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  • · Nachwuchskräfte

    „Ausgezeichnete PJ-Ausbildung fördert langfristig den Ruf und die Attraktivität der Klinik!“

    Bild: © GLG Werner-Forßmann Klinikum Eberswalde

    Wodurch zeichnet sich eine gute Ausbildung medizinischer Nachwuchskräfte aus? Dr. Thomas Ihmann ist Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie am GLG Werner Forßmann Klinikum Eberswalde (Akademisches Lehrkrankenhaus der Charité) in der Nähe von Berlin. Für seine innovative Lehrmethodik hat er von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland e. V. (BVMD) den PJ-Preis erhalten. Im Gespräch mit Dr. Benedict Carstensen gibt Dr. Ihmann Einblicke in die Erfolgsfaktoren seiner Ausbildungstätigkeit.

     

    Redaktioneller Hinweis: Dieses Interview ist eine Zusammenfassung des Transskripts aus Episode 14 unses Podcasts „Level Up Klinikführung“. Das gesamte Gespräch hören Sie in unserem Podcast (Abruf-Nr. 50789893).

     

    Frage: Herr Dr. Ihmann, was machen Sie anders, um Ihre PJler zufriedenzustellen und bestens auszubilden?

     

    Antwort: Es fängt schon damit an, dass die Stimmung in unserem Haus relativ gut ist. In der Ausbildung gibt es viele, Dinge, die man einfach regeln kann. Der Schlüssel liegt im Willkommenheißen und der gezielten Integration unser PJ-Studierenden. Am ersten Tag heißen wir sie nicht nur organisatorisch willkommen, indem alle Formalitäten erledigt sind, sondern auch persönlich in der Klinik. Unser Onboarding ist umfassend geplant. Es beginnt schon Wochen vorher mit einer Willkommens-E-Mail, in der wir uns und unsere Lernziele vorstellen. Während des PJ‘s achten wir darauf, dass die individuellen Lernziele der PJler berücksichtigt und gezielt gefördert werden.

     

    Konkrete Maßnahmen sind unter anderem eine Einführung in den Klinikablauf und rechtliche Themen wie Datenschutz und Hygiene. Unsere Personalabteilung arbeitet eng mit uns zusammen, um sicherzustellen, dass die EDV-Zugänge, der Transponder und alle notwendigen Materialien vorbereitet sind. So können sich die Studierenden von Anfang an auf ihre fachliche Ausbildung konzentrieren. Wöchentliche persönliche Gespräche helfen dann, individuelle Interessen zu klären und einen personalisierten Ausbildungsplan zu entwickeln.

     

    Frage: Wie gestalten Sie den alltäglichen Ablauf und die Zuteilung der PJ-Studierenden?

     

    Antwort: Die Integration der PJ-Studierenden in den täglichen Klinikbetrieb ist strukturiert und flexibel zugleich. Unsere Planungstools ermöglichen es, die Studierenden gezielt auf Teams zu verteilen, die ihrer Ausbildung zugutekommen. Wir führen regelmäßige Einstiegsgespräche, um die Lernziele zu bestimmen und passen deren Zuteilung im OP an aktuelle Lernschwerpunkte an. Wir gewährleisten, dass sie mit den besten verfügbaren Ressourcen und Mentoren arbeiten, die sich leidenschaftlich für ihre Vermittlungsarbeit einsetzen.

     

    Frage: Wie fördern Sie den Wissenstransfer und welche Rolle spielt die fachliche Weiterbildung über den Alltag hinaus?

     

    Antwort: Ich führe wöchentlich persönliche Gespräche mit den PJ-Studierenden. Darin erhalten die Studierenden die Möglichkeit, ihre Fragen zu stellen und komplexe Fälle zu diskutieren. Unsere Fortbildungsmaßnahmen sind divers. Neben generalisierten, fachübergreifenden PJ-Fortbildungen gibt es spezifische Programme für unsere Anästhesie-PJler. Als Vorschlag haben wir immer 16 Themen schon vorbereitet, sodass die Studierenden in 16 Wochen einmal die komplette Anästhesie und Intensivmedizin durchlaufen. In den letzten Tertialen haben die Kolleginnen und Kollegen im PJ auch zunehmend eigene Themenvorschläge gemacht. Zudem implementieren wir Micro-Learning-Formate, bei denen in kurzer Zeit kompakte Themen behandelt werden. Diese fördern das kontinuierliche Lernen auch in einem hektischen Umfeld.

     

    Dabei fördert eine Kombination aus praktischer Arbeit im OP und theoretischem Unterricht die gesamte Ausbildung im PJ. Wir verwenden ein praxisnahes Lehrkonzept, in dem wir auch Fallstudien und szenariobasierte Trainings durchführen.

     

    Frage: Wie prüfen Sie den Fortschritt Ihrer Studierenden während des PJ?

     

    Antwort: Zur Förderung und Überprüfung des Lernfortschritts nutzen wir verschiedene Instrumente. Die Entrustable Professional Activities (EPAs) dienen dabei als offizielles Dokumentationsmittel, ergänzt durch ein internes, analoges Heftchen für praktische Fertigkeiten. Letzteres wird zur Hälfte des Tertials in Feedback-Runden einbezogen, um Lernfortschritte zu bewerten und Anpassungen vorzunehmen. Die Studierenden können so aktiv am Gestaltungsprozess ihrer Ausbildung mitwirken. Angestrebt wird u. a., dass am Ende des Tertials jeder eine einfache Narkose unter Anleitung sicher durchführen kann.

     

    Darüber hinaus würden wir Anpassungen in individuellen Ausbildungswegen vornehmen, wenn ein Bedarf festgestellt wird. Der Fokus liegt auf erlebbarer Praxisnähe und Individualität, den Studierenden die Vielfalt der Anästhesie und Intensivmedizin authentisch näherzubringen.

     

    Frage: Sehen Sie die Ausbildung auch als eine Art Recruiting-Strategie?

     

    Antwort: Definitiv. Unser Ansatz sorgt dafür, dass sich durch positive Erfahrungen im PJ ein ausgezeichnetes Image unsere Klinik aufbaut. Kommunikation und positives Feedback tragen zur Weiterempfehlung bei. Wir zeigen, dass wir ein attraktiver Arbeitsort sind und wertvolle Ausbildungsressourcen bieten. Eine ausgezeichnete PJ-Ausbildung führt nicht nur zu besseren Ärzten, sondern fördert langfristig den Ruf und die Attraktivität unserer Klinik!

     

    Herr Dr. Ihmann, vielen Dank für das Gespräch!

    Quelle: ID 50787275