· Fachbeitrag · Arzthaftung
Remonstration missachtet: Chefarzt wird zu 800.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt
von RA, FA MedR Dr. Rainer Hellweg, Hannover
Wenn ein (Chef-)Arzt die Bedenken Nachgeordneter nicht ernst nimmt, und dadurch ein Patient geschädigt wird, kann das für den Arzt teuer werden. Ein Chefarzt der Gynäkologie wurde in einem Haftungsfall zu 800.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. Das Gericht saht einen groben Behandlungsfehler darin, dass die Entscheidung zur notfallmäßigen Sectio viel zu spät getroffen worden sei. Und dass, obwohl sowohl die Hebamme als auch die Assistenzärztin ihre fachlichen Bedenken im Rahmen einer sogenannten Remonstration gegenüber dem Chefarzt zum Ausdruck gebracht hatten (Landgericht [LG] Aurich, Urteil vom 05.12.2025, Az. 5 O 609/22).
Verspätete Notsectio führt zu dauerhafter Schädigung
Bei einer 23-jährigen Schwangeren war in der Kreißsaal-Ambulanz der Klinik eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt worden. Diagnostiziert wurde ein Oligo-Anhydramnion bei einem Termin-Flow in der 41 + 0 Schwangerschaftswoche. Daraufhin wurde die schwangere Patientin aufgenommen. Die Geburt sollte mit einem Wehencocktail eingeleitet werden, was jedoch misslang. Der neugeborene Junge und spätere Kläger kam letztlich durch eine Notsectio zur Welt, war reanimationspflichtig und trug bleibende Hirnschäden davon.
Der Kläger erhob Behandlungsfehlervorwürfe in mehrfacher Hinsicht. Seine Hirnschädigung sei Folge der fehlerhaften Geburtsleitung und postpartalen Versorgung. Er habe Pflegegrad 5 mit besonderer Bedarfskonstellation bei Harn- und Stuhlinkontinenz und werde lebenslang auf die Pflege und Betreuung durch Dritte angewiesen sein. Verklagt wurden neben dem Krankenhausträger der verantwortliche Chefarzt sowie die den Geburtsvorgang betreuende Hebamme und die Assistenzärztin. Das Gericht verurteilte Krankenhausträger und Chefarzt zur Zahlung eines Schmerzensgeldes in Höhe von 800.000 Euro.
Möchten Sie diesen Fachbeitrag lesen?
Kostenloses CB Probeabo
0,00 €*
- Zugriff auf die neuesten Fachbeiträge und das komplette Archiv
- Viele Arbeitshilfen, Checklisten und Sonderausgaben als Download
- Nach dem Test jederzeit zum Monatsende kündbar
* Danach ab 17,80 € / Monat
Tagespass
einmalig 10 €
- 24 Stunden Zugriff auf alle Inhalte
- Endet automatisch; keine Kündigung notwendig