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Berichte für private Versicherungen: So sichern Sie sich ein angemessenes Honorar!

Private Versicherungen (zum Beispiel Lebensversicherung, Unfallversicherung, Krankenversicherung) fordern häufig „ärztliche Berichte“ an. Damit wird die Abrechnung nach Nr. 75 GOÄ (Arztbrief, 130 Punkte) unterstellt. Bitte achten Sie darauf, ob tatsächlich nur ein „Bericht“ angefordert wird. Berichte sind nämlich rein deskriptiv, sie geben vorliegende Tatsachen wieder. Wenn Sie aber abwägen, differenziert werten oder gar eine Prognose abgeben sollen, ist das kein Bericht mehr, sondern ein Gutachten - und entsprechend nach Nr. 80 oder 85 GOÄ (300 bzw. 500 Punkte) abzurechnen. Allenfalls sehr einfach zu treffende Wertungen kann man noch als „epikritische Bewertung“ im Sinne der Nr. 75 GOÄ ansehen.

 

Achten Sie auch darauf, ob bei Gutachten nur auf vorhandene Befunde zurückgegriffen werden soll oder ob gegebenenfalls erforderliche neue Untersuchungen „genehmigt“ sind. Sind sie es nicht und Sie führen die Untersuchung eigenmächtig durch, ist die Versicherung dafür nicht zahlungspflichtig.

 

Viele Versicherungen bieten von sich aus ein bestimmtes Honorar für den Bericht oder das Gutachten an. Erscheint dies ausreichend, spricht nichts dagegen, dieses Honorar anzunehmen. Wenn nicht, dann können Sie vor (!) der Leistungserbringung auch ein höheres Honorar vereinbaren. Meist erfolgt das per Faxabsprache und mit einer Pauschale. Zwar ist das gebührenrechtlich nicht unbedenklich, aber stimmt die Versicherung zu, gilt „Wo kein Kläger, da kein Richter“. Genau genommen müsste ein Mitarbeiter der Versicherung bei Ihnen vorstellig werden, um dann nach Absprache eine Honorarvereinbarung nach § 2 GOÄ zu treffen.

 

Die Versicherung braucht Ihren Bericht oder das Gutachten, um den Vertrag oder den Leistungsfall abschließen zu können. Bei einer angemessenen Honorarforderung (zum Beispiel 80 Euro für einen Bericht) zeigt die Erfahrung, dass in etwa 80 Prozent der Fälle zugestimmt wird. Selbstverständlich bietet man für gutes Geld auch gute Leistung: Zeitnahe Bearbeitung und verständliche Abfassung.

 

Stimmt die Versicherung nicht zu, müssen sie den Bericht trotzdem erstellen. Dies resultiert aus einer sogenannten „Nebenpflicht“ gegenüber dem Patienten. Ob Sie dann aber ihrerseits ebenso „serviceorientiert“ arbeiten wie vorstehend beschrieben?

 

In diesem Zusammenhang muss an die nötige Einhaltung der Schweigepflicht erinnert werden: Liegt der Anfrage der Versicherung keine aktuelle und anlassbezogene Entbindungserklärung von der Schweigepflicht bei, müssen Sie das vorher - durch „Nachhaken“ bei der Versicherung oder gegebenenfalls auch durch Anfrage beim Patienten - klären.

 

PRAXISHINWEIS |  Das beschriebene Vorgehen ist nur gegenüber privaten Versicherungen möglich - nicht gegenüber Sozialversicherungen oder Behörden und ähnlichen Auftraggebern und nicht dann, wenn der Patient selbst der Auftraggeber ist.

 
Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 18 | ID 30332950