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  • · Fachbeitrag · Personalführung

    Potestas oder Auctoritas – was gute medizinische Führung wirklich ausmacht

    von Jens Hollmann, medplus-kompetenz®, medplus-kompetenz.de

    Stellen Sie sich einen gewöhnlichen Morgen auf Station vor. Die Nachtübergabe läuft, die ersten Visiten stehen bevor. Eine Pflegekraft berichtet in wenigen Sätzen über einen Patienten. Es sind keine spektakulären Informationen, nichts, was unmittelbar auf einem hochtechnologischen Monitor oder umfangreichen Blutbild sichtbar wäre. Und doch sind es oft gerade diese scheinbar beiläufigen Wahrnehmungen, Beobachtungen, die in keiner Kurve erscheinen, die den klinischen Blick auf die Situation verändern, neu ausrichten und eine andere medizinische Entscheidung nach sich ziehen. Solche Momente gehören nicht in die Welt von Führungskräfteseminaren oder Lehrbüchern. Sie prägen den klinischen Alltag. Tag für Tag.

    Korrelation zwischen Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen und Behandlungsqualität ist wissenschaftlich belegt

    Bereits 1986 untersuchten Knaus, Draper, Wagner und Zimmerman mehr als 5.000 Intensivpatienten in 13 großen amerikanischen Krankenhäusern. Ihr Befund war bemerkenswert: Dort, wo Ärzte und Pflegekräfte eng und vertrauensvoll zusammenarbeiteten, lag die Sterblichkeit signifikant unter den statistisch erwartbaren Werten. Wo Kommunikation erschwert oder gestört war, zeigte sich das Gegenteil. Fast drei Jahrzehnte später bestätigte eine große Analyse von Pannick und Kollegen diesen Zusammenhang anhand von über 66.000 Patienten mit dem Ergebnis einer relativen Reduktion der Krankenhaussterblichkeit um acht Prozent! Und das nicht etwa durch neue Technik oder durch zusätzliche Leitlinien, sondern hauptsächlich durch die Qualität der Zusammenarbeit zwischen den Berufsgruppen.

     

    MERKE — Wissenschaftliche Redlichkeit verlangt an dieser Stelle natürlich den Hinweis, dass Korrelation nicht automatisch Kausalität bedeutet und Ergebnisse aus dem intensivmedizinischen Bereich nicht uneingeschränkt auf alle Versorgungssettings übertragen werden können. Dennoch zeigt die Evidenz seit Jahrzehnten eine bemerkenswerte Konstanz. Über Ländergrenzen, Fachgebiete und Versorgungssysteme hinweg deutet sie in dieselbe Richtung: Gute Medizin entsteht dort, wo Menschen ihr Wissen miteinander teilen.