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·Fachbeitrag ·Qualitätsmanagement

Neue Regelungen für die externe Qualitätssicherung

| Die Ausgestaltung der Regeln zur externen vergleichenden Qualitätssicherung im Krankenhausbereich erfolgt in der „Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) über Maßnahmen der Qualitätssicherung für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser“ - das sind die Krankenhäuser im Krankenhausplan und die Hochschulkliniken sowie Krankenhäuser, die mit den Krankenkassen einen Versorgungsvertrag geschlossen haben. Eine geänderte Fassung dieser „QSKH-Richtlinie“ wurde am 20. Oktober 2011 durch den G-BA beschlossen. Es folgt ein Überblick über die wichtigsten Änderungen. |

Inkrafttreten

Nach Genehmigung durch das Gesundheitsministerium und Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt wird die geänderte Richtlinie in Kraft treten. Änderungen der Vorlage sind in diesem Verfahren nicht mehr zu erwarten.

Neu eingeführte Maßnahmen

Die Menge der Qualitätssicherungsverfahren wird im kommenden Jahr unverändert bleiben. In der nachfolgenden Liste 1 werden die aktuell eingeführten Maßnahmen aufgeführt. Die mit einem Sternchen (*) markierten Module werden direkt durch das AQUA-Institut durchgeführt (Direktverfahren), die anderen durch die zuständige Landesgeschäftsstelle (indirektes Verfahren).

  • Liste 1: Dokumentationspflichtige Leistungsbereiche im Jahr 2012
  • Ambulant erworbene Pneumonie
  • Aortenklappenchirurgie, isoliert *
  • Cholezystektomie
  • Pflege: Dekubitusprophylaxe
  • Geburtshilfe
  • Gynäkologische Operationen
  • Herzschrittmacher-Aggregatwechsel/-Implantation/-Revision/-wechsel
  • Herztransplantation *
  • Hüft-Endoprothesen-Erstimplantation/-wechsel
  • Hüftgelenknahe Femurfraktur
  • Karotisrevaskularisation
  • Knie-Totalendoprothesen-Erstimplantation/-wechsel
  • Kombinierte Koronar- und Aortenklappenchirurgie *
  • Koronarangiographie und Perkutane Koronarintervention (PCI)
  • Koronarchirurgie, isoliert *
  • Mammachirurgie
  • Lebertransplantation/-lebendspende *
  • Nierentransplantation/-lebendspende *
  • Lungen- und Herz-Lungentransplantation *
  • Pankreas- und Pankreas-Nierentransplantation *
  • Neonatologie
  • Implantierbare Defibrillatoren - Implantation/-wechsel/-Revision

 

Nachdem im Vorjahr mit der „Neonatologie“ und dem Modul „Implantierbare Defibrillatoren“ zwei neue Bereiche eingeführt wurden, sind für das kommende Jahr keine Erweiterungen der Dokumentationspflicht geplant.

Datenvalidierung

Im Bereich der Datenvalidierung (Überprüfung der korrekten Dokumentation anhand der Krankenakten) wird es nur eine kleine Änderung geben. Hier wurden bisher pro Jahr und ausgewähltem Leistungsbereich 5 Prozent der beteiligten Kliniken geprüft. Für die vom AQUA-Institut betreuten Direktverfahren müssen nun auch mindestens 5 Prozent der beobachteten Fallzahl - das heißt aller abgerechneten Fälle - in das Verfahren einbezogen werden. Werden nun für eines dieser Verfahren vorwiegend Kliniken mit geringer Fallzahl ausgelost, muss unter Umständen die Stichprobe der Kliniken vergrößert werden, um die notwendige Zahl geprüfter Fälle zu erreichen.

Sanktionen für unvollständige Dokumentation

Die wichtigste Änderung für die beteiligten Kliniken wurde für die geforderten Dokumentationsraten beschlossen. Bisher blieb eine Klinik von Sanktionen verschont, wenn sie 80 Prozent der insgesamt in allen Modulen zu dokumentierenden Datensätze ordnungsgemäß dokumentiert hatte. Dies wird zukünftig nur der Fall sein, wenn in jedem einzelnen Modul mindestens 95 Prozent der Datensätze geliefert werden. Liegt die Rate in einem der Leistungsbereiche niedriger, sollen der Klinik pro nicht-geliefertem Datensatz 150 Euro vom Budget des Folgejahres abgezogen werden.

