zur Größe und Figur der Patientin überzeugt. Auch der Ehemann habe plakativ erklärt, „solche Tüten“ bei der Figur seiner Frau nicht haben zu wollen.

 

FAZIT | Das Urteil verdeutlicht einmal mehr, dass bei rein kosmetischen Eingriffen sehr hohe Anforderungen an die Aufklärung des Patienten gestellt werden.

Quelle: Ausgabe 04 / 2014 | Seite 16 | ID 42566859