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  • ·Fachbeitrag ·Aktuelle Studie

    Krankenhausreport 2020: Krankenhausfinanzierung und Vergütung neu gedacht

    von Alexandra Buba M. A., Wirtschaftsjournalistin, Fuchsmühl

    | Wer die Ökonomisierung der deutschen Kliniklandschaft dieser Tage anprangert, darf sich des beinahe uneingeschränkten Beifalls sicher sein. Dass dabei zu kurz greift, wer sich allein am DRG-System stößt, legt der aktuelle Krankenhausreport 2020 des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in mehreren Analysen dar. Denn nicht allein der Anreiz „Fallpauschale“ laufe möglicherweise fehl, sondern auch die ungenügende Investitionsfinanzierung, eine zersplitterte Struktur und der Fachpersonalmangel sorgten für wirtschaftliche Verwerfungen, so die Autoren. Der gesamte Report ist als Open Access verfügbar unter dem Shortlink ogy.de/zhy4. |

    Das optimale System gibt es nicht

    Gesucht wird nach etwas, das es (noch) nicht gibt. So lassen sich vielleicht die zahlreichen einzelnen Analysen des diesjährigen Krankenhausreports zusammenfassen. Denn wo weitgehend Einigkeit darüber herrscht, dass das DRG-System im Laufe der vergangenen Jahre eklatante Schwächen offenbart hat, fehlt auf breiter Basis die Überzeugung, dass es ein besseres System gäbe, das unmittelbar umgesetzt werden und die Krankenhausfinanzierung auf gesündere Beine stellen könnte. Das liegt auch daran, dass bereits die Ziele, die Krankenhausvergütungssysteme verfolgen, vielschichtig und komplex sind und teilweise unmittelbar in Konkurrenz stehen. So geht es letztlich darum, Bedarfsgerechtigkeit, Qualität der Versorgung, Effizienz der Leistungserbringung und außerdem Gerechtigkeit gegenüber Leistungserbringern sowie Fairness gegenüber Kostenträgern herzustellen.

    Fehlentwicklungen sind sichtbar

    Alternativen zum derzeitigen Modell sind ‒ theoretisch ‒ etwa die Krankenhausfinanzierung über Budgets, eine Vergütung von unterschiedlich abgrenzbaren Leistungen wie Pflegetagen, medizinischen Interventionen und Fällen oder die Vergütung des Behandlungserfolgs. Doch auch all diese Modelle haben Schwächen und können für sich genommen keine optimale Finanzierung gewährleisten. Vielmehr gehe es darum, so die Autoren des Reports, das Geflecht von Zielen und gesetzten Anreizen auszutarieren. Die Gesundheitsökonomie präferiere daher seit vielen Jahren gemischte Systeme. Was die Sache für die Klinikleitungen nicht einfacher macht, denn damit steigt naturgegebenermaßen die Komplexität. Dass Reformbedarf besteht, ist aber unstrittig: Fehlentwicklungen hätten sich beispielsweise in der Verschiebung der Personalausstattung hin zum ärztlichen Personal gezeigt. Auch die mit dem Koalitionsvertrag auf den Weg gebrachte Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus den DRG gehe zwar einen partiellen Schritt zurück zur Selbstkostendeckung, sei aber zugleich mit Schwierigkeiten verbunden.