 

Für die meisten Krankenhäuser wird die neue Regelung kein Problem bringen. Schon heute liegen fast alle Kliniken in sämtlichen Modulen weit über der Rate von 95 Prozent. In einzelnen Fällen kann die neue Regelung jedoch teure Folgen haben. So wirkte es sich für ein Krankenhaus mit vielen Abteilungen und einer insgesamt geforderten Zahl von 3.000 Dokumentationen nicht aus, wenn beispielsweise durch einen EDV-Fehler die 500 Geburten nicht ordnungsgemäß dokumentiert wurden. Wie die unten stehende Tabelle zeigt, wird das bei der neuen Regelung deutliche Folgen haben.

 

  • Sanktionen alt - neu im Vergleich
Soll
Ist
Sanktionshöhe
Bemerkung

Bisher

3000 DS

2500 DS*

0,00 Euro

da insgesamt 83 Prozent

Neu

3000 DS

2500 DS*

75.000 Euro

da Geburtshilfe < 95 Prozent

* DS = Datensatz

Die Unklarheiten

Allerdings lässt der Text der neuen Richtlinie für die Fälle, die der Sanktionsberechnung zu Grunde gelegt werden, unterschiedliche Auslegungen zu. Wörtlich steht im Entwurf der QSKH-Richtlinie von 20. Oktober 2011:

 

  • Zitat aus der QSKH-Richtlinie

„Bei einer Dokumentationsrate eines Leistungsbereiches des Krankenhauses von unter 95 Prozent wird ein Abschlag für jeden nicht dokumentierten Datensatz in Höhe von 150 Euro festgelegt.“

 

Ist hier die Anzahl der im die Sanktionen auslösenden Modul fehlenden Datensätze gemeint oder die aller dem Haus fehlenden? Für große Kliniken kann das einen immensen Unterschied bedeuten.

 

Eine gewisse Unklarheit besteht auch noch bezüglich des Datums, ab dem die neue Regelung gilt. Im Entwurf der QSKH-Richtlinie steht „Inkrafttreten: 1. Januar 2012“. Bedeutet dies, dass die Regelung auch schon für das Erfassungsjahr 2011 gilt, da über die Sanktionen für diesen Jahrgang ja erst im Frühjahr 2012 entschieden wird? Oder wird sie erst für die Daten des Erfassungsjahrs 2012 angewandt, über dessen Sanktionen im Frühjahr 2013 zu entscheiden sein wird?

 

Es ist zu hoffen, dass diese Unklarheiten schnell beseitigt werden und nicht erst später mit viel Aufwand und Kosten durch Schiedsstellen und Gerichte zu klären sind.

Qualitätsbericht

Eine von vielen Insidern erwartete Änderung wurde für 2012 nicht beschlossen: Der Qualitätsbericht nach § 137 Sozialgesetzbuch V wird vorerst weiter nicht jährlich, sondern alle zwei Jahre zu erstellen sein - zumindest bis zur nächsten Änderung der Richtlinie.

 

FAZIT |  Die Regelungen zur externen Qualitätssicherung für das Jahr 2012 lassen sich im Wesentlichen wie folgt zusammenfassen:

  • Anzahl und Inhalt der Leistungsbereiche werden 2012 nicht geändert.
  • Die Datenvalidierung in den Direktverfahren muss unter Umständen mehr Kliniken erfassen.
  • Die geforderte Dokumentationsrate wurde auf 95 Prozent pro Leistungsbereich festgelegt.
  • Bezüglich der genauen Auslegung der Richtlinie bestehen noch einige Unklarheiten.
  • Der Qualitätsbericht wird weiter alle zwei Jahre gefordert.

 

Weiterführender Hinweis

  • Den Entwurf der QSKH-Richtlinie finden Sie unter www.dkgev.de. Sie können ihn sich auch nach Ihrem Login in „myIWW“ im Online-Service (Rubrik „Arbeitshilfen“) herunterladen.
Quelle: Ausgabe 12 / 2011 | Seite 10 | ID 30289530